Türkis-Entstehung und Klassifizierung
Wenn Lösungen mit entsprechendem Kupfer-Gehalt auf Phosphat-Gesteine mit Aluminium-Gehalt einwirken können, entsteht in einer "Sekundären Bildung" Türkis in Rissen und Klüften als Füllung oder in Spalten als Überzug der vorhandenen Gesteinsflächen.
Das blaugrüne Mineral gehört als Kupfer-Aluminium-Phosphat in die Mineralklasse der "Phosphate, Arsenate, Vanadate", wobei Aluminium im Kristallgefüge auch durch Eisen ersetzt sein kann (Substitution).
Die Türkis-Gruppe
Alle fünf Mitglieder der Türkis-Gruppe kristallisieren im "Triklinen Kristallsystem", wobei die verschiedenen Minerale zwar die gleiche innerer Struktur zeigen, aber unterschiedliche Zusammensetzungen besitzen. Neben dem Namensgeber "Türkis" selbst, gehören somit auch das Eisen-Aluminium-Phosphat "Aheylit" und der zinkreiche Faustit sowie das Kupfer-Eisen-Phosphat "Chalkosiderit" und Aluminium-Phosphat "Planerit", die beide je mit Türkis Mischkristalle bilden können.
Die Entdeckung der Türkis-Kristallstruktur
Natürlicherweise bildet Türkis oft Formen, die an Trauben und Knollen erinnern, aber auch massige, erdige Mineral-Aggregate kommen häufig vor. Da diese Türkis-Massen eine extrem feine, sogenannte "kryptokristalline" Kristallstruktur besitzen, deren winzige Kristalle so gut wie kein Licht durchlassen, ist die Transparenz bei Türkis fast immer gänzlich opak. Sogenannte "Türkisknollen" stammen meistens aus Arizona (USA) und erscheinen als Arizonoit insbesondere unter der Handelsbezeichnung "Bisbee Blue" (Fundort bei der amerikanischen Stadt "Bisbee") im Handel.
Seltene, größere Türkis-Kristalle
Größere Kristalle, die man ohne Vergrößerung noch erkennen kann, sind extrem selten und maximal wenige Millimeter groß. Dann bildet Türkis einen raren prismatischen bis nadeligen Kristallhabitus, der in Sammelkreisen sehr begehrt ist und entsprechend monetär gehandelt wird. Dass es größere Türkis-Monokristalle überhaupt gibt, weiss man seit dem Jahre 1912, als man in Virginia (USA) erstmals "Einkristalle" dieses Minerals fand. Es sollte noch bis ins Jahr 1965 dauern, bis der Türkis-Aufbau anhand dortiger Monokristall-Funde endlich in einer Strukturanalyse gänzlich geklärt war.
Bestimmungsmerkmale
Die Mohshärte von 5 bis 6 liegt bei Türkis im mittleren Bereich auf der Härte-Skala und mit einer Dichte von 2,6 bis 2,9 zeigt dieses Mineral eine gute bis vollkommene Spaltbarkeit. Seine Bruchstellen sind uneben oder muschelig ausgeprägt und erreichen maximal Wachsglanz, denn meistens ist Türkis matt und in seiner Transparenz opak (undurchsichtig). Da der blau-grüne Türkis über eine Eigenfarbe verfügt, ist seine Strichfarbe seiner Erscheinungsfarbe angepasst und hellgrünlich.
Andere Schmuck- und Heilsteine in Türkis
Nicht nur der Namensgeber "Türkis" hat ein kräftiges Blaugrün zu bieten, auch einige Schmuck- und Heilsteine zeigen eine ähnliche Farbe. Dazu gehören das Kupfer-Ring-Silikat "Chrysokoll" und das seltene Mineral "Pseudomalachit" (auch Lunnit, Prasin, Thrombolith, Ehlit...), das ebenfalls wie Türkis zur Mineralklasse der "Phosphate, Arsenate und Vanadate" gehört.
Türkis und Pseudomalachit
Türkisfarbener Pseudomalachit ist als Kupfer-Phosphat optisch sehr vergleichbar mit dem basischen Kupfer-Aluminium-Phosphat "Türkis", kristallisiert allerdings monoklin. Außerdem besitzt er eine wesentlich höhere Dichte um die 4,3 sowie geringere Härte von 4,5 bis 5. Während Türkis aufgrund der extrem feinen Kristallbildung maximal leicht durchscheinend, meistens aber völlig undurchsichtig (opak) ist, besitzt Pseudomalachit eine deutlich durchscheinende Transparenz.
