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Stein-Aspekt · Geschichte

Diamant Geschichte - Indien vor 6.000 Jahren bis zum Südafrika-Rausch

Die Kulturgeschichte des Diamanten - älteste Funde aus Indien vor 6.000 Jahren als Talisman. Antikes Griechenland, Plinius, Hildegard, Bearbeitung erst ab 13. Jh., Südafrika-Diamantenrausch im 19. Jh.

Lesezeit ~6 Min Aktualisiert 9. Juni 2026 Zur Diamant-Übersicht
Diamant - Heilstein, Nahaufnahme einer typischen Probe
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Auf einen Blick

1

Urzeit

Älteste Diamantenfunde aus Indien - vor ca. 6.000 Jahren als Talisman.

2

Mittelalter

Bis ins 13. Jh. unbearbeitet - Angst vor Verlust der magischen Kräfte.

3

19. Jh.

Südafrika-Diamantenrausch + Schleifmaschine - Wandel zur Industrie.

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Der Diamant - Talisman mit Tradition

Die ältesten Diamantenfunde stammen wohl aus Indien. Dort wurden die Edelsteine vor ca. 6000 Jahren wahrscheinlich als Talisman mit magischer Wirkung als Rohsteine aufbewahrt oder bei sich getragen. In der traditionellen Mythologie steht der Diamant für Schutz und Unbesiegbarkeit. Er war ein Symbol für Mut, Stärke und charakterliche Tugend.

In vielen Kulturen war der Diamant ein mächtiger Schutzstein, der vor Gefahren warnen und von Dämonen befreien sollte. Im Mittelalter verliehen diese kostbaren Edelsteine angeblich göttliche Eigenschaften und schenkten Einblicke in den eigenen, hoffentlich edlen Charakter.

Ein gestohlener oder unrechtmäßig erworbener Diamant sollte sich jedoch in einen „Unglücksstein” verwandeln, der alle unrechtmäßigen Besitzer durch Not und Elend bestrafte.

Die Anfänge des Diamanten als Heilstein

Die Karriere als typischer Heilstein begann für den Diamanten aber wahrscheinlich erst später. Lange war er hauptsächlich der Stein der Macht und Mächtigen mit göttlichem Anspruch.

Hildegard von Bingen glaubte beispielsweise, dass Diamanten in Wasser oder Wein gelegt ein Heilgetränk gegen Gelbsucht ergaben. Von ihr stammen die ersten dokumentierten therapeutischen Anwendungen.

Auch sollten Diamanten, nach den Erfahrungen der heilkundigen Äbtissin, Boshaftigkeit und Jähzorn vertreiben und vor Schlaganfällen und Gicht schützen. In der Fastenzeit empfahl die findige Hildegard allen, denen der Verzicht auf Nahrung schwer fiel, einen Diamanten im Mund zu tragen, um das Hungergefühl zu reduzieren.

Der neuste “Nachruf” besteht aus Diamant

Bei einer sogenannten “Diamant-Bestattung” presst man aus dem Kohlenstoff der Asche von Verstorbenen künstliche Diamanten. Da in Deutschland eine Bestattungspflicht besteht, ist dieses neue Verfahren allerhöchstens geduldet. Die übrigen Bestandteile der Asche müssen ohnehin ordnungsgemäß bestattet werden. Ob sich diese teure Form der Erinnerung an geliebte Verstorbene als Trend durchsetzten kann, bleibt abzuwarten.

Die Skaif-Schleifscheibe - eine Revolution in der Steinschleiferei

Nachdem ein flämischer Diamantschleifer die Skaif-Schleifscheibe entwickelt hatte, waren schließlich auch komplexere Diamantschliffe möglich.

Um 1530 wurde der im 19. Jahrhundert beliebte Rosenschliff in Europa eingeführt. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wird der beliebte Marquise-Schliff entwickelt, der speziell für die Marquise de Pompadour entwickelt wurde und durch die Namensgebung gewidmet ist. Als Synonym wird auch die Bezeichnung Navette-Schliff verwendet, da die Ellipsenform mit den spitz zulaufenden Enden an ein Schiff erinnert.

Industrielle Diamantenschleiferei

Die Erfindung der Schleifmaschine revolutioniert am Ende des 19. Jahrhunderts das Diamantenschleifen und die Entdeckung der Diamantvorkommen in Südafrika führen zu einem regelrechten Diamanten-Rausch. Aus der handwerklichen Diamantenschleiferei entwickelte sich schließlich eine gewinnbringende Industrie.

1876 wurde die erste Steinkreissäge mit Diamanten besetzt auf der Weltausstellung in Philadelphia vorgestellt. Ab 1955 wird die Herstellung von künstlichen Diamanten möglich.

Diamanten als Werk- und Hilfstoffe

Heute ist das Feld der Nutzung von Industrie-Diamanten in Handwerk, Wirtschaft und Wissenschaft groß geworden. Diamantspitzen schneiden präzise Glas und andere harten Materialien, Werkzeuge wie Bohrer, Fräsen, Schleifscheiben und Co. erhalten durch Diamantbeschichtungen ihre besondere Effektivität. Polierpasten mit Diamantpulver erreichen perfekt glatte Oberflächen.

Als Werkstoff und Hilfsstoff ist der Diamant inzwischen unersetzlich geworden. Außerdem besitzt der Diamant die höchste Wärmeleitfähigkeit von allen Mineralen.

Die größten Diamant-Vorkommen befinden sich in Russland, Südafrika, Australien, Kanada und Brasilien.

