Karneol

Woher stammt die Bezeichnung „Karneol“?

Die Ursprünge der Namensgebung des Karneols sind bis heute nicht wirklich geklärt. Es existieren drei verschiedene Ansätze.
Im Mittelalter ist die Bezeichnung „Corneolus“ oder „Cornelium“ üblich. In den Schriften der Hildegard von Bingen (12. Jh.) ist beispielsweise von einem roten Heilstein „Cornelius“ die Rede, welcher der Kornelkirsche (lateinisch „cornum„) ähnlich sei. Im 15. Jahrhundert taucht die Bezeichnung „Cornelione“ (altfranzösisch) in einer Schrift auf, die sich ebenfalls auf die genannte Kirsche bezieht.

Eine weitere Deutungsmöglichkeit bietet das lateinische Wort „cornu“ oder „corneus„, das Horn bzw. Hörner bedeutet. Im französischen heißt der rote Chalcedon „Cornaline“, was sich auf „corne“ für Horn bezieht, ebenso die spanische und italienische Variante „Cornalina“

Allerdings ist auch ein Bezug zum lateinischen „carneolus“ denkbar, der die „fleischfarbene“ (lat. carneus) Optik des Steins in den Mittelpunkt stellt. Ende des 15. Jahrhunderts soll man fälschlicherweise den ersten Vokal des ursprünglichen „Cornelian“ verändert haben, und so sei der Name „Carnelian“ entstanden. Aber alte Schriften vergleichen die Farbe des Steins eindeutig mit rohem Fleisch, sodass sich wahrscheinlich ganz bewusst die Bezeichnung „Carneolus“ und später auch „Carniol“ für den heutigen Karneol als „der Fleischfarbene“ durchsetzen konnte.

Eine weitere Bezeichnung für roten, orangefarbenen bis braunen Karneol war traditionell „Sarder„. Dieser Name war lange Zeit in alten Kulturen sehr gebräuchlich. Erst im Mittelalter begann man schließlich zwischen dem roten Karneol und dem orange bis braunen Sarder zu unterscheiden. Heute trägt nur noch die braune Varietät den Namen „Sarder„.

Traditionelle Verwendung des Karneols

Schutzstein der Toten

Im alten Ägypten war der Karneol ein „Lebensstein“, der die Lebenskräfte erneuern konnte. Er diente außerdem als Grabbeigabe und war, nach dem Ägyptischen Totenbuch, auch für die Toten eine „magische Rüstung“ für das Leben im Jenseits. Funde von Ausgrabungen aus dieser Zeit belegen die Bedeutung des Karneols als Schutzstein für Verstorbene.
Bekannt geworden ist der Fund des Siegelrings von Ramses II., der als Pharao vor etwa 3200 Jahren im alten Ägypten 66 Jahre regierte. Die Ringschiene besteht ebenso wie die rechteckige Gemme aus rotem bis rotbraunem Karneol, die in Gold gefasst ist. Im „Tal der Könige“ hat man ebenfalls zahlreiche Karneole im Grab des „Kindkönigs“ Tutanchamun gefunden, das bei seiner Entdeckung im Jahre 1922 nahezu unberührt war.

Zu den ältesten Karneol-Schmuckfunden zählen die Halsketten im Museum der Hauptstadt von Zypern. Dort entdeckte man bei Ausgrabungen im Süden der Insel weibliche Skelette, die Schmuckketten aus Karneolperlen und Muscheln um den Hals trugen. Diese sollen mindestens 5000 Jahre alt sein. Da es auf Zypern keine Karneol-Vorkommen gibt, müssen die Steine vom Festland stammen.

Schutzstein der Lebenden

Vor allem die Funde von Ringen mit Gemmen aus Karneol aus den verschiedenen Epochen und Ländern zeugen von der regen Verwendung dieses Steins. Üblich waren Siegelringe mit Glücks- und Schutzsymbolen oder Abbildungen von Schutzgöttern. So war der Karneol den Sumerern, Phöniziern, Persern und Etruskern wohl bekannt. Römische Soldaten trugen beispielsweise Eisenringe mit dem Schutzstein und höhere Ränge Goldringe mit wertvolleren Gemmen.

Die Hohenpriester Israels trugen Karneole an ihrer Kleidung, um ihre gottgegebene Macht zu demonstrieren. Selbst bekannte Persönlichkeiten, wie beispielsweise der Kirchenreformator Martin Luther, schmückten sich mit dem roten Chalcedon. Der Goldring Luthers ist mit einem Karneol versehen, in den sein Wappen, die „Luther-Rose“ eingeschnitten wurde. Er ist Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden und kann heute im „Grünen Gewölbe“ in Dresden bewundert werden. Dort sind auch die neun sogenannten „Juwelen-Garnituren“ von August dem Starken (1670-1733) untergebracht. Die „Karneol-Garnitur“ ist dabei mit 123 Einzelteilen die umfangreichste unter ihnen.

