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Stein-Aspekt · Geschichte

Citrin Geschichte - Anselmus de Boodt, Sonnenstein und der "Böse Blick"

Die Kulturgeschichte des Citrins - von der Antike als Schmuckstein über die ägyptische "Sonnenstein"-Tradition bis zur Mittelalter-Verwendung gegen den "Bösen Blick".

Lesezeit ~6 Min Aktualisiert 16. Mai 2026 Zur Citrin-Übersicht
Citrin - Heilstein, Nahaufnahme einer typischen Probe
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Die Geschichte eines „gelben Edelsteins”

Die ältesten, bekannten Beschreibungen des gelben Minerals stammen von Anselmus de Boodt, einem Chemiker, Mineralogen und Botaniker aus Flandern, der von 1550 bis 1623 lebte. In seinem Buch „Gemmarum Et Lapidum Historia”, Edelsteine und Steine, beschreibt er einen zitronengelben Edelstein.

Dieser Citrin ist einer der bis heute sehr seltenen Steine mit einer natürlichen gelben Farbe. Aufgrund seiner typisch gelben Farbe gab de Boodt dem Edelstein den Namen „Zitrin”, so gelb wie eine Zitrusfrucht.

In der Folgezeit wurde der gelbe Heilstein immer wieder mit einem gelben Turmalin, Beryll, Topas oder gar Diamanten verwechselt.

Der “Sonnenstein” der alten Ägypter

Im Mittelalter war der gelbe Stein sehr beliebt, denn seine intensive Färbung stand symbolisch für die Sonne, das Leben und das Licht. Jedoch bereits in der Antike wurde der gelbe Edelstein gerne als Schmuckstein verwendet.

Für die alten Ägypter schenkte der “Sonnenstein”, wie sie den Citrin nannten, angeblich das ewige Leben. Außerdem sollte seine Heilkraft an Stärke zunehmen, je intensiver der Gelbton ausfiel.

Der traditionell gelbe „Citrin (Zitrin)”

In der Vergangenheit hatte der Citrin es eher schwer, sich als eigenständiger Schmuck- und Heilstein durchzusetzen, da er erst Mitte des 16. Jahrhunderts seinen eigenständigen Namen erhielt. Zuvor hatte man alle gelben Edelsteine als „Citrin” bezeichnet. So wie auch alle blauen Steine unter „Saphir” und alle grünen unter „Smaragd” zusammengefasst wurden.

Der deutsche Mineraloge Franz von Kobell beschrieb den heutigen Citrin (Zitrin) noch im 19. Jahrhundert als „gelb gefärbten Flussspat oder Quarz”. Damals war eine irreführende Namensgebung für so manchen Schmuckstein üblich.

Irreführende historische Bezeichnungen

Da Citrine so leicht mit anderen Edelsteinen verwechselt werden können, hat sich schnell ein Markt mit falscher Namensgebung für diesen Heilstein entwickelt. Um den Eindruck eines wertvolleren Edelsteins zu erwecken, entstanden beispielsweise für Citrine folgende Bezeichnungen:

  • Schottischer Topas
  • Madeira-Topas
  • Spanischer Topas
  • Indischer Topas
  • Palmira-Topas
  • Goldtopas
  • Böhmischer Topas
  • Quarztopas
  • Bahia-Topas

Bis heute werden Citrine (Kristallquarze) unter diesen Bezeichnungen angeboten und verkauft, obwohl es sich hier natürlich nicht um Topas (Inselsilikat) handelt.

Citrin als Schutzstein gegen den “Bösen Blick”

Edel- und Heilsteine spielen auch in der Abwehr von Unglück und als Schutzstein immer schon eine Rolle. Citrine hatten hier traditionell eine bedeutende Rolle, denn der gelbe Stein wurde ausschließlich mit positiven, lichten und göttlichen Energien in Verbindung gebracht.

So sollte jeder, der einen gelben Citrin bei sich trug, unter göttlichem Schutz stehen. Der Heilstein war ein Symbol der Sonne und sollte effektiv vor dem “Bösen Blick” dunkler Mächte schützen.

Der sogenannte „Böse Blick” ist ein uralter Mythos, der in vielen Teilen der Welt noch heute von Bedeutung ist. Ursprünglich stammt dieser sogenannte „Schadenzauber” angeblich aus Mesopotamien. Wirklich bekannt wurde der Mythos allerdings im antiken Ägypten.

Im Mittelalter entstand aus diesem Aberglauben eine regelrechte Hetzjagd auf Menschen, die irgendwie nicht ins gewünschte Gesellschaftsbild passten. Wurde im Mittelalter vor allem den heilkundigen Hebammen und Kräuterfrauen dieser Schaden bringende „Böse Blick” nachgesagt.

Selbst von Ärzten, Geistlichen und berühmten Persönlichkeiten wurde und wird diese Behauptung lebendig gehalten. Darunter sind unter anderem Napoleon III., der englische Dichter Lord Byron und sogar Papst Pius IX. zu finden.

Hebammen-Tradition im Mittelalter

Bereits im späten Mittelalter verwendeten Hebammen Citrine beispielsweise bei Entzündungen der Gebärmutter und rieten den Frauen einen Citrin unter ihr Kopfkissen zu legen. Diese sanfte Anwendung passt zur lichten, schutz-bringenden Symbolik des Citrins.

Heute - der Citrin als beliebter Schmuckstein

Es sind seine fantastischen Gelbtöne, die diesen Heilstein inzwischen zu einem der begehrtesten Schmucksteine in der Schmuckindustrie gemacht haben. So schließt sich der Bogen vom antiken Sonnenstein zur modernen Citrin-Kette - über mehr als 2000 Jahre Kulturgeschichte.

„Für die alten Ägypter schenkte der "Sonnenstein", wie sie den Citrin nannten, angeblich das ewige Leben. Außerdem sollte seine Heilkraft an Stärke zunehmen, je intensiver der Gelbton ausfiel."
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