Titanit-Entstehung und Merkmale
Seiner chemischen Formel gemäß ist Titanit ein Calcium-Titan-Silikat, das zur Mineralklasse der "Silikate und Germanate" und strukturell zu den Insel-Silikaten gehört. Titanit kann sowohl primär in magmatischen Prozessen als auch tertiär durch metamorphe Vorgänge in Pegmatiten entstehen.
Kristallsystem und Erscheinungsform
Titanit kristallisiert im "Monoklinen Kristallsystem" und bildet oft keilförmig zugespitzte Kristalle und Kristall-Zwillinge mit Glas- bis Diamantglanz. Allerdings kann man ihn auch in massigen bis körnigen Mineral-Aggregate finden.
Die Farben des Titanits
In reiner Form ist Titanit immer durchsichtig und farblos, was sich jedoch durch eingelagerte Fremdstoffe, eine polykristalline Ausbildung oder Fehler im Gitterbau ändern kann. So nimmt die durchsichtige Transparenz teilweise bis zur Undurchsichtigkeit ab.
Je nachdem welche chemischen Fremdatome im Gitteraufbau zu finden sind, entstehen dadurch Kristalle in gelben, grünen, rötlichen oder braunen, grauen bis schwarzen Farbtönen. Zu einem weißen Farbeindruck führen hingegen Polykristalle aus mehreren Titanit-Einzelkristallen und ebenso vorhandene Gitterbaufehler im Titanit-Gefüge, da hierdurch eine vielfache Lichtbrechung im eigentlich durchsichtigen Kristall entsteht.
Titanit-Bestimmungsmerkmale
Die Mohshärte des Titanits liegt bei 5,0 bis 5,5 und seine Dichte zwischen 3,48 und 3,6. Je nach ausgebildeter Kristallfläche, lässt er sich mehr oder weniger gut spalten, wobei er spröde und muschelige Bruchstellen zeigt. Titanite im reinen, farblosen oder weißen Zustand, aber auch die farbigen Exemplare hinterlassen immer eine weiße Strichfarbe. Die Transparenz reicht von durchsichtig bis undurchsichtig und die Kristalloberflächen besitzen einen Harz-, Glas- oder gar Diamant-Glanz.
Vorsicht bei der Verarbeitung als Schmuckstein!
Da Titanit empfindlich auf Hitze, Säuren (Schwefelsäure) und Laugen reagiert, muss er während der Schmuckherstellung als Schmuckstein sorgsam behandelt und entsprechend geschützt werden. Vor dem Lötkolben schmelzen beispielsweise seine Kristallkanten glasähnlich dunkel an.
Vorkommen und Besonderheiten des Titanits
Sind Uran-, Thorium- oder Radium-Einlagerungen im Gefüge vorhanden, zeigt Titanit eine leichte Radioaktivität, die je nach Fundort an Intensität variieren kann. Doch im Allgemeinen ist diese Strahlung minimal, sodass keine Gefahr von ihr ausgeht. Auch wenn dieser Schmuck- und Heilstein keine Seltenheit ist und an vielen Orten der Erde vorkommt, so stechen doch einzelne besonders attraktive Funde heraus.
Österreich, Schweiz und Russland
Sammelwürdige, größere Titanit-Kristalle sind eher selten und stammen oft aus Österreich (z.B. Zillertal) oder aus der Schweiz (z.B. Binntal), aber auch in Russland (Ural) hat man schon Kristalle mit bis zu 18 cm Länge entdeckt.
Deutschland
Zwischen Dresden und Freital liegt der sogenannte "Plauensche Grund", ein Landschaftsbereich Sachsens mit geologisch historischer Bedeutung. Das dort vorkommende, meist mittelkörnige Tiefengestein "Monzonit" ist reich an Feldspat und hat berühmte "Titanitspiegel" mit hoher Qualität hervorbrachte, die in der Geologie und Mineralogie eher eine Seltenheit sind. Diese Kristalle besitzen eine spiegelnde Oberfläche mit besonderes beeindruckendem Glas- bis Diamant-Glanz.
Kanada und USA
Titanit-Kristalle mit einem enormen Gewicht von um die 40 kg kamen inzwischen im kanadischen Ontario und im US-Bundesstaat "New York" ans Tageslicht. Allerdings sind diese Exemplare meistens nur unvollkommen ausgebildet.
Weitere Vorkommen an Titanit
Neben den schon erwähnten Titanit-Vorkommen, können auch andere Länder lukrative Exemplare liefern. Dazu gehören in Europa beispielsweise Frankreich, Italien, Finnland, Schweden, Großbritannien, Spanien, Portugal oder Griechenland und in Afrika Marokko, Malawi, Tansania, Madagaskar oder Kamerun. In Asien fördert man z. B. in Indien, Pakistan, Sri Lanka, China, Japan oder Nord- und Süd-Korea Titanit zutage und in Amerika sind neben Kanada und den USA lukrative Vorkommen beispielsweise in Brasilien, Bolivien, Chile, Argentinien und Mexiko zu finden. Selbst der Kontinent "Australien" besitzt Titanit-Lagerstätten.
Titanit-Verwendung
Im geschliffenen Zustand entwickelt der Titanitspiegel des durchsichtigen Schmucksteins eine starke Lichtstreuung (Dispersion), die sein intensives Feuer ausmacht. Deshalb taucht Titanit im Facettenschliff manchmal als Ersatz für Diamanten auf. Allerdings ist er mit seiner verhältnismäßig geringen Härte sowie Laugen-, Säure- und Hitzetoleranz kein idealer und vielgenutzter Schmuckstein, sondern vielmehr ein beliebtes, mineralogisches Sammelobjekt. In Sammelkreisen ist der sehr attraktive Titanit deshalb häufiger als Kristall-Stufe oder Zwilling in schützenden Vitrinen anzutreffen, als in Schmuckstücken, die durch die Nutzung beansprucht werden.
Manchmal dienen massige Titanit-Aggregate lokal als Rohstoff für die Herstellung von Titandioxid, doch meistens bevorzugt man in der Industrie natürlich vorkommende Titandioxide wie beispielsweise Rutil.