Auf einen Blick
Klassizismus
Der bürgerliche Schmuckstein - unaufdringlicher als Rubin, ideal für das erstarkende Bürgertum.
Kaiserin Sissi
Eine böhmische Granat-Parüre machte den Schmuckstein in der adligen Wiener Gesellschaft hoffähig.
Kleiner Mann
Galt lange als "Edelstein des kleinen Mannes" - deutlich preiswerter als Rubin.

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Granat als traditioneller Schmuckstein
Einige Jahrhunderte lang war der rote Schmuck- und Heilstein nach seiner mittelalterlichen Blüte als Karfunkel nicht mehr so gefragt, sodass man ihn erst Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wiederentdeckte.
Ein Schmuckstein für das Bürgertum und den Adel
Der “Klassizismus” (etwa 1770 bis 1840) verdrängte den pompösen Barock und Rokoko, sodass sich der Zeitgeschmack radikal veränderte. Man orientierte sich an antiken, “klassischen” Vorbildern und suchte nach unaufdringlicheren Gestaltungsmöglichkeiten, ohne auf eine gewisse “Großartigkeit” verzichten zu müssen. Hier traf der Granat mit seinem geheimnisvollen, leuchtenden Dunkelrot den Nerv der damaligen Zeit. Sein festlicher, aber unaufdringlicher Glanz wirkte nicht so “protzig” wie ein Rubin und war ideal für das erstarkende Bürgertum, um sich auch äußerlich vom Adel zu distanzieren. Letzterer hatte im Rokoko noch ganz selbstverständlich verschwenderisch prunkvoll auf Kosten aller arbeitenden Stände gelebt, doch das sollte jetzt ein Ende haben. So schmückte der “bürgerlich” geschätzte, rote Granat bald die Kolliers, Broschen, Ringe, Ohrgehänge und Armbänder der Damen in den Salons.
Der Adel machte den Granat gesellschaftsfähig
Endgültig etablieren konnte sich der Granat als Schmuckstein allerdings erst, als die österreichische Kaiserin Elisabeth, genannt „Sissi” (1837 -1898), von ihren Untertanen aus Böhmen eine große „Parüre” (franz. parure = Satz, Aufmachung) mit Granaten geschenkt bekam. Seit dem 17. Jahrhundert waren solche Schmuck-Ensembles ein Statussymbol der adligen Damen und bestanden aus verschiedenen, aber gestalterisch aufeinander abgestimmten Schmuckstücken. Als nun die Kaiserin ihren Granatschmuck zum ersten Mal in der Öffentlichkeit an sich selbst präsentierte, machte sie damit den schlichten Schmuckstein “Granat” plötzlich auch in der adligen Wiener Gesellschaft hoffähig.
Der “Lieblingsstein” des 18. und 19. Jahrhunderts
Auch wenn die Granat-Gruppe eine Vielzahl an farblichen Varietäten bereithält, so sind in der Regel bis heute immer noch die roten bis rotvioletten Granate besondere Anwärter für die Herstellung von Granat-Schmuck. Jedoch war und ist kaum ein anderer Schmuck- oder Edelstein so den zeitlich begrenzten Modetrends unterworfen, wie der blut- oder glutrote Granat.
Granat in Krisenzeiten
Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte der Granat direkt nach den jeweiligen Kriegen eine Blütezeit. Während dieser Krisenzeiten und Aufbauphasen nach verheerender Zerstörung avancierte er oft zum “Lieblingsstein” vieler Schmuckträgerinnen. Granat ist in der Romantik, im Realismus, Impressionismus und Jugendstil zu finden, verliert jedoch nach dem zweiten Weltkrieg in den 50er Jahren wieder völlig an Bedeutung.
Besonders begehrt war jedoch immer der rubinfarbene “Böhmische Granat” (Pyrop), der bis heute den besonderen Charakter von böhmischem Granatschmuck ausmacht. Nachdem der rote “Krisenstein” in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs Mitte des 20. Jahrhunderts an Bedeutung verloren hatte, taugte er maximal noch als günstiger “Ersatz” für Rubine. Einzig die Generation der Großeltern besaß noch Granatschmuck, aber für ein öffentliches Tragen erschien er nun nicht mehr modern genug.
Granat-Schmuck für moderne Zeit
Lange Zeit galt Granat als “Edelstein des kleinen Mannes”, da er deutlich preiswerter als Rubin war. Um die Illusion eines Rubins zu erzeugen, entstanden für Granate je nach Fundort unterschiedliche Synonyme, wie beispielsweise “Kap-Rubin”, der auch heute noch wegen seines ähnlichen Rubinrots sehr beliebt ist. In Form geschliffen, lässt er sich schwer von echten Rubinen unterscheiden.
Einige Jahrzehnte fristete der einst so beliebte Schmuckstein ein wahres Schattendasein, bis er nun endlich auch außerhalb von “Böhmen” wieder an Bedeutung gewinnt. In der heutigen Goldschmiede-Kunst und im Schmuck-Design tauchen inzwischen immer öfter traditionelle, aber auch moderne Schmuck-Kreationen mit Granaten auf.
Granat-Varietäten im Vormarsch
Neben den verhältnismäßig günstigen, charakteristisch roten Granaten, hat man inzwischen auch die Farben der verschiedenen Varietäten entdeckt. Recht teuer ist dabei dunkel- bis smaragdgrüner Uwarowit, der eine echte Rarität unter den Granaten darstellt. Auch der vielfältige Andradit mit seinen verschiedenen Varietäten, ist eine Seltenheit und deshalb kein Schnäppchen. Aber seine Farbenvielfalt, die von Honiggelb, Rotbraun bis leuchtendes Grün reicht, macht ihn zu einem vielseitigen Schmuckstein. Noch wenig bekannt dürfte die leuchtend orangerote Varietät des Spessartin sein, die das Synonym “Mandarin-Granat” trägt. Auch die Grossular-Varietät “Hessonit” ist mit seinem bräunlichen Gelb und Orange eine attraktive Form des Granats, und trägt daher auch den Beinamen “Zimtstein”.
Granat-Schmuck
Soll ein geschliffener Granat in ein Schmuckstück gefasst sein, bieten sich die Edelmetalle Gold und Silber natürlich zu allererst an. Rote Granate und Gold oder vergoldetes Silber sind dabei klassische Kombinationen. Aber inzwischen ist auch besonders grüner Granat im Kommen. Oft sind Schmuckstücke auch mit verschiedenen Schmuck- und Edelsteinen versehen. Passend zu roten und grünen Granaten sind farblose Schmuck- und Edelsteine, die ihm nicht die Schau stehlen.
Wer sich für ein hochlegiertes 750er Gold entscheidet, kann neben dem gewählten Heilstein, zusätzlich die therapeutische Wirkung dieses Edelmetalls erleben. Gold ist nämlich nicht umsonst das traditionell beliebteste und begehrteste Metall der Menschheit. Unsere Seite “Gold” berichtet über dieses außergewöhnliche Edelmetall ausführlich.
Häufige Fragen
Welche Schmuck-Tradition hat Granat?
Was war Sissis berühmte Granat-Parüre?
Was ist "Böhmischer Granat"?
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