Der Nicht-Dioptas "Uwarowit"
Im Jahre 1832 entdeckte der Chemiker und Mineraloge "Germain Henri Hess" (auch "Hermann Heinrich Hess" / das Mineral "Hessit" ist nach ihm benannt) auf Chrom-Erzen aus dem Ural (Russland) ein neues Mineral, das er der Granat-Gruppe zuordnen konnte. Zum Vergleich hatte er während eines Besuchs in St. Petersburg ein Exponat aus der dortigen Mineralien-Sammlung mit der Bezeichnung "Dioptas von Bissersk" (Bisser oder Biser) untersucht und festgestellt, dass es sich hier nicht um das Mineral "Dioptas" sondern um eine neue Varietät des Granats handelte.
Typlokalität des Uwarowits
Bisser oder Biser ist ein historischer Ort im russischen Gebirge "Ural", der im 19. Jahrhundert durch Erz- und Goldseifen-Lagerstätten bekannt wurde. Mit der Zeit entwickelte sich dort ein intensiver Bergbau, der durch reichhaltige Chromerze eine wirtschaftliche Bedeutung erlangte.
Der "Dioptas von Bissersk"
Die Möglichkeit, dass man ein Kupfermineral wie den grünen Dioptas in der Nähe von Chromerzen gefunden haben sollte, erschien dem Mineralogen "Hess" eher unwahrscheinlich, sodass er genauere Untersuchungen unternahm. Tatsächlich stellte er fest, dass es sich hier nicht um das trigonale, kupferhaltige Ring-Silikat "Dioptas" handelte, sondern um eine bis dato unbekannte grüne Varietät des Granats (kubisches Insel-Silikat). Somit gilt Hess als Entdecker des von ihm sogenannten "Uwarowits".
Zu Ehren eines russischen Grafen
Im Gegensatz zur üblichen Praxis, neu entdeckte Mineralien nach ihrer Typlokatität zu benennen, wählte Hess die zweite gebräuchliche Variante und kreierte die Bezeichnung "Uwarowit" nach einer bekannten russischen Persönlichkeit. So ist der Politiker, Diplomat und Literaturwissenschaftler, aber auch Mineraliensammler und Präsident der "Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften" Graf Sergei Semjonowitsch Uwarow der Namenspate für die extrem seltene grüne Granat-Varietät aus dem mittleren Ural-Gebirge.
Erste Uwarowit-Synthesen
Im Jahre 1929 konnte schließlich der deutsche Mineraloge und Kristallograph "Georg Menzer" die Kristallstruktur des Uwarowits wissenschaftlich klären, dessen stoffliche Zusammensetzung schon fast hundert Jahre zuvor durch den schweizerischen-russischen Mineralogen "Hess" entdeckt worden war. Damit war der Weg frei für "synthetische Forschungen". Allerdings gelang die erste Synthese dieser Granat-Varietät erst rund zwanzig Jahre später an der US-amerikanischen "Pennsylvania State University", wo im Jahre 1950 erstmals die synthetische Herstellung eines reinen Uwarowits gelang.
Uwarowit-Entstehung
Diese grüne Granat-Varietät entsteht hauptsächlich unter metamorphen oder hydrothermalen Bedingungen, wobei sie auch seltener in magmatischen Gesteinen wie grobkörnigen Pegmatiten vorkommen kann. Voraussetzungen für die Entstehung von Uwarowit sind zum einen ultrabasische Ursprungsgesteine mit einem niedrigen Siliciumdioxid-Gehalt von unter 42 Prozent und zum anderen ein hoher Chrom-Anteil in der betroffenen Umgebung.
Die Klassifizierung des Uwarowits
Grundsätzlich gehört Uwarowit wie alle Granate in die Mineralklasse der "Silikate und Germanate" und strukturell zu den Insel-Silikaten (Nesosilikate). Da die Gruppe der Granate so groß und vielfältig ist, teilt man diese allerdings noch einmal in verschiedene Varietät-Arten und deren Untervarietäten auf. So bildet Uwarowit zur Zeit zusammen mit den bekannten Granat-Varietäten Almandin, Andradit, Grossular, Pyrop, Rubinit und Spessartin sowie den weniger bekannten Varietäten Calderit, Eringait, Goldmanit, Knorringit, Majorit, Menzerit-Y, Momoiit und Morimotoit die sogenannte Granat-Obergruppe (nach IMA).
Stoffliche Uwarowit-Zusammensetzung
Chemisch gesehen ist Uwarowit die chromhaltige Variante des Grossulars und Andradits, mit denen er in der Natur meistens eine Mischkristall-Reihe bildet. Die dreiwertigen Chrom-Moleküle des Calcium-Chrom-Silikats "Uwarowit" können nämlich durch Aluminium (Grossular) oder Eisen (Andradit) ersetzt werden, sodass bei diesen drei Granat-Varietäten Mischkristalle mit fließenden Übergängen möglich sind. Deshalb kann man davon ausgehen, das absolut reiner Uwarowit, der auf natürlichem Wege entstanden ist, einem Lottogewinn gleichkommt.
Keine eigene Granat-Untergruppe
So unterscheidet sich der ebenfalls grüne Chrom-Grossular als "Calcium-Aluminium-Silikat" von Uwarowit durch seinen charakteristischen Aluminium-Gehalt, der allerdings teilweise durch Chrom ersetzt wurde. Diese chromhaltige Untervarietät gehört neben Hessonit und Tsavorit in die sogenannte Granat-Untergruppe der Granat-Varietät "Grossular".
