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Ratgeber · Kultur

Harze - Balsam der Bäume

Bäume waren in vielen Kulturen nicht nur wirtschaftliche Ressourcen, sondern heilige Wesen. Aus den Urwäldern entstanden Schätze wie Bernstein und Kopal, die zu den frühesten Schutz- und Schmucksteinen der Menschheit zählen.

heilstein.de Redaktion 9 Min Lesezeit Veröffentlicht 17. Januar 2023 · Aktualisiert 17. Mai 2026
Harze - Balsam der Bäume

Die traditionelle Bedeutung der Bäume

Bäume waren in vielen Kulturen nicht nur wirtschaftliche Ressourcen, sondern heilige Wesen. Sie existieren bereits über 300 Millionen Jahre und gehören zu den erfolgreichsten Lebensformen des Planeten. Aus den Urwäldern entstanden Schätze wie Bernstein und Kopal, die zu den frühesten Schutz- und Schmucksteinen der Menschheit zählen.

„Weltenbaum”, „Baum des Wissens” und „Baum des Lebens”

Der „Baum des Lebens” und der „Baum der Erkenntnis” spielen im Alten Testament eine zentrale Rolle. In den altindischen Schriften der Kabbala wird der sogenannte „Weltenbaum” als „Nabel der Welt” beschrieben. Dieser symbolisiert das gesamte Universum und verbindet die materielle Welt mit der Unterwelt (durch die Wurzeln) und den geistigen Reichen (durch die Krone).

Alle alten Kulturen - Sumerer, Babylonier, Assyrer, Ägypter, Phönizier, Perser, Indien und Europa - verehrten Bäume in ihrer Tradition.

Die „Heiligen Haine” der Druiden

Die Römer und das Christentum setzten diesen heiligen Traditionen ein Ende. Die grünen „Kathedralen” wurden als Konkurrenz zu menschgemachten Heiligtümern betrachtet. Die Druiden - die herrschende, gesellschaftsprägende Schicht - wurden entmachtet und schließlich ausgelöscht.

Baum und Mensch in der Schrift der Germanen

In den Runen - germanischen Schriftzeichen mit großer Symbolkraft - war bemerkenswert, dass das Zeichen für „Baum” und „Mensch” teilweise identisch aussah: ein „Stamm” mit zwei nach oben zeigenden „Ästen”. Mit drei bis sechs „Ästen” entstand die „Weltensäule”, „Himmelsleiter” oder „schamanische Leiter”.

Stein- und vor allem Holzzeit

Symbolische Zeichen aus der jüngeren Steinzeit zeigen bereits Bezug zur Welt und zu Bäumen. Nicht nur Steinkreise, sondern auch „Holzkreise” aus Baumstämmen waren bedeutende Kultstätten - diese sind jedoch schwerer nachzuweisen.

Ötzi lässt grüßen!

1991 fanden Wanderer in den Alpen die Leiche des „Ötzi”, der etwa 5.300 Jahre im Eis konserviert war. Von seinen etwa 20 gefundenen Gegenständen waren 18 aus 18 verschiedenen Holzarten hergestellt. Dies wirft Fragen darüber auf, ob praktische oder magische Gründe dahintersteckten und welches Wissen dieser Mann über verschiedene Holzarten besaß.

„Umarme einen Baum”

Moderne Literatur behandelt die „Seele” von Bäumen durch Konzepte wie „Waldbaden”, „Waldmeditationen” und die oft belächelte Aufforderung „Umarme einen Baum”. Diese verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit alternativen Sichtweisen der Realität.

Literaturempfehlungen zum Thema „Baum und Wald”

„Die sanfte Medizin der Bäume” (von Maximilian Moser und Erwin Thoma - Goldmann-Verlag) Ein gestaltetes Buch mit wissenschaftlichen Studien, Erfahrungsberichten und Rezepten.

„Die geheime Sprache der Bäume” (von Erwin Thoma) Erklärt die Wunder des Waldes und die Kommunikation zwischen Bäumen.

„Geist der Bäume” (von Fred Hageneder - Neue-Erde-Verlag) Zeigt botanische Grundlagen, das Zusammenleben im Wald und eine spirituelle Perspektive auf Pflanzen. Beschreibt umfassend die traditionelle und symbolische Bedeutung durch die Menschheitsgeschichte.