Weitere, ähnliche Schmucksteine
Neben den oben schon erwähnten Kandidaten, gibt es noch weitere Minerale, die unter Umständen zu einer Verwechslung mit Türkis führen können. Der grüne, bleihaltige Feldspat "Amazonit" und die Phosphate "Lazulith" und "Variscit" gehören dazu. Außerdem können auch das Zink-Carbonat "Smithsonit" und das Zink-Silikat "Hemimorphit" sowie das Eisen-Phosphat "Vivanit" in der entsprechenden Farbe Türkis ähneln.
Manipulationen und Türkis-Imitate
Da Türkis sehr beliebt ist, aber in der Natur in bester Qualität nur selten zu finden ist, hilft man schon lange künstlich nach, um den Bedarf zu decken. So muss man nicht nur Verwechslungen mit anderen Schmuck- und Heilsteinen umschiffen, sondern auch noch sehr attraktiven, farbkräftigen Imitaten oder manipulierten Steinen widerstehen. Denn nicht jeder "türkisfarbene Türkis" ist auch ein echter Türkis!
Manipulierter Türkis
Da die natürliche Farbe vieler Türkise im Pastelltürkis-Bereich liegt und dieser Schmuck- und Heilstein von Natur aus ziemlich porös ist, sind verschönernde Maßnahmen schon lange üblich. Meistens wird er für die Schmuckherstellung imprägniert und dadurch auch für den Gebrauch als Schmuckstein stabilisiert.
So behandelt man echte Türkis-Steine mit farbigem Wachs oder Öl, und entsprechende Kunststoffüberzüge lassen den Schmuckstein in einer intensiven und verkaufsfördernden Türkis-Färbung erstrahlen. Allerdings erwirbt man hier wenigstens einen echten Türkis, der als Schmuckstein besonders beeindruckt, doch durch die Manipulationen ist er für therapeutische Zwecke leider unbrauchbar geworden.
Falscher "Türkis"
Selbst gefärbter Türkis ist immerhin noch recht teuer, da die Steine schließlich echt sind, deshalb existieren nicht erst seit gestern ebenso intensiv türkisfarbene Schmuckstein-Erscheinungen auf dem Markt. Ihre Vielfalt ist so groß, dass man beim Türkis-Kauf ganz besonders achtsam sein sollte.
Echte Mineralien als Imitate und Modeschmuck-Steine
Eine bewährte Methode, um Türkis-Imitate herzustellen, ist das Einfärben von beispielsweise Howlith (Borat), Calcit (Calciumcarbonat), Chalcedon (Quarz) oder Magnesit (Carbonat), die wenigstens im Bereich echter Schmucksteine angesiedelt sind. Magnesit erscheint mitunter mit der Bezeichnung "Türkenit" auf dem Markt, und der sogenannte "Wiener Türkis" aus dem 19. bis Anfang 20. Jahrhundert ist inzwischen "historisch", aber nichts desto trotz ein Imitat. Die türkisfarbene, künstlich hergestellte Schmuckstein-Kreation besteht in Wahrheit aus ausgefälltem und gepresstem Aluminiumorthophosphat.
Doch die Türkis-Imitate aus Porzellan, Glas, Kunststoff oder Kunstharz haben wahrlich nichts mehr mit echten Schmuck- und schon gar nichts mit Heilsteinen zu tun. Sie taugen lediglich für imposante Modeschmuck-Kreationen, die ihren Platz im dekorativen Bereich aber wohl verdienen.
Türkis-Rekonstruktionen
Eine besondere Erfindung der Schmuckstein-Herstellung sind außerdem "Pseudo-Schmucksteine", die sich in diesem Beispiel aus Türkis-Bruchstücken und Türkis-Staub zusammensetzen. Als sogenannter "rekonstruierter Türkis" erscheint dieser Pseudostein als eine Mischung aus echten Türkis-Bestandteilen, Silicium und alles verklebendem Kunstharz auf dem Markt. Diese Rekonstruktionen besitzen die gleiche Härte von 5 bis 6 wie ein natürlicher "Monolith-Türkis", allerdings gewährleistet diese Technik eine höhere Widerstandsfähigkeit im Gebrauch als Schmuckstein.
Gemmologische Untersuchungen sind wichtig!
Da eine Vielzahl an sogenannten "Türkisen" den Markt überschwemmen, ist eine gemmologische Überprüfung meistens unumgänglich. So kann man Manipulationen, Rekonstruktionen und künstliche türkisfarbene Produkte, wie beispielsweise den "Hamburger Türkis" (auch Neotürkis, Reese-Türkis, Neolith) klar identifizieren. Letzteres Imitat besitzt beispielsweise eine wesentlich geringere Härte von 2,5 bis 3 als das Original, sodass schon ein "Kratztest" ausreicht, um den Unterschied zu erkennen.