Heilstein des Mittelalters

Die bekannte Hildegard von Bingen (12. Jh.) rechnete den Karneol zu den wichtigsten Heilsteinen, der angeblich Erkältungen vertreiben und Blutungen stillen konnte.
Der Bischof Marbod von Rennes (12. Jh.) und der Universalgelehrte Albertus Magnus (13. Jh.) waren davon überzeugt, dass der Karneol außer seiner blutstillenden Wirkung auch die Fähigkeit besaß ein zorniges Gemüt zu besänftigen.

Heilstein gegen Charakterschwäche

Mitte des 14. Jahrhunderts entsteht eine Schrift des Weltgeistlichen Konrad von Megenberg, in der er dem Karneol enorme charakterstärkende Fähigkeiten zuschreibt.

„Wer schwach ist, aber fest sein möchte, wer lau ist, aber brennen möchte, wer feig ist, aber kühn sein möchte, wer Knecht ist, aber Herr sein möchte, der trage immer einen Karneol.“

Im 18. Jahrhundert kann ein Karneol angeblich die Anziehungskraft eines Mannes auf Frauen steigern, wenn dieser ein Schmuckstück mit diesem fleischfarbenen Heilstein trägt. Diese Hoffnung gehört allerdings eindeutig in den Bereich der Mythen und Legenden. Aber wer will, kann die Wirkung eines Karneols auf Frauen gerne ausprobieren.

Vorkommen des Karneols und seine heutige Verwendung

Hauptfundorte, an denen sich ein lukrativer Abbau von Karneol lohnt, sind in Indien, Botswana und Uruguay. Allerdings stammen gerade auch von dort die besten manipulierten Karneole.

Aus Botswana kommt ein Karneol, der dem Achat ähnliche Bänderungen zeigt. Deshalb kann er auch die Handelsbezeichnung „Botswana-Achat“ tragen, obwohl es sich eigentlich um einen Karneol aus der Chalcedon-Familie handelt.

Indien besitzt ein großes Vorkommen an gelben Karneolen, die gerne zur begehrteren roten Varietät „umgebrannt“ werden.

Weitere Fundorte sind beispielsweise aber auch auf Tasmanien, in Frankreich (Elsass, Lothringen) und sogar Deutschland. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bayern, Hessen, das Saarland, Sachsen und Thüringen können alle Gebiete vorweisen, an denen man Karneol finden kann. Aber auch in England, Schottland, Polen, Österreich, Ungarn, Sri Lanka, Russland und in der Schweiz gibt es Vorkommen.

Karneol als Schmuckstein

Der von Natur aus durchscheinende Stein kommt durch einen glatten Schliff ohne Facetten am besten zur Geltung. Deshalb sind Cabochons, Trommelsteine und kleine Handschmeichler im Handel auch heute noch üblich. Nach wie vor ist der rote Karneol als Schmuckstein für Ringe, aber auch Ketten und zarte Ohrgehänge sehr beliebt. Dabei ist eine goldene Fassung der Klassiker.

Karneol als Heilstein

Mit der roten Varietät des Chalcedons sind energiereiche Fähigkeiten, wie Mut, Tatkraft und Standfestigkeit verbunden. Karneol fördert einen idealistischen Gemeinschaftssinn, aber ebenso einen unerschrockenen Pragmatismus. Dieser kann helfen realistische Lösungen für selbst schwierige Probleme zu finden.
Körperlich soll der erwärmende Heilstein die Durchblutung und den Kreislauf anregen. Außerdem kann der Stoffwechsel und eine gesunde Verdauung gefördert werden, bei der die Nährstoffe aus der Nahrung schließlich besser verarbeitet und aufgenommen werden.

Anwendung und Pflege

Bei Erschöpfung, die schon längere Zeit besteht, sollte man einen Karneol am besten ständig mit Hautkontakt in der Nähe des Nabel-Chakras (Solarplexus) tragen. Für eine liegende Meditation oder therapeutische Maßnahme kann der Heilstein auch für die gewünschte Zeit auf den Bauch gelegt werden. Doch am wirkungsvollsten ist Karneol, wenn man ihn dauerhaft am Körper trägt. Wer zu nervösen Schlafstörungen neigt, kann den Heilstein über Nacht beispielsweise in einer Amethyst-Druse oder auf einer Bergkristall-Gruppe ablegen. Denn seine energetische Ausstrahlung kann auch lange wachhalten.

