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Stein-Aspekt · Geschichte

Granat Geschichte - von den "Grundsteinen des Lebens" zu Hildegards Karfunkel

Die Kulturgeschichte des Granats - vom buddhistischen "Feuer der Verwandlung" über die Karfunkel-Tradition Hildegards mit ihrer Mondfinsternis-Theorie bis zu Sissis Granat-Parüre.

Lesezeit ~7 Min Aktualisiert 9. Juni 2026 Zur Granat-Übersicht
Granat - Heilstein, Nahaufnahme einer typischen Probe
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Auf einen Blick

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Spätantike

Granat gehört zu den 29 "Grundsteinen des Lebens" - in Gold gefasst.

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Hildegard

Mondfinsternis-Theorie - Karfunkel "wächst, wenn die Sonne den Mond erwärmt".

3

Mittelalter

Begleiter von Kreuzrittern; "Karfunkel" als Sammelbegriff für Granat, Rubin und Spinell.

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Granat - ein Schmuckstein mit langer Tradition

Im alten Indien und im Buddhismus waren die Menschen davon überzeugt, dass das Leuchten und der besondere Glanz des Granats aus dem inneren Kern des Steins kommen musste. Deshalb standen diese “Heiligen Steine” für das Feuer der Verwandlung.

Karfunkel-Steine im Mittelalter

Als ganz besondere Schutzsteine schmückten die verschiedenen Granat-Varietäten schon früh Könige und Kaiser. Allerdings waren hier die symbolträchtigen Rottöne als “Karfunkel-Steine” besonders begehrt, denn Purpurfarben waren einzig dem königlichen Herrscher vorbehalten. Dabei bezieht sich die Bezeichnung “Karfunkel” nicht allein auf rote Granate, denn sie stammt vom mittelhochdeutschen “Karbunkel” (lat. carbunculus = kleine glühende Kohle) ab und bedeutet einfach nur “rötlich funkelnder Schmuckstein”. Vermutlich hat das schmückende, funkelnde Erscheinungsbild dieser Edel- und Schmucksteine später den Begriff “Karfunkel” geprägt, nach der Assoziation “Funke” oder “Funkeln”. Zu den begehrten roten Edel- und Schmucksteinen zählten im 12. Jahrhundert neben den roten Granat-Varietäten auch der feurige Rubin und rote Spinell.

Granat als Begleiter auf Reisen, im Kampf und nach dem Tod

Im Mittelalter sollte ein Granat gute Freunde und geliebte Familienmitglieder auf ihrer Reise begleiten, um sie vor Gefahren und Krankheiten zu beschützen. Zugleich sollte er aber auch den Reisenden den Mut, das Selbstvertrauen und die Ausdauer für dieses gefährliche Vorhaben verleihen. Denn nicht jeder, der auszog, kehrte wieder unversehrt zurück. Wegelagerer, Raufbolde und Diebe machten das Reisen in dieser Zeit zu einem riskanten Abenteuer.

Besonders rote Granate waren Symbole für Freundschaft, Treue und Vertrauen, sodass Kreuzritter diese Schmucksteine oft bei sich trugen, wenn sie zusammen ihre gefährlichen Missionen ins sogenannte “Heilige Land” antraten. Man hoffte auf treue Kameradschaft im Kampf, die Hilfe Gottes und den Schutz eines wundersamen roten Edelsteins. Granate tauchen auch in Sagen und Legenden auf. Bei den Wikingern beispielsweise sollten sie als Grabbeigabe den Verstorbenen den Weg nach Walhalla erleichtern.

”Rote Edelsteine” im Barock

Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die Kunstepoche des “Barocks”. Ab dieser Zeit verwendete man plötzlich den Begriff “Spinell” als Synonym für alle roten Edelsteine. Er soll vom griechischen Wort “spinos” für “Funke” abstammen. Erst um die Jahrhundertwende des 18. zum 19. Jahrhundert erhält die heutige Mineralart alleinig den Namen “Spinell”.

Die “roten Steine” Granat, Rubin und Spinell sind bis heute Kandidaten für Verwechslungen. Wobei sich Granat durch seine geringere Mohshärte von maximal 7,5 deutlich vom etwas härteren Spinell mit der Härte 8 und dem noch härteren Rubin mit der Härte 9 abhebt.