Obgleich beispielsweise auch die Varietät "Andradit" mit Demantoid, Regenbogen-Andradit, Melanit und Topazolith ebenso eine Untergruppe bildet, steht Uwarowit für sich allein.
Das stoffliche "Granat-Verhältnis"
Weitere Bestandteile des Uwarowits neben Calcium (Ca), Chrom (Cr) und Silicium (Si) bzw. Siliciumdioxid können beispielsweise Eisen (Fe), Magnesium (Mg), Mangan (Mn), Natrium (Na) oder Titan (Ti) aus der Gruppe der Metalle sein. Denn Granat setzt sich im Allgemeinen immer aus zweiwertigen Metallen (Ca, Fe, Mg, Mn), dreiwertigen Metallen (z. B. Cr, Fe, Ti) und Insel-Silikat-Molekülen im Verhältnis 3 : 2 : 3 zusammen.
Kristallsystem und Erscheinungsform
Das seltene Insel-Silikat aus der Mineralklasse der "Silikate und Germanate" kristallisiert gemäß der Granat-Gruppe im "Kubischen Kristallsystem". Dementsprechend kann man Uwarowit in Form von gut bis vollkommen ausgeformten, kleinen Kristallen finden, die allerdings nur sehr selten charakteristisch "kubische" Oktaeder oder Würfel bilden. Meistens zeigen die Kristalle 12 rautenförmige Flächen (Rhombendodekaeder) oder 24 "drachenförmige" Flächen (Ikositetraeder) und sind als Einkristall im Muttergestein eingebettet. Seltener bilden sich kantig bis körnig gestaltete Aggregate, die aus kleinen, miteinander verwachsenen Einzelkristallen bestehen.
Bestimmungsmerkmale des Granats
Da Granate im Allgemeinen oft abgerundete Kanten und raue, rissige Kristallflächen zeigen, sind auch unter den Uwarowit-Kristallen selten Exemplare zu finden, die einen Schleifprozess unbeschadet überstehen. Zudem sind qualitativ gute Einkristalle nicht immer groß genug, dass sich ein kostspieliges Schleifen auch lohnt.
Uwarowit in Edelstein-Qualität
Als Granat bringt Uwarowit eine passable Mohshärte von 7 bis 7,5 und Dichte von 3,5 bis 4,3 mit, was für den Schleifvorgang und die spätere Verarbeitung und Nutzung wichtig ist. Mit einer unvollkommenen Spaltbarkeit zeigt er einen splittrig spröden Bruch und muschelig matte Oberflächen an den Bruchstellen. Wie bei den meisten Granaten ist auch die Strichfarbe des Uwarowits immer weiß.
Je nach stofflicher Reinheit kann Uwarowit eine durchsichtige bis durchscheinende Transparenz erreichen, allerdings sehr verunreinigte Exemplare sind unter den Granaten meistens eher undurchsichtig. Qualitativ hochwertige Kristalle zeigen glatte Seitenflächen und Glasglanz.
Synthesen mit bester Reinheit
Da Granate im Allgemeinen oft von vielen Rissen durchzogen sind, kann man schleifbare und schleifwürdige Kristalle gerade bei seltenen Varietäten wie natürlich entstandenem Uwarowit nur schwer finden. So ist es kein Wunder, dass synthetisch hergestellte Steine in der Schmuckbranche gern gesehen sind, denn sie können im Labor in reinster Form wachsen.
Uwarowit-Vorkommen
Die bisher größten Einkristalle des Uwarowits aus russischen Bergwerken in der Nähe des Ortes "Biser" (Bisser, Bissersk) im mittleren Ural erreichen maximal 8 Millimetern und sind somit keine Giganten unter den Edel- und Schmucksteinen. Außerdem bringen nicht alle Exemplare eine entsprechend schleifwürdige Edelstein-Qualität mit.
Dagegen können die Kristalle aus Finnland teilweise eine stattliche Größe von bis zu 2 Zentimetern erreichen, wobei man in Nordkarelien zusätzlich auch beeindruckend große Kristall-Aggregate finden kann.
Weitere weltweite Fundorte und Chromlagerstätten liegen beispielsweise in Australien (North South Wales, Tasmanien), Afrika (Äthiopien), Asien (China, Japan), Europa (Italien, Österreich, Norwegen, Polen) und Amerika (USA, Kanada, Kuba).
Uwarowit als Heilstein
Die chromhaltige Granat-Varietät fördert die Entwicklung unserer Individualität, vor allem wenn traditionelle und soziale Normen und Prägungen bisher keine Selbstbestimmung und Originalität zulassen wollten. Doch wer sich selbst entfalten möchte, muss nicht selten alte und breitgetretene Wege verlassen, die in der Gruppe zwar eine gewisse Sicherheit versprechen, aber oft eine individuelle Selbstentdeckung und Entfaltung vereiteln. Stattdessen warten noch unbekannte Pfade und das Abenteuer "Leben", das sich bei jedem Menschen natürlich anders gestaltet, sodass es eine kämpferische, leichtfüßig-tänzerische und/oder spirituell-mystische Note entfalten kann.
Uwarowit kann hier eine mentale und psychische Begeisterung entfachen, die uns mutig weniger bekanntes Terrain in alle Richtungen erforschen lässt.
Körperlich setzt die Steinheilkunde die grüne Varietät speziell zur Entgiftung des Körpers ein, außerdem soll Uwarowit entzündungshemmend, und wenn benötigt auch fiebertreibend sein.
(Weitere Infos auf der Seite "Granat")