Der Brillantschliff bei Schmucksteinen

Der quadratische oder rechteckige Cushion-Schliff (Kissen- oder Minenschliff) mit seinen abgerundeten Ecken und weichen Konturen gilt als Urform des modernen Brillantschliffs. Im Laufe der Zeit wurden die Alt- und Übergangsschliffarten durch den modernen Brillantschliff ersetzt.

Moderne Fantasieformen sind der Prinzess-Schliff (rechteckiger Brillantschliff), der Ovalschliff und Radiant-Schliff. Die Form bezeichnet das geometrische Erscheinungsbild des Diamanten und die Schliffart entscheidet über die Anzahl der Facetten (flach, polierte Oberflächen) und die Strahlkraft des jeweiligen Edelsteins.

Der typische Brillantschliff wurde ca. um 1910 entwickelt. Der Begriff „Brillant” ist immer auf einen echten Diamanten bezogen. Imitationen werden z.B. als „Zirkonia im Brillantschliff” bezeichnet. Der Brillantschliff hat mindestens 32 Facetten um die Tafel im Oberteil, sowie mindestens 24 Facetten im unteren Teil des Edelsteins.

Der Diamant - das härteste, natürliche Element

Da der Diamant der härteste (Mohs-Härte 10), natürlich vorkommende Stoff auf der Erde ist, kann er nur durch seinesgleichen geschliffen werden. Seine Schleifhärte ist beispielsweise 140 mal höher als die des Korunds. Allerdings ist seine Härte je nach Kristallrichtung unterschiedlich (Anisotropie), so dass es möglich wird einen Diamanten mit Diamantpulver zu schleifen (statistische Isotropie). Das kubische Kristallsystem des Diamanten bildet Oktaeder, Tetraeder, Würfel oder Dodekaeder als transparente Kristalle. Bei völliger Reinheit sind die Kristalle klar und farblos.

Die Farben der Diamanten

Durch Verunreinigungen (z.B. Stickstoff oder Bor) und Defekte im Kristallgitter selbst können verschiedene Farben entstehen.

Blaue Diamanten entstehen durch Einlagerung von Bor, Aluminium, Sauerstoff, Magnesium oder Eisen. Stickstoff färbt die Edelsteine gelb oder grün und Mangan bringt die beliebten Rosa-Töne hervor. Die sehr seltenen roten und orangefarbenen Diamanten entstehen wahrscheinlich durch Defekte im Kristallgitter. Weitere Tönungen sind braun, grau und schwarz.

Durch Neutronenbestrahlung werden aus hellen, minderwertigen Diamanten künstliche schwarze Schmucksteine hergestellt. Durch intensive Bestrahlung und Wärmebehandlungen entstehen aus „schmutzigen” Diamanten Steine mit einer leuchtenden Blau- oder Grünfärbung.

Größe - carat

Die Größe des Edelsteins wird in Karat (carat) angegeben und ist das erste entscheidende Kriterium, ob ein Rohdiamant überhaupt für ein Schleifen geeignet ist. Sehr große Funde wurden und werden je nach Kristallaufbau und Unversehrtheit auch in kleinere Stücke gespaltet, um lukrative Steine daraus herzustellen.

Farbe - color

Das zweite wesentliche Kriterium ist die Färbung. Die Farbe (color) des Steines kann allerdings auch je nach Zeitgeschmack, beziehungsweise Nachfrage künstlich beeinflusst werden (Bestrahlung,Wärmebehandlungen). Besonders wertvoll sind besonders selten natürlich vorkommende Farbvarianten. Rote Diamanten sind noch seltener als blaue und natürliche grüne Steine (auch durch Strahlungsdefekte verursacht) gibt es kaum.

Reinheit - clarity

Die Reinheit (clarity) ist für viele Edelstein- und Schmuckanbieter ganz besonders wichtig. Besonders reine, farblose Steine sind in einer hochwertigen Schmuckherstellung Bedingung. Für die Klassifizierung der Reinheit gibt es strenge Richtlinien.

Schliff - cut

Der Schliff (cut) entscheidet über die Brillanz (Lichtreflexionen), den Glanz und die Farbstreuung des fertigen Schmucksteines. Das Ziel des Diamantenscheifers ist die angelegten Qualitäten des Edelsteins durch den geeigneten Schliff besonders zur Geltung zu bringen. Die hohe Lichtbrechung (auch „Feuer” genannt) soll möglichst beeindruckend auf den Betrachter wirken.

Häufige Fragen

Wie alt sind die ältesten Diamantenfunde?
Die ältesten Diamantenfunde stammen wohl aus Indien. Dort wurden die Edelsteine vor ca. 6.000 Jahren wahrscheinlich als Talisman mit magischer Wirkung als Rohsteine aufbewahrt oder bei sich getragen.
Warum wurden Diamanten lange nicht geschliffen?
Diamanten durften im Mittelalter nicht bearbeitet werden, da die Menschen Angst hatten, der besondere Edelstein könnte dadurch seine magischen Kräfte verlieren. Erst im 13. Jahrhundert avancierten Diamanten auch zu Schmucksteinen, da man endlich eine Möglichkeit für ihre Bearbeitung gefunden hatte. Zuvor hatte der Diamant eine ausschließlich mythologische Bedeutung.
Was war der Südafrika-Diamantenrausch?
Die Entdeckung der Diamantvorkommen in Südafrika Ende des 19. Jahrhunderts - kombiniert mit der Erfindung der Schleifmaschine - führte zu einem regelrechten Diamanten-Rausch. Aus der handwerklichen Diamantenschleiferei entwickelte sich eine gewinnbringende Industrie.

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