„Das geheime Leben der Bäume”, „Hörst du, wie die Bäume sprechen?”, „Der lange Atem der Bäume” Von Peter Wohlleben - eine breite Palette von Büchern über das Wunder „Wald”.

Was ist Harz?

Das Harz der Bäume entsteht ursprünglich zum Verschließen von Wunden in der Rinde - der Baum schützt sich damit vor eindringenden Krankheitskeimen. Der Mensch nutzte diese Harze jedoch seit jeher im Alltag und später industriell, da sie ausgezeichnete Hilfsstoffe mit vielfältigem Verwendungspotenzial sind.

Wundheilung der Bäume - Naturharze in der Tradition

Die zähflüssige Harzmasse mit fett- und öllöslichen Eigenschaften entsteht hauptsächlich bei Bäumen nach Rindenverletzungen. Bei Koniferen wie Kiefern und Lärchen treten Harzgemische aus, die in ätherischen Ölen wie Terpentin gelöst sind. Terpentine sind frische Harzausflüsse, die Balsam genannt werden.

Bei wässrigen Emulsionen mit wenig ätherischem Ölanteil (wie bei Laubbäumen) entsteht nach dem Trocknen das sogenannte „Gummiharz”.

Die traditionelle Verwendung lag im Schiffbau, in der Malerei als Bindemittel für Farbpigmente und schützenden Firnis, sowie in der Medizin. Die desinfizierende Wirkung von Harzen nutzten früh die naturorientierte Volksmedizin. Es gibt alte Rezepte für heilende Salben wie das „Lärchenpech”.

Um Harz zu gewinnen, verletzte man Bäume künstlich, damit sie mit der Harzproduktion begannen - so konnte man diesen Naturschatz sammeln oder „ernten”.

Kunstharze der modernen Industrie

Nach der künstlichen Herstellung von Harz eröffnete sich der Industrie ein neues Wirkungsfeld. Kunstharze sind synthetisch hergestellt und spielen vor allem als hochviskose Beschichtungsstoffe und in der Kunststoffherstellung eine Rolle.

Allerdings werden auch in der Industrie zumeist noch natürliche Harze als Grundsubstanz benötigt. Sogenannte „Resine” sind Extrakte aus dehydrierten Naturharzen, die als Zwischenprodukte Verwendung finden. Destillate aus Naturharzen werden im Reifenbau eingesetzt. Modifizierte Naturharze zählen zu den Kunstharzen, da sie einen verändernden Prozess durchlaufen haben.

Kunstharze werden beispielsweise als synthetische Emulsionen im Gussverfahren verarbeitet. Um Formen vollständig mit Gießharz zu füllen, ist enormer Druck notwendig. Nach der Aushärtung entsteht eine stabile Form.

Naturharze in der modernen Nutzung

Die meisten natürlichen Harze stammen von Nadelbäumen, vorzugsweise Kiefern. Dieses Harz ist sehr zähflüssig und hat einen typischen Geruch, der auch keine unwesentliche Rolle bei der Verwendung spielt.

Rezente Harze

Sogenannte „rezente” Harze stammen von heute noch lebenden Bäumen: Terpentine, Balsame, Kolophonium (Geigenharz) und Mastix. Natürliche Harze spielen heute hauptsächlich in therapeutischer, medizinischer und pharmazeutischer Verwendung eine Rolle.

Der nichtheimische Weihrauch besitzt eine desinfizierende, schleimlösende und schmerzstillende Wirkung.

Das bekannteste Harzprodukt ist wahrscheinlich Kolophonium, das für den Haft- und Gleiteffekt der Bogenhaare aller Streichinstrumente sorgt. Es kommt auch als Klebstoff von Wundpflastern und in Kaugummis zum Einsatz. Modifiziertes Kolophonium macht Papier nach der sogenannten „Leimung” besser beschreib- und bedruckbar.

Temperafarben konnten bereits in der Antike hergestellt werden. Ab dem 12. Jahrhundert gibt es Nachweise für Ölfarben, deren Grundlage oft Walnussöl oder Leinöl war. Die qualitativ höheren Öl-Harz-Farben entstanden im 15. Jahrhundert und ermöglichten eine nuancenreiche Malweise mit differenzierten Farbübergängen. Heute werden großteils natürliche Harze für die Herstellung von Farbstoffen, Lacken, Klebern und Kunststoffen verwendet.

