Das traditionelle Eisenerz "Siderit"
Seit der Urgeschichte des Menschen ist dieses Eisenerz im Gebrauch. Mit der Verarbeitung von Siderit begann die "Eisenzeit" nach und nach in allen damaligen Kulturen, die sich die Fähigkeit der Eisenbearbeitung aneigneten.
Siderit hat viele ältere Synonyme, die aus der Bergmannssprache stammen. Dazu gehören Eisenkalk und Eisenspat sowie Chalybit und Stahlstein. Chemisch gesehen, handelt es sich um "Eisencarbonat", doch als eigenständisches Mineral trägt dieses Eisenerz erst seit dem Jahre 1962 die offizielle Bezeichnung "Siderit", was die "International Mineralogical Association" (IMA) damals so beschloss.
Woher stammt der Name "Siderit"?
Erstmals hat der österreichische Geologe und Mineraloge "Wilhelm Karl Haidinger" das sogenannte Mineral "Siderose" im Jahre 1845 wissenschaftlich beschrieben und zu "Siderit" umbenannt. Dabei hatte der französische Mineraloge "F. Sulpice Beudant" die Bezeichnung "Siderose" schon im Jahre 1832 kreiert, nach dem griechischen "sideros" für "Eisen".
Geschichtsträchtige Synonyme
Obwohl das Mineral "Sideros" schon lange vor seiner mineralogischen Beschreibung ein bekannter, wichtiger Rohstoff war, hat sich die abgewandelte Form "Siderit" erst Mitte des 20. Jahrhunderts in Fachkreisen durchgesetzt. Zuvor waren zahlreiche Synonyme gebräuchlich, denn schon die Römer verarbeiteten das "Norische Eisen" oder "Chalybs" (Stahl) aus der Steiermark.
Im 16. Jahrhundert entstand die Bezeichnung "Stahlreich Eisen", im 18. Jahrhundert folgte das Synonym "Stahlstein" und im 19. Jahrhundert schließlich "Eisenspat" die beide auch heute noch als Synonym für Siderit auftauchen. Eine weitere mineralogische Wortschöpfung aus dem Jahre 1847 ist "Chalybit" nach dem römischen Vorbild, die sich gegen die Bezeichnung "Siderit" zwar nicht durchsetzte, aber als gebräuchliches Synonym bis heute erhalten blieb.
Ungenaue Bezeichnungen
Alte Bezeichnungen aus der Bergmannssprache wie "Braunspat" oder "Braunerz" sind für die modernen Standards nicht präzise genug, denn darunter tauchen verschiedene Erze auf. Nicht nur Siderit und seine Varietäten waren damals damit gemeint.
Umgekehrt verwendet man zur Zeit jedoch den Begriff "Siderit" auch als Gruppenbezeichnung für verschiedene Meteoreisen, sodass nicht immer klar ist, mit welchem Mineral man gerade zu tun hat. Verwirrung ist hier schon vorprogrammiert.
Klassifikation und Kristallsystem
Nach der aktuellen Einordnung der IMA gehört Siderit als wasserfreies Carbonat zur Mineralklasse der "Carbonate und Nitrate" und aufgrund seiner Zusammensetzung zur Unterabteilung der "Erdalkali-Carbonate". Allgemein ist Siderit zusammen mit beispielsweise Calcit, Magnesit oder Rhodochrosit ein Mitglied der großen "Calcit-Gruppe".
Varietäten des Siderits
Zwei anerkannte Varietäten des Siderits sind Oligonit und Pistomesit, die beide ebenfalls in die Calcit-Gruppe gehören. Dabei ist Oligonit die Bezeichnung für Siderit mit Mangan-Gehalt, während magnesiumhaltige Exemplare den Namen "Pistomesit" tragen. Allerdings existieren eine Vielzahl an Siderit-Varianten mit unterschiedlicher Dominanz an Mineralstoffen, wie beispielsweise Arseniosiderit (Löllingit), Calcium-Siderit oder Zincian Siderit.
Oligonit
Die Verunreinigung durch Mangan-Ionen lässt die schwarze Siderit-Varietät "Oligonit" entstehen, die nach dem griechischen "oligos" für "klein" benannt ist. Mangan ist nämlich nicht so schwer wie Eisen, deshalb hat diese Varietät durch den Ionen-Austausch ein geringeres Gewicht. Manganosiderit ist ein Synonym für diese Variante und Kobalt-Oligonspat enthält zusätzlich das bezeichnende Spurenelement "Cobalt"
Pistomesit
Da der Eisenspat "Siderit" eine "lückenlose Mischreihe" mit Magnesit bildet, ist ein Pistomesit je nach Zusammensetzung und Dominanz von Eisen- oder Magnesium-Ionen nicht immer klar zuzuordnen. Deshalb taucht er jeweils als Varietät des Siderits oder Magnetits auf, die beide zur Calcit-Gruppe gehören. Magnesiosiderit und Sideroplesit sind weitere Bezeichnungen für magnesiumhaltigen bzw. magnesiumreichen Siderit.
