Der "glänzende Stein" Stilbit
Entdeckt wurde Stilbit im Jahre 1756 durch den schwedischen Mineralogen "A. F. Cronstedt", erstmals beschrieben allerdings im Jahre 1796 durch den französischen Mineralogen "R. J. Haüy". Seine Bezeichnung ist vom griechischen "stilbe" für "Glanz, Schimmer" abgeleitet und wurde vom französischen Naturwissenschaftler "Jean-Claude Delamétherie" im Jahre 1797 kreiert. Doch der "glänzende Stein" hatte noch keine präzise Einordnung im Rahmen der Zeolith-Familie.
Im 19. Jahrhundert war man sich nämlich nicht einig über die genaue Unterklassifizierung des heutigen Stilbits. So definierte der deutsche Mineraloge "A. Breithaupt" den Blätter-Zeolith im Jahre 1817/18 als "Stilbit" und erfand den Namen "Desmin" (altgriech. "desme" für "Bündel"), um den büschelförmigen "Strahl-Zeolith" zu kennzeichnen. Doch fünf Jahre später änderte ein anderer Wissenschaftler diese Benennung, sodass ab dem Jahre 1822 Stilbit nun selbst als "Strahl-Zeolith" galt und ein Blätter-Zeolith die Bezeichnung "Heulandit" trug.
Bis heute ist Heulandit eine "Sammelbezeichnung für ein nicht näher bestimmtes Mineral", das seine eigene Mischkristall-Reihe hat, mit den international anerkannten Endgliedern Heulandit-Ba, Heulandit-Ca, Heulandit-K, Heulandit-Na und Heulandit-Sr.
Stilbit-Klassifizierung
Eine klare Einteilung des Stilbits, Desmins und Heulandits ist für Unkundige nicht so leicht nachzuvollziehen, denn Desmin (Büschel-Zeolith) erscheint als Synonym für Stilbit, der inzwischen international als Blätter-Zeolith anerkannt ist. Deshalb führen manche Quellen Stilbit auch als "Strahl-Zeolith", da er auch strahlenartige, stängelige oder garbenförmige Aggregate bildet.
Verschiedene Gitterparameter
Heulandit zeichnet sich ebenfalls als Mitglied der Zeolith-Familie unter anderem durch seine blättrigen bis tafeligen Kristalle aus und bildet seine eigene Heudalit-Serie. Diese Reihe weist in ihrer Zusammensetzung die Elemente "Barium" (Ba), "Calcium" (Ca), "Kalium" (K), "Natrium" (Na) oder "Strontium" (Sr) auf, die sich jeweils, im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen, vertreten können (Substitution).
Stilbit und Heudalit sind sich in ihrer Kristallstruktur im Grunde sehr ähnlich, unterscheiden sich jedoch in der Art, wie ihre jeweiligen Silikatringe im Gerüst miteinander verknüpft sind. So weichen ihre "Gitterparameter" (Zellparameter / Beschreibung der Elementarzellen eines Gitteraufbaus) leicht voneinander ab.
Stilbit-Entstehung und Erscheinungsform
Da Stilbit meistens aus hydrothermalen Lösungen primär entsteht, findet man ihn beispielsweise in Erzgängen, Brekzien und blasenförmigen Räumen von Vulkaniten (z. B. Basalt), aber auch in der Nähe von heißen Quellen (Thermalquellen). Allerdings kann sich Stilbit ebenso in Sedimentgesteinen bilden und in Paragenese (Vergesellschaftung verschiedener Mineralien) am jeweiligen Bildungsort vorkommen.
So kann man ihn vergesellschaftet mit den beiden Schicht-Silikaten "Apophyllit" und "Cavansit", aber auch mit dem Calciumcarbonat "Calcit" und anderen Varietäten der Zeolith-Familie finden.
Die Stilbit-Gruppe
Die Endglieder dieser Mischreihe bilden Stilbit-Ca (hoher Calcium-Anteil) und Stilbit-Na (hoher Natrium-Anteil), die zusammen mit ihren Mischkristallen die Stilbit-Gruppe ergeben. Alle Minerale dieser Gruppe gehören in die Mineralklasse der "Silikate und Germanate" und bilden ein siebähnliches Molekulargerüst, das sich aus miteinander verknüpften Silikatringen zusammensetzt (Gerüst-Silikat).
Stilbit-Fundorte
Das Mineral "Stilbit-Ca" ist weitaus häufiger zu finden als "Stilbit-Na". So kann man calciumreichen Stilbit in Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich, in der Schweiz, in Großbritannien, Schweden, Ungarn, Tschechien, Russland sowie Brasilien, Kanada, in den USA und Indien finden.