Ein besonderer griechischer Wein (Retsina) wird mit dem Harz der Aleppo-Kiefer behandelt, wodurch ein harziger Geschmack entsteht.

Myrrhe, Weihrauch sowie die tropischen Harze Elemi und Copal werden heute immer noch zum Räuchern verwendet.

Rezentfossile Harze

Harze von ausgestorbenen Bäumen und anderen Pflanzen, deren Vertreter teilweise heute noch existieren, werden rezentfossile oder halbfossile Harze genannt. Diese völlig ausgetrockneten Harze sehen ihrem älteren Verwandten Bernstein ähnlich und heißen Kopal. Dieser organische „Harzstein” wird in der Steinheilkunde verwendet und wird mit Lebensfreude und positivem Denken verbunden.

Fossiles Harz

Bernstein ist ein organischer, amorph entstandener Schmuckstein, der seit sehr langer Zeit weltweit bekannt ist. Wahrscheinlich betrachteten die ersten Menschen den leichten, gelb leuchtenden Stein als besonderen Schatz. Er ist in vielen alten Gräbern als Beigabe zu finden und erhielt früh den Bezug zur Sonne.

Den genauen pflanzlichen Ursprung kann die Wissenschaft nicht mehr nachvollziehen, da diese Bäume viel zu lange ausgestorben sind. Man weiß jedoch, dass verschiedene Bernsteinarten Harz-Überreste ganz unterschiedlicher Pflanzen sind, die sich erstaunlicherweise über Jahrmillionen erhalten konnten.

Bernsteine sind grundsätzlich älter als eine Million Jahre - das ist die Grenze zum jüngeren Kopal.

Als fossiles Harz ist Bernstein zwar brennbar, wird jedoch eher selten als Räucherwerk genutzt. Er wird hauptsächlich als Schmuckstein gehandelt. Geologisch zählt Bernstein zu den „brennbaren Gesteinen”, wie beispielsweise auch Kohle.

Physikalisch und chemisch sind Bernsteine nicht homogen, wie Minerale. Sie bestehen aus einer Vielzahl verschiedener Verbindungen von Kohlenstoff mit Wasserstoff und Sauerstoff sowie etwas Schwefel.

Balsam für Körper und Seele

In der altirischen Baumliste werden alle bekannten Bäume und Sträucher in verschiedene Klassen eingeteilt. Je nach wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung durfte man diese nicht beschneiden. Besonders hohe Strafen gab es für denjenigen, der es wagte, einen „Heiligen Baum” zu verletzen.

Zu den „Edlen des Waldes” zählten die Eichen mit ihren nährenden Eicheln und dem widerstandsfähigen Holz. Doch auch die Kiefer gehörte in die erste Klasse der Bäume, die wegen ihres Harzes hoch geschätzt war. Es diente zur Holzversiegelung und zur Abdichtung von Booten.

Der Harzduft der Kiefer ist Balsam für die Seele und hat eine beruhigende Wirkung auf die Bronchien und Lunge. Ihre ätherischen Öle werden auch heute noch bei Erkältungssymptomen wie Husten und Schleimbildung eingesetzt. Aus Harzen hergestellte Heilsalben besitzen eine lange Tradition in der Naturmedizin - in Zeiten, als das Überleben einzig von der Widerstandskraft des eigenen Körpers abhing. Wunden konnten desinfiziert und Heilungsprozesse unterstützt werden.

Zitate zum Abschluss

Bäume aus der Sicht eines Dichters

Der Dichter und Schriftsteller Hermann Hesse (1877-1962) äußerte sich zum Thema „Bäume”:

„Bäume sind Heiligtümer. Wer ihnen zuzuhören weiss, der erfährt die Wahrheit.”

Auszüge aus einem Gebet

Ein altlitauisches Gebet beschreibt Traditionen, die teilweise bis heute erhalten geblieben sind:

„Lass mich keinen Baum ohne heiliges Bedürfnis fällen… Lass mich immer Bäume pflanzen… Wenn du heiratest, pflanze einen Hochzeitsbaum. Wenn ein Kind geboren wird, pflanze einen Baum… Zu allen Festen und wichtigen Anlässen, besuche Bäume.”

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