Merkmale des Siderits
Entsprechend der Calcit-Gruppe besitzt auch Siderit eine "vollkommene Spaltbarkeit" in Richtung der Rhomboeder-Kristalle, denn er kristallisiert im "Trigonalen Kristallsystem". Durch seine chemische Zusammensetzung bildet das wasserfreie Eisencarbonat meistens derbe oder spatige Massen, aber auch kugel- bis traubenförmige, feinkörnig dichte Aggregate kommen vor, die unter der Bezeichnung "Sphäro-Siderit" bekannt sind. Rhomboedrische Kristalle findet man jedoch eher selten, dann zeigen sie manchmal leicht nach außen gekrümmte Seitenflächen.
Bestimmungsmerkmale
Die Mohshärte des Siderits liegt je nach Quelle mit 4 bis 4,5 (3,75 - 4,25) eindeutig höher als bei Calcit (3) und oft auch als bei Magnesit (4). Ebenso ist seine Dichte von 3,7 bis 3,96 über den maximalen Werten der genannten Minerale (Calcit 2,71 / Magnesit 3 - 3,12). Charakteristisch für die Calcit-Gruppe zeigt auch Siderit eine vollkommene Spaltbarkeit und hinterlässt muschelige, unebene Bruchstellen.
Typisch für Siderit ist allerdings seine weiß-gelbliche Strichfarbe, die sich bei gelber und brauner, aber auch schwarzer Färbung des Minerals beobachten lässt. Mit einer durchscheinenden bis durchsichtigen Transparenz zeigen Siderit-Kristalle Perlmutt- bis Glasglanz.
Oxidation und Magnetismus
Die Flamme eines Lötkolbens bringt Siderit zwar nicht zum Schmelzen, aber die hohe Hitze führt zu Rissen und durch den hohen Eisen-Gehalt auch zur Oxidation. So entsteht eine braun-schwarze Färbung des rissigen Minerals. Reiner Siderit ist allgemein nur leicht magnetisch, jedoch durch Verunreinigungen und Oxidation kann die Magnetwirkung deutlich steigen.
Eine "zerstörerische" Bestimmungsform
Beträufelt man Siderit nur mit etwas Salzsäure, färbt er sich mit der Zeit leicht gelbgrün, allerdings in erwärmter Salzsäure ist Siderit löslich und schäumt auf, während er Kohlenstoffdioxid bildet. Ganz im Gegensatz dazu ist Calcit weniger widerstandsfähig und reagiert schon bei kalter, verdünnter Salzsäure. Auch Calcit schäumt unter Bildung von Kohlenstoffdioxid auf.
Siderit-Entstehung und Vorkommen
Siderit kann einerseits sedimentär durch Diagenese (Verfestigung zu Sedimentgestein) in "tonigen" Sedimenten als Konkretionen in Toneisenstein entstehen, aber anderseits auch durch eine hydrothermale Umwandlung oder Verdrängung (Metasomatose) in "carbonatischen" Sedimenten. So haben sich mit der Zeit auf verschiedene Weise Siderit-Vorkommen gebildet, die eine enorme Größe erreichen und einen wertvollen Rohstoff in sich tragen.
Sedimentärer Ursprung
Das Eisencarbonat "Siderit" bildet in Sedimentgesteinen Schichten, die oft gemeinsam mit Schiefer, Ton und Kohle-Ablagerungen auftreten. Sogenannte "Bändereisen-Erze" können Toneisenstein und bitumenartige bis kohleartige Bestandteile zeigen. Dementsprechend kommen sie oft im Bereich von Stein- und Braunkohle-Formationen vor.
Siderit-Aggregate
Sideriterze aus einer "Sedimentären Bildung" haben mitunter den optischen Aufbau eines Ooliths und bringen kugelige, trauben- oder eiförmige Aggregate hervor. Der sogenannte "Sphäro-Siderit" ist dann als ein "Zersetzungsprodukt" in den blasenförmigen Hohlräumen magmatischer Gesteine (z. B. Basalt) entstanden. Selten kommt Siderit in Pegmatiten (z. B. Granit), Carbonatiten und als Konkretion (mineralische Verdichtung in anderem Umgebungsgestein) vor. Die Stalaktiten aus Siderit, die man beispielsweise in Spanien vorfindet, sind allerdings eine wahre Rarität.
