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Stein-Aspekt · Schmuck

Granat Schmuck - vom Klassizismus über Sissi zur modernen Goldschmiedekunst

Granat als Schmuckstein - der Bürger-Stein des Klassizismus, Sissis berühmte Parüre und der böhmische Granat als Markenzeichen.

Lesezeit ~6 Min Aktualisiert 19. Mai 2026 Zur Granat-Übersicht
Granat - Heilstein, Nahaufnahme einer typischen Probe
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Auf einen Blick

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Klassizismus

Der bürgerliche Schmuckstein - unaufdringlicher als Rubin, ideal für das erstarkende Bürgertum.

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Kaiserin Sissi

Eine böhmische Granat-Parüre machte den Schmuckstein in der adligen Wiener Gesellschaft hoffähig.

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Kleiner Mann

Galt lange als "Edelstein des kleinen Mannes" - deutlich preiswerter als Rubin.

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Granat als traditioneller Schmuckstein

Einige Jahrhunderte lang war der rote Schmuck- und Heilstein nach seiner mittelalterlichen Blüte als Karfunkel nicht mehr so gefragt, sodass man ihn erst Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wiederentdeckte.

Ein Schmuckstein für das Bürgertum

Der „Klassizismus” (etwa 1770 bis 1840) verdrängte den pompösen Barock und Rokoko - der Zeitgeschmack veränderte sich radikal. Man orientierte sich an antiken, „klassischen” Vorbildern und suchte nach unaufdringlicheren Gestaltungsmöglichkeiten, ohne auf eine gewisse „Großartigkeit” verzichten zu müssen.

Hier traf der Granat mit seinem geheimnisvollen, leuchtenden Dunkelrot den Nerv der damaligen Zeit. Sein festlicher, aber unaufdringlicher Glanz wirkte nicht so „protzig” wie ein Rubin und war ideal für das erstarkende Bürgertum, um sich auch äußerlich vom Adel zu distanzieren.

Letzterer hatte im Rokoko noch ganz selbstverständlich verschwenderisch prunkvoll auf Kosten aller arbeitenden Stände gelebt - doch das sollte jetzt ein Ende haben.

So schmückte der „bürgerlich” geschätzte, rote Granat bald die Kolliers, Broschen, Ringe, Ohrgehänge und Armbänder der Damen in den Salons.

Sissis Parüre - der Granat wird hoffähig

Endgültig etablieren konnte sich der Granat als Schmuckstein erst, als die österreichische Kaiserin Elisabeth, genannt „Sissi” (1837–1898), von ihren Untertanen aus Böhmen eine große „Parüre” (französisch parure = Satz, Aufmachung) mit Granaten geschenkt bekam.

Seit dem 17. Jahrhundert waren solche Schmuck-Ensembles ein Statussymbol der adligen Damen - und bestanden aus verschiedenen, aber gestalterisch aufeinander abgestimmten Schmuckstücken.

Als nun die Kaiserin ihren Granatschmuck zum ersten Mal in der Öffentlichkeit an sich selbst präsentierte, machte sie damit den schlichten Schmuckstein „Granat” plötzlich auch in der adligen Wiener Gesellschaft hoffähig.

Der “Lieblingsstein” des 18. und 19. Jahrhunderts

Auch wenn die Granat-Gruppe eine Vielzahl an farblichen Varietäten bereithält, so sind in der Regel bis heute immer noch die roten bis rotvioletten Granate besondere Anwärter für die Herstellung von Granat-Schmuck.

Jedoch war und ist kaum ein anderer Schmuck- oder Edelstein so den zeitlich begrenzten Modetrends unterworfen wie der blut- oder glutrote Granat.

Granat in Krisenzeiten

Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte der Granat direkt nach den jeweiligen Kriegen eine Blütezeit. Während dieser Krisenzeiten und Aufbauphasen nach verheerender Zerstörung avancierte er oft zum „Lieblingsstein” vieler Schmuckträgerinnen.

Granat ist zu finden in:

  • Romantik
  • Realismus
  • Impressionismus
  • Jugendstil

…verliert jedoch nach dem zweiten Weltkrieg in den 50er Jahren wieder völlig an Bedeutung.

”Böhmischer Granat” - das Markenzeichen

Besonders begehrt war jedoch immer der rubinfarbene „Böhmische Granat” (Pyrop), der bis heute den besonderen Charakter von böhmischem Granatschmuck ausmacht.

”Edelstein des kleinen Mannes”

Nachdem der rote „Krisenstein” in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs Mitte des 20. Jahrhunderts an Bedeutung verloren hatte, taugte er maximal noch als günstiger „Ersatz” für Rubine. Einzig die Generation der Großeltern besaß noch Granatschmuck - aber für ein öffentliches Tragen erschien er nun nicht mehr modern genug.

Lange galt Granat als „Edelstein des kleinen Mannes”, da er deutlich preiswerter als Rubin war. Um die Illusion eines Rubins zu erzeugen, entstanden für Granate je nach Fundort unterschiedliche Synonyme - wie beispielsweise „Kap-Rubin”, der auch heute noch wegen seines ähnlichen Rubinrots sehr beliebt ist. In Form geschliffen lässt er sich schwer von echten Rubinen unterscheiden.

Granat-Schmuck heute

Einige Jahrzehnte fristete der einst so beliebte Schmuckstein ein wahres Schattendasein, bis er nun endlich auch außerhalb von „Böhmen” wieder an Bedeutung gewinnt.

In der heutigen Goldschmiede-Kunst und im Schmuck-Design tauchen inzwischen immer öfter traditionelle, aber auch moderne Schmuck-Kreationen mit Granaten auf.

Fassungen - Gold und Silber

Soll ein geschliffener Granat in ein Schmuckstück gefasst sein, bieten sich die Edelmetalle Gold und Silber natürlich zuerst an. Rote Granate und Gold oder vergoldetes Silber sind dabei klassische Kombinationen. Aber inzwischen ist auch besonders grüner Granat im Kommen.

Oft sind Schmuckstücke auch mit verschiedenen Schmuck- und Edelsteinen versehen. Passend zu roten und grünen Granaten sind farblose Schmuck- und Edelsteine, die ihm nicht die Schau stehlen.

Wer sich für ein hochlegiertes 750er Gold entscheidet, kann neben dem gewählten Heilstein zusätzlich die therapeutische Wirkung dieses Edelmetalls erleben. Gold ist nämlich nicht umsonst das traditionell beliebteste und begehrteste Metall der Menschheit.

Häufige Fragen

Welche Schmuck-Tradition hat Granat?
Granat schmückte schon im Mittelalter Könige und Kaiser, geriet dann aber zwischenzeitlich in Vergessenheit. Erst Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts wurde er wiederentdeckt - passend zum „Klassizismus" (etwa 1770 bis 1840), der den pompösen Barock und Rokoko verdrängte.
Was war Sissis berühmte Granat-Parüre?
Die österreichische Kaiserin Elisabeth („Sissi", 1837–1898) bekam von ihren Untertanen aus Böhmen eine große „Parüre" (französisch parure = Satz, Aufmachung) mit Granaten geschenkt. Als sie diesen Granatschmuck zum ersten Mal in der Öffentlichkeit präsentierte, machte sie damit den schlichten Schmuckstein in der adligen Wiener Gesellschaft hoffähig.
Was ist "Böhmischer Granat"?
Der „Böhmische Granat" ist meist Pyrop - der rubinfarbene, blutrote Granat, der seit der Antike in Böhmen abgebaut wird. Er bildet bis heute den besonderen Charakter von böhmischem Granatschmuck.

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