Variscit aus dem Vogtland
Seine Typlokalität liegt tatsächlich in der Kulturlandschaft des "Vierländerecks" zwischen Sachsen, Thüringen, Bayern (Franken) und Tschechien (Böhmen). Erstmals im Jahre 1837 durch den Freiberger Professor und Mineralogen "J. F. August Breithaupt" genauer beschrieben, hatte dieser schon zwei Jahre zuvor die auch heute noch gültige Bezeichnung "Variszit" nach dem lateinischen "Variscia" für "Vogtland" kreiert. Dieser Tradition folgend, lautet auch ein späteres Synonym des Variscits entsprechend seinem Fundort in Utah (USA) passenderweise auch "Utahlit", sodass sofort klar ist, woher das Mineral stammt. Das ebenfalls gebräuchliche Synonym "Aluminiumorthophosphat" bezieht sich allerdings auf die stoffliche Zusammensetzung des Variscits.
Bis heute lagert das "Typmaterial" (auch "Typstufe") von damals, an dem die ersten Untersuchungen und Materialbestimmungen stattfanden, in der "Technischen Universität Bergakademie Freiberg" in Sachsen.
Variscit-Entstehung und Klassifizierung
Chemisch betrachtet ist das Mineral "Variscit" ein wasserhaltiges Aluminiumorthophosphat und gehört somit in die Mineralklasse der "Phosphate, Arsenate und Vanadate". Das Mineral bildet sich sekundär als Ablagerung auf aluminiumhaltigen Gesteinen in der Nähe der Erdoberfläche, wenn das stetige Einwirken von wässrigen Flüssigkeiten mit hohem Phosphat-Gehalt mit dem vorhandenen Aluminium zu Reaktionen führt. Somit ist Variscit, wie der verwandte Türkis, auch ein charakteristisches Mineral der sogenannten "Oxidationszone".
Sekundäre Bildung
Zersetzungsprozesse bringen die gelösten Phosphate und das Aluminium der Gesteine in Berührung, sodass unter Bildung einer gelartigen Substanz eine Reaktion stattfindet. Meistens entstehen aus diesem "Gel" dünnkrustige und opalartige Überzüge auf den Gesteinen und dichte, feinkörnige Spalten- und Gangfüllungen, die faserig bis radial-strahlig sein können. Manchmal bilden sich jedoch auch traubenförmige Knollen und kompakte, größere Massen, wie man sie in Utah (USA) und Australien finden kann. Außerdem kann man ebenso brekzien-artige Trümmerstücke des Variscits finden, die von einer Gesteinsmatrix durchsetzt sind.
Begleitminerale des Variscits
Sehr häufig besitzt Variscit weiß-gelbliche Adern des wasserfreien Phosphats "Crandallit", das eher selten als Solitär-Mineral anzutreffen ist. Aber auch Paragenesen (Vergesellschaftung verschiedener Minerale am selben Entstehungsort) mit anderen Phosphaten kommen vor, wie beispielsweise dem allgemein eher unbekannten "Goyazit" (Strontium-Aluminium) sowie "Eggonit" (auch Kolbeckit, Sterrettit / Scandium-Aluminium) oder "Wardit" (Natrium-Aluminium).
Variscit-Vorkommen
Obgleich Variscit an manchen Fundorten in beachtlichen Mengen vertreten sein kann, so kommt diese Mineralbildung weltweit betrachtet doch eher selten vor. In Deutschland existieren, neben der Typlokalität im Vogtland, weitere beispielhafte Fundstätten im Fichtelgebirge und in der Oberpfalz (Bayern), im Odenwald und Erzgebirge sowie Sauerland (NRW) und Oberlausitz (Sachsen).
Fundorte in Europa
Variscit-Funde gibt es in vielen europäischen Ländern wie Österreich und Ungarn, Frankreich, Italien, Portugal und Spanien oder Belgien, Schweden und Polen. Auch das vom Festland getrennte Großbritannien und die separate Insel "Irland" können Variscit vorweisen, allerdings wirklich außergewöhnliche Exemplare stammen meistens aus Übersee.
Variscit-Schönheiten aus Amerika und Australien
Vor allem die Funde aus Utah (USA) sind erwähnenswert, da die dortigen knolligen Variscit-Aggregate bis zu 30 cm im Durchmesser erreichen können. Dabei bestechen die Exemplare aus der "Little Green Monster Variscite Mine" bei Fairfield (Utah County) durch ihre verschieden intensiven Grüntöne, die oft in eine gelbliche Gesteinsmatrix eingebettet sind. Im polierten Zustand zeigt der sogenannte "Utahlit" ganz individuelle Erscheinungsbilder, sodass er sich zur Herstellung von dekorativen Schmucksteinen anbietet.
Kugelig kristallisierte, grüne Variscit-Kristalle hingegen sind weltweit selten und stammen meistens aus Brasilien (Bundesstaat "Goiás"). Allerdings noch seltener sind rote (eisenhaltig) oder völlig reine, farblose Kristall-Gebilde, die man in der "Iron Monarch Mine" des australischen Bundesstaates "South Australia" finden kann.