Magmatischer Ursprung
Große hydrothermal-metasomatisch entstandene Siderit-Lagerstätten, die gewinnbringend abgebaut werden, findet man in Deutschland (Zechsteinkalk in Thüringen), Spanien (Bilbaoerz), Tunesien und Algerien. Die riesigen Vorkommen in Österreich (Erzberg in der Steiermark), Russland (Balkal-Gebiet im Ural) und Kanada (Ontario) sollen allerdings metamorph entstanden sein. Dabei zeigt die Anwesenheit anderer "mineralischer Begleiter" an, welche Bedingungen während der Gesteinsumwandlung (Metamorphose) geherrscht haben. Deshalb kann man Siderit auch in magmatischen oder metamorphen Gesteinen finden.
Siderit in Paragenese
In hydrothermalen Erzgängen, die bei verhältnismäßig niederen Temperaturen entstanden sind, hat sich Siderit oft in Paragenese mit Hämatit gebildet. Aber das Eisencarbonat kann auch in Gängen mit Quarzen, Fluorit, Baryt und Carbonaten auftauchen. So sind die typischen Mineralien, die Siderit am Fundort begleiten, Quarz, Pyrit, Arsenopyrit, Fluorit und Baryt.
Siderit aus Österreich
Das größte Vorkommen an Siderit lag einst in Österreich (Erzberg / Steiermark), das inzwischen nur noch einen Bruchteil seines ursprünglichen Volumens bieten kann. Weitere österreichische Erzminen lieferten teilweise schon vor mehr als 2000 Jahren Eisenerze, die bis ins 20. Jahrhundert für den Untertagebau lukrativ waren, heute jedoch erschöpft sind.
Sphäro-Siderit aus Deutschland
Deutsche, nennenswerte Lagerstätten liegen in Südwestfalen (Siegerland), im Harz und Westerwald sowie im sächsischen Erzgebirge und Thüringer Wald. Im 16. bis 19. Jahrhundert baute man im Saarland in der Nähe der Region Lebach Toneisenstein-Geoden (Sphäro-Siderite) ab, die als "Lebacher Eier" bekannt wurden.
Siderit-Vorkommen weltweit
Heute sind weit über 7300 Gebiete bekannt und dokumentiert, die Siderit-Lager vorweisen. Dazu gehören im europäischen Raum Gebiete in Portugal, Spanien, England oder Tschechien. Auch aus China und Australien sowie Bolivien und Brasilien sind größere Vorkommen bekannt.
Außergewöhnliche Farben des Siderits
Siderit-Kristalle aus Russland bestechen beispielsweise unter anderem durch ihre selten vorkommende, grünliche Färbung und durch Kristall-Aggregate, die bis zu 6 cm groß sein können. Um die Jahrtausendwende fand man wiederum in Frankreich honiggelbe Exemplare, die zudem auch noch eine perfekt ausgebildete Form zeigten. Aus Spanien stammen rote und braunviolette Siderit-Kristalle.
Große Kristalle sind selten
Eine besondere Aufmerksamkeit genießen jedoch vor allem die Funde in Kanada (Quebec), deren Kristalle zu den schönsten und größten der Welt gehören. Als Höhepunkt gilt der Höhlen-Fund aus dem Jahre 1966, bei dem Sammler hunderte Siderit-Kristalle in bester Qualität ans Tageslicht beförderten. Teilweise sind die braunen bis grauen Kristallflächen der kanadischen Funde metallisch-bunt angelaufen oder durch Kohlenstoff schwarz gefärbt. Doch die Farbpalette zeigt auch beigefarbene bis hellorangene Töne. Die größten je gefundenen Kristalle erreichen eine Kantenlänge von bis zu 25 Zentimetern.
Nur Bolivien konnte bisher Siderit-Kristalle in ähnlicher Größe bieten. Aus dem Norden Pakistans wiederum stammen Siderit-Kristalle mit einer Länge von bis zu 3 Zentimetern und Stalaktite, die bis zu 7 Zentimeter lang sein können.
Perfekte Siderit-Kristalle und irisierende Farben
Spanien ist zwar für seine beeindruckenden Siderit-Stalaktite aus Asturien bekannt geworden, kann aber, wie oben schon erwähnt, auch schöne, außergewöhnlich rote und braun-violette Kristalle vorweisen. Doch die teilweise sehr perfekt gewachsenen Kristalle aus Spanien sind besonders beachtlich.
Seit Ende der 1980er Jahre mischt auch Marokko beim Ranking der schönsten Siderit-Kristalle mit. Die scharfkantigen, hervorragend gewachsenen Rhomboeder-Kristalle aus Quarz-Siderit-Gängen erreichten damals ebenfalls mehrere Zentimeter an Länge und zeigten auf der meist dunklen, graubraunen Oberfläche ein farbiges Schillern (Irideszenz). Diese irisierenden Siderit-Kristalle sind in der Sammelgemeinde natürlich bis heute besonders begehrt, wobei Marokko auch bräunlich gelbe, prismatische bis linsenförmige Siderite mit wunderschönem "Hochglanz" zu bieten hat.