Stilbit-Na hingegen gibt es hauptsächlich in Australien, Indien, Italien und wenigen Regionen der USA.
Kristallsystem und Varietäten
Stellerit (Rhombenzeolith) heißt die orthorhombische Form des Stilbits, aber im Allgemeinen kristallisiert der Blätter-Zeolith im "Monoklinen Kristallsystem". Dann erscheint er in tafeligen oder prismatischen Kristallen, die eine durchsichtige bis durchscheinende Transparenz und an der Oberfläche einen attraktiven Glasglanz aufweisen. Auch die Bildung von kompliziert verwachsenen, monoklinen Durchdringungszwillingen ist möglich, die sich so durchkreuzen, dass der Eindruck einer orthorhombischen Kristallbildung entstehen kann.
Nicht selten zeigt Stilbit allerdings auch garben- bzw. büschelförmige, stängelartig-strahlige oder körnige bis massige Mineralaggregate.
Erscheinungs- und Strichfarbe
In reiner Form sind beide Stilbite (-Ca und -Na) durchsichtig und völlig farblos, allerdings können verunreinigende Fremdstoffe zu gelblichen, rötlichen bis bräunlichen Färbungen führen. Weißer Stilbit entsteht durch Gitterfehler im inneren Aufbau oder durch Polykristall-Bildungen, bei denen sich das Licht vielfach bricht und so ein unbunter Farbeindruck entsteht. Doch in keinem Fall entstehen markante Farbzentren, sodass die Fremdfarbe stets eine weiße Strichfarbe zeigt.
Stilbit-Bestimmungsmerkmale
Mit einer Mohshärte von 3,5 bis 4 liegt Stilbit zwischen der Härte des Calcits (3) und Fluorits (4), sodass auch er sich noch gut mit einem Taschenmesser ritzen lässt. Dazu kommt noch eine vollkommene Spaltbarkeit und ein spröder Bruch, die zusammengenommen Stilbit nicht wirklich als idealen Schmuckstein auszeichnen, obwohl er optisch einiges zu bieten hat.
Weitere Merkmale sind die Dichte von 2,09 bis 2,20 und die oben schon erwähnte durchsichtige bis durchscheinende Transparenz mit Glasglanz sowie seine weiße Strichfarbe.
Verwendung und Verwechslungen
Da es inzwischen auch synthetische Zeolithe gibt, die für eine wissenschaftliche Nutzung gedacht sind, ist natürlich entstandener Zeolith nicht mehr die einzige Resource, um beispielsweise Molekularsiebe zur Edelgas-Trennung oder Geräte zur Wasser-Enthärtung herzustellen.
Der Mineralienmarkt ist jedoch nicht von diesen synthetischen Exemplaren betroffen und bietet für die Sammelgemeinde attraktive Stilbit-Stufen, kleinere Grüppchen und Stilbit in Paragenese mit anderen Mineralien an. Da sich Zeolithe untereinander oft sehr schwer unterscheiden lassen, ist eine chemische Analyse meistens notwendig, damit man eine klare Einordnung vornehmen kann.
Stilbit als Heilstein
Da Stilbit keine Tradition als Heilstein vorweisen kann, stammen die therapeutischen Erfahrungen mit ihm erst aus den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. So wird beispielsweise eine seelisch stärkende Wirkung beschrieben, die sich durch innere Ruhe und eine entspannte Haltung dem Leben gegenüber auszeichnet. Geistig kann Stilbit die Kreativität fördern und den Wunsch verstärken, eigene Ideen und Vorstellungen möglichst schnell umzusetzen.
Körperlich soll Stilbit ähnlich wie Heulandit die Nieren in ihrer Funktion unterstützen, doch während letzterer sich zusätzlich auf den Bewegungsapparat auswirken kann, lässt Stilbit einen klaren Bezug auf die Sinne und das Gehirn erkennen. Durch seinen positiven Einfluss auf den Geschmackssinn, soll er vor allem bei Halsproblemen (Schmerzen, Entzündungen) helfen.
Stilbit-Anwendung
Je nach farblicher Prägung sind verschiedene Einsatzgebiete denkbar, sodass beispielsweise durchsichtige, farblose und weiße Stilbite besonders gut für Meditationen geeignet sind. Hier profitieren das Stirn- oder Kronen-Chakra, aber auch das Hals-Chakra, je nachdem wie sich das körperlich-geistige Befinden gestaltet. Gelbe und bräunliche Exemplare kann man im Bereich der Nieren oder des Nabels auflegen und rosafarbene Töne wirken sich oft beruhigend auf dem Sakral- oder Herz-Chakra aus.