Ulexit-Erforschung und Namensgebung
Allgemein gilt als Typlokalität für Ulexit die Provinz und Hauptstadt "Iquique" in Chile, denn der amerikanische Chemiker und Mineraloge "Augustus A. Hayes" (1806-1882) beschrieb erstmals ein Mineral aus dieser Gegend unter der Bezeichnung "Hydroborocalcit". Der neue Fund bestand nach seinen Untersuchungen aus Wasser, Borax und Kalk, entsprechend fiel seine Namensgebung aus.
Die chemische Zusammensetzung
Im Jahre 1849 analysierte auch der Hamburger Chemiker "Georg L. Ulex" einen ähnlichen Fund aus Peru, der den lokalen Mineralnamen "Tiza" trug. Dabei stellte er jedoch, im Vergleich zu Hayes Ergebnissen, eine abweichende Zusammensetzung fest und deklarierte das wasserhaltige Natrium-Calcium-Hydrogenborat deshalb als "Boronatrocalcit". Da er von sich gleichenden Mineralproben ausging, vermutete Ulex, dass Hayes den signifikanten Natron-Anteil bei seinem Exemplar übersehen hatte.
Erst als der amerikanische Geologe und Mineraloge "James D. Dana" ein Jahr später beide Proben genauer verglich, war schnell klar, dass es sich tatsächlich um unterschiedliche Zusammensetzungen handelte. Daraufhin kreierte er für die Probe des Wissenschaftlers "Ulex" (wasserhaltiges Natrium-Calcium-Hydrogenborat) die eigene Mineral-Bezeichnung "Ulexit".
Eine eigene Mineralart
Da Ulexit schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts den Status einer eigenen Mineralart besitzt, gilt er heute als sogenanntes "grandfathered" Mineral. Bei der Gründung der IMA (International Mineralogical Association) im Jahre 1958 wurde durch die Einordnung "G Mineral" somit seine Eigenständigkeit übernommen und bestätigt. Seit dem Jahre 2021 ist außerdem das Kürzel "Ulx" nicht nur als Mineralsymbol sondern auch als Kurzbezeichnung zulässig.
Ulexit-Entstehung
Wenn abgeschlossene Gewässer in der Nähe des Meeres und Binnenseen über einen großen Zeitraum hinweg austrocknen, bleiben die einst gelösten Bestandteile als Ausfällungen im sedimentären Bodenschlamm zurück. Während einer sogenannten "Eindampfung" (Evaporation) erhöht sich durch den Flüssigkeitsverlust mit der Zeit nach und nach die Konzentration der gelösten Mineralien, sodass sie irgendwann Mineralkristalle bilden. Je nach Zusammensetzung der Mineralstoff-Lösung können so sekundär unterschiedliche Minerale entstehen, wobei Carbonate zuerst ausgefällt werden. Danach folgen Anhydrit bzw. Gips und schließlich das leicht lösliche Steinsalz.
Sekundäre Bildung
Während salzhaltige, sogenannte Borax-Seen bzw. Borax-Sümpfe austrocknen, entsteht sekundär auch Ulexit, meistens zusammen mit Steinsalz, Borax und Soda, durch Ausfällung im Schlamm der jeweiligen Gewässerböden. Wenn in der hochkonzentrierten Mineralien-Flüssigkeit sogenannte "Kondensationskeime" vorkommen, die den "Startschuss" für eine Mineralbildung einleiten können, wächst das Mineral in eine bevorzugte Richtung, solange kein Widerstand existiert.
Ulexit-Begleitminerale
In Paragenese ist Ulexit meistens in Begleitung anderer Salz- und Borat-Minerale oder Sedimentgesteine (Evaporite) anzutreffen. Letztere können beispielsweise das wasserhaltige Calcium-Borat "Colemanit", das Calcium-Magnesium-Borat "Hydroboracit", das Natrium-Chlorit "Halit" oder das Calcium-Carbonat "Calcit" sein.
Ulexit-Vorkommen
Obwohl Ulexit an bestimmten Orten größere Lagerstätten bildet, ist er weltweit betrachtet jedoch nur selten zu finden. In Chile gibt es neben seiner Typlokalität (Iquique) noch einige weitere Vorkommen, wie beispielsweise in der Atacama-Wüste zwischen Chile und Peru. Aber auch in Deutschland kann man Ulexit finden, beispielhafte Fundorte liegen in Hessen, im Saarland, in Niedersachsen (Harz) und Thüringen.
Weitere Vorkommen gibt es in Kanada (z. B. Neufundland-Labrador), in den USA (Kalifornien, Oklahoma, Nevada), in Bolivien und Argentinien sowie in China und Tibet. Aber auch Serbien, Kasachstan, Iran und die Türkei (z. B. Zentralanatolien) besitzen Ulexit-Lagerstätten.
