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Stein-Aspekt · Geschichte

Karneol Geschichte - Ägypten, Hildegard, Luther und Goethe

Die Kulturgeschichte des Karneols - Lebensstein im alten Ägypten, Schutzstein römischer Soldaten, Hildegards Heilstein und Goethes Talisman.

Lesezeit ~7 Min Aktualisiert 16. Mai 2026 Zur Karneol-Übersicht
Karneol - Heilstein, Nahaufnahme einer typischen Probe
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Traditionelle Verwendung des Karneols

Im alten Ägypten war der Karneol ein “Lebensstein”, der die Lebenskräfte erneuern konnte. Er diente außerdem als Grabbeigabe und war, nach dem Ägyptischen Totenbuch, auch für die Toten eine “magische Rüstung” für das Leben im Jenseits. Funde von Ausgrabungen aus dieser Zeit belegen die Bedeutung des Karneols als Schutzstein für Verstorbene.

Toten- und Schutzstein für den Pharao

Bekannt geworden ist der Fund des Siegelrings von Ramses II., der als Pharao vor etwa 3200 Jahren im alten Ägypten 66 Jahre regierte. Die Ringschiene besteht ebenso wie die rechteckige Gemme aus rotem bis rotbraunem Karneol, die in Gold gefasst ist. Im “Tal der Könige” hat man ebenfalls zahlreiche Karneole im Grab des “Kindkönigs” Tutanchamun gefunden, das bei seiner Entdeckung im Jahre 1922 nahezu unberührt war.

Importware “Karneol”

Zu den ältesten Karneol-Schmuckfunden zählen die Halsketten im Museum der Hauptstadt von Zypern. Dort entdeckte man bei Ausgrabungen im Süden der Insel weibliche Skelette, die Schmuckketten aus Karneol-Perlen und Muscheln um den Hals trugen. Diese sollen mindestens 5000 Jahre alt sein. Da es auf Zypern keine Karneol-Vorkommen gibt, müssen die Steine vom Festland stammen.

Schutzstein der gefährlich Lebenden

Vor allem die Funde von Ringen mit Gemmen aus Karneol aus den verschiedenen Epochen und Ländern zeugen von der regen Verwendung dieses Steins. Üblich waren Siegelringe mit Glücks- und Schutzsymbolen oder Abbildungen von Schutzgöttern. So war der Karneol den Sumerern, Phöniziern, Persern und Etruskern wohl bekannt. Römische Soldaten trugen beispielsweise Eisenringe mit rotbraunen Schutzsteinen und höhere Ränge sogar Goldringe mit wertvolleren roten Karneol-Gemmen.

Religiöse und irdische Machtdemonstration

Die Hohenpriester Israels trugen Karneole an ihrer Kleidung, um ihre gottgegebene Macht zu demonstrieren. Selbst bekannte Persönlichkeiten der deutschen Kirchengeschichte, wie beispielsweise der Kirchenreformator Martin Luther, schmückten sich mit dem roten Chalcedon. Luthers Goldring ist mit einem Karneol versehen, in den man seinen Familien-Wappen, die bekannte “Luther-Rose” eingeschnitten hat. Das Schmuckstück ist Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden und kann heute im “Grünen Gewölbe” in Dresden bewundert werden.

Dort sind auch die neun sogenannten “Juwelen-Garnituren” von August dem Starken (1670-1733) untergebracht. Die “Karneol-Garnitur” ist dabei mit 123 Einzelteilen die umfangreichste unter ihnen.

Heilstein des Mittelalters

Die bekannte Äbtissin Hildegard von Bingen (12. Jh.) rechnete den Karneol zu den wichtigsten Heilsteinen, der angeblich Erkältungen vertreiben und Blutungen stillen konnte.

Der Bischof Marbod von Rennes (12. Jh.) und der Universalgelehrte Albertus Magnus (13. Jh.) waren davon überzeugt, dass Karneol außer seiner blutstillenden Wirkung auch die Fähigkeit besaß, ein zorniges Gemüt zu besänftigen.

Heilstein gegen Charakterschwäche

Mitte des 14. Jahrhunderts entsteht eine Schrift des Weltgeistlichen Konrad von Megenberg, in der er dem Karneol enorme charakterstärkende Fähigkeiten zuschreibt:

“Wer schwach ist, aber fest sein möchte, wer lau ist, aber brennen möchte, wer feig ist, aber kühn sein möchte, wer Knecht ist, aber Herr sein möchte, der trage immer einen Karneol.”

Karneol für mehr Sex-Appeal

Im 18. Jahrhundert kann ein Karneol angeblich die Anziehungskraft eines Mannes auf Frauen steigern, wenn dieser ein Schmuckstück mit diesem fleischfarbenen Heilstein trägt. Diese Hoffnung gehört allerdings eindeutig in den Bereich der Mythen und Legenden. Aber wer will, kann die Wirkung eines Karneols auf Frauen gerne ausprobieren.

Karneol in der Literatur

Eine beispielhafte literarische “Verarbeitung” des Karneols ist das Gedicht “Segenspfänder” des deutschen “Dichterfürsten” Johann Wolfgang von Goethe. Es beweist, dass dieser Heilstein einst in den höchsten Kreisen geschätzt wurde:

Talisman in Karneol, Gläub´gen bringt er Glück und Wohl;

Steht er gar auf Onyx Grunde, Küss ihn mit geweihtem Munde!

Alles Übel treibt er fort, Schützet dich und schützt den Ort.

„Talisman in Karneol, Gläub´gen bringt er Glück und Wohl; Steht er gar auf Onyx Grunde, Küss ihn mit geweihtem Munde!"
- Johann Wolfgang von Goethe, „Segenspfänder"

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