Kristallsystem und Erscheinungsform
Variscit kristallisiert im "Orthorhombischen Kristallsystem", bildet aber meistens traubenförmige, knollige oder massige Mineralaggregate und krustige Überzüge auf entsprechenden Gesteinen. Isometrische Kristalle, die maximal eine Größe von 1,5 Millimeter erreichen, sind hingegen extrem selten. In reiner Form ist Variscit völlig farblos und durchsichtig, doch häufig sind Verunreinigungen durch Spurenelemente wie beispielsweise Eisen (Fe) vorhanden. Eisen hat eine farbgebende Wirkung und lässt grünliche bis blaugrüne Färbungen entstehen. Sehr selten kommt Variscit auch in Rottönen vor.
Fremdbeimengungen
Nicht selten sind Variscit-Minerale zusätzlich von einer braun-grauen oder weiß-gelblichen Matrix durchsetzt, wodurch die Transparenz schwindet und ganz individuelle Zeichnungen entstehen. Übliche Fremdstoffe in Aggregaten oder Kristallen des Variscits können Arsen (As), Kupfer (Cu), Eisen (Fe) oder Magnesium (Mg) sein, wobei vor allem der Eisen-Gehalt das Mineral in Grüntönen erscheinen lässt. Allerdings enthält Utahlit aus dem Bergbau-Bezirk "Lucin" des namengebenden US-Bundesstaates neben einem geringen Eisen-Anteil oft auch einen beachtlichen Gehalt an Vanadium- und Chrom-Fremdatomen im Kristallgitter, die man als lokale "Spezialität" bezeichnen könnte.
Variscit-Mischkristalle
Je nach Bildungsort erscheint Variscit allerdings auch in Kombination mit dem wasserhaltigen Eisen-Phosphat "Strengit", das ebenfalls im "Orthorhombischen Kristallsystem" kristallisiert. Die beiden Phosphate bilden eine sogenannte "lückenlose Mischkristallreihe", bei der reiner Variscit bzw. Strengit die Endglieder bilden. So sind Mischkristalle möglich, die prozentual alle Mischverhältnisse des Variscits und Strengits zeigen können.
Variscit-Varietäten
Neben dem orthorhombischen Variscit kommt in der Natur noch ein monoklin kristallisierter "Metavariscit" vor, der als wasserfreies Aluminiumorthophosphat die Bezeichnung "Berlinit" trägt. Eine mit Quarz eng verwachsene Varietät wiederum heißt schlicht Variscitquarz oder aber "American Matrix" und in Kurzform "Amatrix". Als weitere Variscit-Varietäten werden das wasserhaltige Aluminium-Phosphat-Mineral "Bolivarit" mit amorphem Gefüge und die feinkörnige, grüne bis blaugrüne Variscit-Variante "Callainit"(Kallait) gehandelt. Der oft grün gebänderte, eisenhaltige Redondit (nach der gleichnamigen Insel "Redonda" (Kleine Antillen)) ist allerdings laut IMA noch nicht mit "Mineralstatus" anerkannt, sodass die Bezeichnung meistens als veraltetes Synonym des Variscits verwendet wird.
Bestimmungsmerkmale
Mit einer Mohshärte von 4,5 zählt Variscit noch zu den weichen Mineralen, da man ihn mit einem Messer leicht anritzen kann. Seine Dichte liegt bei 2,57 bis 2,61 und die Spaltbarkeit im guten Bereich. Er zeigt außerdem muschelig unebene Bruchstellen bei sprödem bis splittrigem im Bruch. Seine Transparenz reicht von durchsichtig in reiner Form bis durchscheinend, wenn Fremdstoffe verunreinigend wirken. Mit einem schwachen Wachsglanz fühlen sich Variscit-Aggregate auch entsprechend stumpf-fettig an.
Erscheinungsfarbe und Strichfarbe
Optisch erscheint Variscit oft in hellgelb- bis apfelgrünen und etwas intensiveren blaugrünen Tönen, wobei wolkenartig gefleckte Exemplare blasse Pastelltöne bis fast farblos zeigen können. Extrem selten sind rötliche Exemplare, wobei jedoch in allen farblichen Erscheinungsformen die Strichfarbe immer weiß bleibt.
Variscit-ähnliche Minerale
Da die optische Ähnlichkeit von Türkis, Gaspèit oder Chrysopras zusätzlich von teilweise ähnlichen Bestimmungsmerkmalen begleitet wird, ist eine genaue Unterscheidung oft nur durch eine mineralogische-gemmologische Untersuchung möglich.
Dabei besitzt das Kupfer-Aluminium-Phosphat "Türkis" eine höhere Härte von 5 bis 6 und keine Spaltbarkeit, das Eisen-Magnesium-Nickel-Carbonat "Gaspèit" hingegen eine höhere Dichte von über 3,7 und eine gelbgrüne Strichfarbe. Der Nickel-Chalcedon "Chrysopras" wiederum zeigt Quarz-Eigenschaften mit einer Härte bis zu 7 und besitzt keine Spaltbarkeit.
Irreführende Handelsbezeichnungen
Aufgrund der Ähnlichkeit zu Türkis sind im Laufe der Zeit einige Handelsnamen entstanden, die offenkundig wertsteigernd wirken sollen, aber bei Unkundigen eher für Verwirrung sorgen. So erscheint der namentlich noch nachvollziehbare "Utahlith" als "Utah Türkis" und andere Exemplare heißen je nach Fundort "Nevada Türkis", "Kalifornischer Türkis" oder "Australien Türkis". Wichtig beim Kauf ist hier nur, dass man weiß, dass es sich hier nicht um Türkis sondern um Variscit handelt.