Ulexit-Merkmale und Kristallsystem
Obwohl Ulexit im "Triklinen Kristallsystem" kristallisiert, entstehen nur sehr selten gut sichtbare Einzelkristalle. Meistens bildet er parallel-faserige, traubenförmige Aggregate oder derbe Massen und an einen Blumenkohl oder Wattebausch erinnernde Knollen, die einen radial-faserigen Aufbau zeigen. Als "Einkristall" ist Ulexit durchsichtig und völlig farblos, als derbe Masse jedoch undurchsichtig und weiß. Manchmal hinterlässt die Verunreinigung durch Tonminerale allerdings auch eine graue, weniger attraktive Färbung.
Optische Eigenschaft
Die Projektionsfähigkeit von darunter liegenden Bildern oder Texten an der plangeschliffenen Kristalloberfläche hat Ulexit die Beinamen TV-Rock, TV-Stein, Televisionsstone oder Fernsehstein eingebracht. Dieser Lichtleitungseffekt lässt sich am besten bei parallel-faserigem Aufbau beobachten, wenn Ulexit in Scheibenform geschliffen wurde, wobei der Glattschliff immer senkrecht zu den Fasern erfolgt.
Rein-weiße Ulexit-Varietäten können bei einem parallel-faserigem Aufbau außerdem Chatoyance (Katzenaugen-Effekt) zeigen, der allerdings nur bei Schmucksteinen mit Cabochon-Schliff deutlich sichtbar wird.
Bestimmungsmerkmale
Während seltene Einzelkristalle farblos sind und Aggregate meistens eine weiße Erscheinungsfarbe zeigen, ist die Strichfarbe des Ulexits immer weiß. Mit einer durchsichtigen bis durchscheinenden Transparenz präsentieren vor allem Kristalle oft Seiden- bis Glasglanz.
Ulexit besitzt eine niedere Mohshärte von maximal 2,5 und eine Dichte zwischen 1,9 und 2,0 sowie längs der Fasern eine vollkommene Spaltbarkeit. Quer zur Faser lässt er sich weniger gut spalten und hinterlässt spröde, unebene Bruchstellen. Er nimmt außerdem gut Wasser auf, wenn man ihn in die Flüssigkeit einlegt und löst sich nur schwer in siedendem Wasser unter Bildung einer alkalischen Reaktion. Ulexit schmeckt zudem leicht salzig.
Verwechslungen und Imitate
Nur Glasfaser-Steine wie die künstlichen Cathay-Steine können oberflächlich betrachtet einem Ulexit-Cabochon recht ähnlich sehen. Diese Kunststeine bestehen jedoch hauptsächlich aus Marmor- oder Quarz-Steinmehl und einem harzähnlichen Leim-Bindemittel, wobei einzig zur Stabilisierung der Quarz-Werkstoffe oder Kunstmarmor-Platten auch Glasfasern auftauchen können. Diese Verbundwerkstoffe sind im Handel manchmal als Cabochons in Mode-Schmuck verarbeitet, sind jedoch unter dem Mikroskop schnell identifiziert. Weitere Ulexit-Imitate oder Fälschungen sind allerdings nicht üblich.
Klassifizierung und chemische Zusammensetzung
In den gebräuchlichen Systemen (Strunz, Weiß, Dana), um Mineralien einzuordnen, ist Ulexit teilweise abweichend klassifiziert. Während Strunz (von 1977) und die IMA (von 2009) beide dieses Mineral in die eigenständige Mineralklasse der "Borate" einordnen, unterscheiden sie sich in den weiteren Unterabteilungen. Strunz spricht von "Gruppenboraten" (Soroborate), die in der Ulexit-Gruppe eine weitere Unterabteilung bilden. Die IMA übernimmt die Mineralklasse bei ihrer Überarbeitung der Strunz´schen Mineralsystematik, ordnet Ulexit allerdings zu den "Pentaboraten" und dort wegen der Struktur dieser Boratkomplexe in die weitere Unterabteilung der "Insel-Pentaborate" (Neso-Pentaborate).
Zwei weitere Mineral-Systematiken
In der "Lapis-Systematik" nach Weiß, die sich an Strunz orientiert, und der im englischen Sprachraum üblichen Systematik der Mineralien nach Dana erscheint Ulexit jeweils in der Mineralklasse der "Nitrate, Carbonate und Borate". Bei Weiß ist er jedoch in der Unterabteilung "Gruppenborate" und bei Dana unter "Wasserhaltige Borate mit Hydroxyl oder Halogen" zu finden.
Die ideale, chemische Zusammensetzung
Bei stofflicher Reinheit besteht Ulexit im Stoffmengenverhältnis zu je einem Teil aus Natrium (Na) und Calcium (Ca) sowie zu fünf Teilen aus Bor (B), zu 16 Teilen aus Wasserstoff und zu 17 Teilen aus Sauerstoff (O). Dabei kann der Massenanteil (Massenbruch) je nach Fund- und Entstehungsort in den Gewichtsprozent-Anteilen von Natrium-Oxid und Calcium-Oxid sowie Bortrioxid und Wasser geringfügig variieren.