Wer diesen Energiebringer morgens einmal vergessen sollte, wird ihn schnell vermissen. Außerdem braucht der Heilstein je nach menschlicher Belastung alle paar Tage eine lauwarme „Dusche“ unter möglichst klarem Wasser. So kann er die fremden Schwingungen in das Wasser abgeben und seine eigenen erneuern.

Wie entsteht Karneol?

Der ebenfalls mikrokristalline, faserige Quarz aus der Chalcedon-Familie zeichnet sich durch seine leuchtend rote und orangerote Farbe aus. Karneol bildet wie alle Chalcedone keine sichtbaren Kristalle, sondern nur mikroskopisch feine Fasern. Als Varietät des Chalcedons entsteht er primär aus eisenhaltigen, magmatischen Kieselsäure-Lösungen im Umfeld basischer und auch saurer Vulkangesteine. Bei der Abkühlung und Austrocknung dieser stark wasserhaltigen Lösungen können sich die enthaltenen Eisenoxide gleichmäßig fein verteilen und in kleinen, blasigen Hohlräumen des entstehenden Gesteins auskristallisieren. Üblicherweise entstehen dabei kleine Knollen, Kügelchen, aber auch Mandelfüllungen im umgebenden Gestein. Je nach dem Zustand der Eisenoxidation bilden sich gelbe, orangefarbene, rote, rotbraune bis braune Färbungen.

Häufig kann man Karneol-Kügelchen auch in den Geröllen von Sedimenten finden, wenn sie aus ihrem Ursprungsgestein von Wasser herausgespült wurden. Selbst Achate können verschieden dicke Schichten, bzw. Bänder an Karneol enthalten.

Merkmale des Karneols und Möglichkeiten der Verwechslung

Der durchscheinende Karneol besitzt eine Mohshärte von 6,5 bis 7 und eine Dichte von 2,58 bis 2,64. Seine Strichfarbe ist immer weiß, egal wie seine Körperfarbe erscheint. Außerdem lässt er sich nicht spalten und zeigt nur einen unebenen, muscheligen Bruch.

Karneol kann rein optisch mit rotem Calcit verwechselt werden, der aber mit einer Härte von nur 3 wesentlich weicher ist. Außerdem lässt dieser sich hervorragend spalten.
Eine weitere Verwechslungsgefahr besteht mit dem oft wesentlich wertvolleren Feueropal, den man in seiner Edelstein-Varietät nur durch eine mineralogisch-gemmologische Untersuchung unterscheiden kann.

Manipulationen

Brennen und Färben

Um den gering verfügbaren, aber begehrten roten Karneol für den Markt zu „vermehren“, greift man auch hier zur bewährten Methode des Brennens. Gelbe, oft indische Exemplare verwandeln sich so in orangefarbene bis rote Schönheiten. Aber auch gefärbte Achate aus Brasilien oder Uruguay erhalten als Fälschungen den „Karneol-Status“. Diese Manipulationen sind für Laien mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen.

Die Größe ist entscheidend

Karneol hat von Natur aus die Größe von nur wenigen Zentimetern, das bedeutet, dass wesentlich größere Exemplare zwangsläufig manipulierte Fälschungen sein müssen. Gut verfügbare Achate und farbschwache Chalcedone, die eine beachtliche Größe erreichen können, dienen hier als Grundsubstanz für künstlich erzeugte, optische Verbesserungen. Diese können dann als rotleuchtende Karneole auf dem Markt erscheinen.

Karneol und die Sternzeichen

Der Farbe entsprechend fällt die Zuordnung der Sternzeichen (Tierkreiszeichen) aus. Der energievolle Widder, der genießende Stier und der heißblütige Skorpion stehen hier an bevorzugter Stelle. Dabei können gerade Menschen mit geringerem Energieniveau vom Karneol profitieren. Deshalb sollte man diesen Heilstein nicht nur aus diesen Gesichtspunkten auswählen. Denn jeder der energievolle Tatkraft benötigt, kann den Karneol für sich nutzen.

Je nach Schrift, wird der Karneol den Planeten Mars (Kriegsgott) oder Jupiter (Zeus) und dem Sommermonat Juli zugeordnet.

Karneol in der Literatur

Eine beispielhafte literarischeVerarbeitung“ des Karneols ist das Gedicht „Segenspfänder“ des deutschen „Dichterfürsten“ Johann Wolfgang von Goethe.

Talisman in Karneol,
Gläub´gen bringt er Glück und Wohl;
Steht er gar auf Onyx Grunde,
Küss ihn mit geweihtem Munde!
Alles Übel treibt er fort,
Schützet dich und schützt den Ort.