Granat als traditioneller Heilstein

Granate gehören zu den ältesten und bekannten Heilsteinen der Welt. In Europa stammen die ersten Granate aus dem heutigen Böhmen. Hier sind Granat-Funde seit dem 4. und 5. Jahrhundert nachgewiesen. In der Spätantike fasste man Granate in Gold, da sie zu einer Gruppe von 29 besonderen Steinen gehörten, die man als sogenannte “Grundsteine des Lebens” verehrte. Einer biblischen Legende nach, soll ein Granat die Arche Noahs erleuchtet haben. Durch die Erwähnung des roten Steins in der “Heiligen Schrift”, ist unter anderem auch Granat als schmückender, goldgefasster Edelstein auf Buchdeckeln alter Bibel-Abschriften zu finden. In Indien war und ist der Granat bis heute der Inbegriff eines befreienden Feuers, das Körper, Geist und Seele reinigt und verwandelt.

Granat im Mittelalter

Da man im Altertum einen roten Edelsteine „Carfunculus” (glühender Stein) nannte, entwickelte sich im Mittelalter (etwa 6. bis 15. Jahrhundert) der Name “Karfunkel” gleichermaßen für Granat, Rubin und Spinell. In Aufzeichnungen ist es deshalb nicht immer eindeutig, ob ein Rubin, Spinell oder doch der heutige Granat gemeint ist. Als Heilsteine sind jedoch auch heute noch alle drei Mineralien bekannt, denn sie sollen unter anderem bei Trübsal und starker Erschöpfung helfen, indem sie neue Energie generieren sowie Zuversicht und Tatkraft fördern. Die ersten Granate in Europa stammen aus dem heutigen Böhmen. Sie sind seit dem 4. und 5. Jahrhundert nachgewiesen. Schon in der Spätantike fasste man Granate in Gold, was ihre Wertschätzung in dieser Zeit unterstreicht.

Hildegard von Bingen und der Granat

Wie wichtig Granat als Heilstein schon im Mittelalter war, zeigen die Aufzeichnungen der bekannten Äbtissin “Hildegard von Bingen”. Sie nannte den roten Stein zeitgemäß “Karfunkel” und bezeichnete ihn als „warmen Stein”, der „während einer Mondfinsternis wächst”. Nach Ansicht der heilkundigen Nonne sollte der “Karfunkelstein” in dem Moment “geboren” werden, wenn die „Sonne den Mond erwärmt” und “das Leben wieder erhellt”. Da eine Mondfinsternis schon immer ein sehr seltenes Naturschauspiel war und bleibt, glaubte Hildegard von Bingen, dass auch der rote Karfunkel sehr selten sein musste.

Der therapeutische Einsatz im Mittelalter

Hildegard empfahl Karfunkel bei Fieber und Gichtanfällen. Der Stein sollte den Kranken immer um Mitternacht auf den Nabel gelegt werden, um von dort aus seine Wirkkraft zu entfalten. Dabei musste er so lange auf dem Nabel verbleiben, bis er sich völlig erwärmt hatte. Von einem dauerhaften Tragen dieses Heilsteines riet Hildegard jedoch ab, da seine Kraft zu stark sei, und deshalb auch schaden könnte. Bei Kopfschmerzen ließ die Äbtissin den Heilstein außerdem auf den Scheitel legen. Auch als praktischen Helfer in der Küche sollte der rote Stein, in die Nähe von leicht verderblichen Lebensmitteln liegend, eine längere Haltbarkeit garantieren.

Häufige Fragen

Seit wann wird Granat in Europa verwendet?
In Europa stammen die ersten Granate aus dem heutigen Böhmen. Hier sind Granat-Funde seit dem 4. und 5. Jahrhundert nachgewiesen. In der Spätantike fasste man Granate in Gold, da sie zu einer Gruppe von 29 besonderen Steinen gehörten, die man als sogenannte „Grundsteine des Lebens" verehrte.
Was sagte Hildegard von Bingen über Granat?
Hildegard nannte den roten Stein zeitgemäß „Karfunkel" und bezeichnete ihn als „warmen Stein", der „während einer Mondfinsternis wächst". Nach ihrer Ansicht sollte der „Karfunkelstein" in dem Moment „geboren" werden, wenn die „Sonne den Mond erwärmt" und „das Leben wieder erhellt". Da Mondfinsternisse selten sind, glaubte sie, dass auch der Karfunkel selten sein müsste.
Welche Rolle spielte Granat im Mittelalter?
Im Mittelalter sollte ein Granat gute Freunde und geliebte Familienmitglieder auf ihrer Reise begleiten, um sie vor Gefahren und Krankheiten zu beschützen. Kreuzritter trugen ihn auf ihren gefährlichen Missionen ins „Heilige Land". Bei den Wikingern sollte Granat als Grabbeigabe den Verstorbenen den Weg nach Walhalla erleichtern.

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