Ulexit-Verwendung
Bis heute gehört Ulexit zu den wichtigen Erzen, die man zur Bor-Gewinnung für die Industrie nutzt. Bor steckt beispielsweise in Waschmitteln oder Pflanzenschutzmitteln und wird unter anderem auch in der Kosmetikindustrie verwendet. Selbst Bremsbelege beinhalten das chemische Element "Bor".
Das Spurenelement "Bor"
Obgleich Bor offiziell nicht als "essentielles" Spurenelement gehandelt wird, so kennt man doch seine Bedeutung für wichtige Stoffwechsel-Vorgänge im menschlichen Körper. Dazu gehören unter anderem der Vitamin-D-Stoffwechsel und Calcium-Magnesium-Stoffwechsel, doch auch der Knochenaufbau und dessen Stoffwechsel sowie die Gesundheit von Knochen und Gelenken hängt von einer verfügbaren Bor-Menge im Organismus ab. Bor unterstützt außerdem die Funktion des Gehirns und beeinflusst den Hormonhaushalt sowie die Wundheilung positiv.
Essentiell für Pflanzen
Über pflanzliche Nahrungsmittel wie beispielsweise Nüsse, Trockenfrüchte, Trauben, Pflaumen oder Hülsenfrüchte nimmt der Mensch normalerweise genügend Bor in sich auf, denn für Pflanzen ist dieses Spurenelement überlebenswichtig (essentiell). Somit achtet man bei der Pflanzenzucht auf einen passenden Bor-Gehalt im Boden und hilft gegebenenfalls bei Mangelerscheinungen und entsprechenden Erkrankungen auch durch Düngung und Pflanzenschutzmittel nach.
Katzenaugen-Ulexit als Schmuckstein
Da seltene, rein-weiße Ulexit-Varietäten in ihrer parallel-faserigen Form manchmal mit einem deutlich sichtbaren Katzenaugen-Effekt ausgestattet sind, schaffen es manche Exemplare des Ulexits doch in den Bereich der Schmuckherstellung. Obwohl dieses Mineral durch seine niedere Härte den Anforderungen im Gebrauch eigentlich nur bedingt entspricht und sich ziemlich leicht Kratzspuren einfangen kann, taucht Ulexit mit Chatoyance im Handel als attraktiver Schmuckstein im Cabochon-Schliff auf.
Vorsicht beim Gebrauch!
Schmuckstücke mit Ulexit-Cabochons (z. B. Ringe oder Armreife) sollte man während der Nutzung möglichst schonend behandeln und nicht bei alltäglichen Arbeiten tragen, da Ulexit bei Zusammenstößen mit härteren Materialien nicht nur zerkratzen sondern auch brechen kann. Da Ulexit empfindlich auf heißes Wasser und Laugen reagiert, sollte man solche Schmuckstücke beispielsweise vor dem Händewaschen oder Duschen lieber ausziehen.
Ebenso ist eine schonende Lagerung und falls notwendig auch Reinigung ratsam, damit die Schönheit des recht weichen Schmucksteins erhalten bleibt. Deshalb muss man Ulexit vor Hitze (Sonneneinstrahlung, Heizung), Säuren und Laugen (Reinigungsmitteln) sowie Ultraschall und galvanischen Bädern schützen.
Sammelobjekte
Paragenesen von Ulexit mit anderen Begleitmineralen landen dagegen häufig in privaten oder musealen Mineralsammlungen, denn seine durchsichtigen, teilweise nadelförmigen Kristalle kombiniert mit beispielsweise körnigen Calcit-Verwachsungen können optisch sehr beeindrucken. Damit diese besonderen Schönheiten nicht verstauben oder Schaden nehmen, sollte man auch sie entsprechend geschützt aufbewahren. Glasvitrinen oder Glasglocken sind hierfür perfekt geeignet, wenn man sie gut sichtbar ausstellen und nicht in Schachteln oder Schubladen schmucklos aufbewahren möchte.
Ulexit-Scheiben
In der Steinheilkunde sind hauptsächlich die handelsüblichen, robusteren Ulexit-Scheiben im Einsatz, da man sie gut auf betroffene Körperpartien und entsprechende Chakras auflegen kann. Diese kleinen, polierten Platten sind meistens weiß und zeigen daher maximal eine durchscheinende Transparenz.
Anwendungsmöglichkeiten
Da Ulexit unter anderem auch bei Augenleiden helfen soll, kann man im Liegen jeweils eine polierte Scheibe direkt auf die geschlossenen Augen platzieren, wobei sich während einer liegenden Meditation allerdings auch das Stirn-Chakra (Drittes Auge) anbietet. So kann sich mit der Zeit ein objektiver, realistischerer Blick auf die Lebensumstände und Situationen sowie ihre "Akteure" verbessern. Als Anhänger auf dem Nabel- (Solarplexus) oder Herz-Chakra soll Ulexit vor einer allzu arglosen, blauäugigen "Vertrauensseligkeit" schützen.