Hornstein oder Flint?
Bei der Bezeichnung "Hornstein" scheiden sich offensichtlich die Geister. Einige Quellen behaupten, dass es sich hier um ein Jaspis-Opal-Gemenge handelt, andere beschreiben ein Chalcedon-Opal-Gemenge. Dabei erscheinen die Begriffe "Hornstein" und "Flint" außerdem auch noch austauschbar. Da manche Quellen zusätzlich gar keinen Unterschied zwischen den beiden machen, muss man sich entscheiden, welcher Definition man folgen möchte. Für Laien ist es jedoch schwierig, deshalb beginnt die Suche nach dem Quarz-Opal-Gemenge "Hornstein" hier in der Bergmannssprache.
Ursprüngliche Feuersteine
Die Verwendung von heute sogenannten "Hornsteinen" ist wahrscheinlich fast so alt wie die Menschheit selbst. Zusammen mit Feuerstein "Flint" diente er schon früh zur Herstellung von prähistorischen Steinwerkzeugen wie Schabern, Steinklingen und Steinspitzen.
Als Gemenge aus trigonalem Quarz und amorphem Opal lassen sich diese als Schlag- und Feuerstein verwendeten Gesteine gut spalten. Dabei entstehen an den splittrigen, unebenen Bruchstellen scharfe Kanten.
Dass sich durch Erhitzen (Tempern) diese Spaltfähigkeit noch verbessert und außerdem die Farbe verändert, war der Menschheit ebenfalls schon früh bekannt.
Seit der Eisenzeit benutzte man im vorderen Orient das Gestein Hornstein außerdem auch zum Bau von Kastellen und Wachtürmen.
Das "Kuhhorn" als Namensgeber für Hornstein
Die Bezeichnung "Hornstein" ist allerdings eine jüngere Kreation, die wahrscheinlich in der Bergmannssprache des 15./16. Jahrhunderts geprägt wurde. Sie ist eine der ältesten Fachsprachen einer spezifischen Berufsgruppe (Soziolekt), deren Ursprünge schon seit dem 13. Jahrhundert belegt sind. Diese über Jahrhunderte gewachsene Sprache hat bis heute nicht nur Fachbegriffe, sondern auch volkstümliche Bezeichnungen erhalten, die im modernen Gebrauch längst ausgestorben sind.
Da das Feuerstein-Gestein in Farbe, Glanz und Oberflächenstruktur die damaligen Bergleute an ein Kuhhorn erinnerte, entwickelte sich der bergmännische Name "Hornstein" für die rötlich bis gelblich braunen Exemplare. Sogenannter "Bunter Flint" aus dem Handel ist nämlich in Wahrheit Hornstein.
Entstehung und Vorkommen von Hornstein
Das silikatreiche Sedimentgestein "Hornstein" ist sekundär entstanden. Dabei verdrängten die zirkulierenden Kieselsäure-Lösungen das ursprüngliche Gestein und bildeten Schichten und Knollen. Durch ständigen Flüssigkeitsverlust entstanden aus einem anfänglich gebildeten Kieselsäure-Gel zuerst Opale und schließlich Quarze. Bei Hornstein überwiegt am Ende der Quarzanteil, allerdings ein Teil des ursprünglichen Opals bleibt immer erhalten.
Während der enge Verwandte "Flint" hauptsächlich von den Kreidefelsen der Ostsee und dem englischen Dover stammt, findet man Hornstein vor allem in den Kalkgesteinen der Kalkalpen, in England (Kent) und Kanada. Aber Hornstein kommt weltweit vor und ist daher keine Seltenheit.
Merkmale des Hornsteins
Da Hornstein aus trigonal entstandenem Quarz und amorphem Opal besteht, können sich keine Kristallformen bilden. Die knolligen Aggregate des Hornsteins sind derb bis feinkörnig und zeigen mit einer leicht durchscheinenden bis undurchsichtigen Transparenz meistens den "Kuhhorn" ähnlichen Wachsglanz. Hornstein erscheint in Brauntönen, kann aber auch verschiedenfarbig gebändert sein. Dann reicht seine Farbpalette von hellem Beige, Grau und Braun bis zu Gelb- und Rottönen.
Gemmologische Bestimmungsmerkmale
Mit einer Mohshärte von 6,5 bis 7 und einer Dichte von 2,5 bis 2,7 könnte Hornstein ein recht widerstandsfähiger Schmuckstein sein. Doch seine optische Erscheinung ist scheinbar nicht attraktiv genug. Allein die Steinheilkunde hat in den letzten Jahren auf die Qualitäten des Hornsteins aufmerksam gemacht, sodass er inzwischen als Roh- oder Trommelstein auf dem Markt erhältlich ist.
Die Strichfarbe des Hornsteins ist wie bei Quarz und Opal immer weiß, egal welche Färbung er auch besitzen mag.
Verwechlungen mit Hornstein
Seine teilweise durchscheinende Transparenz unterscheidet Hornstein von dem immer undurchsichtigen Jaspis. Allerdings kann man Achat, Chalcedon und auch den rot-weiß gebänderten "Dr. Liesegang-Stein" (verkieselter Rhyolith) meistens nur durch eine mineralogische Untersuchung von Hornstein unterscheiden.