Ein Gestein mit vielen Gesichtern - Ophicalcit
Das metamorphe Gestein "Ophicalcit" zeigt selten ein einheitliches Erscheinungsbild und eine gleichbleibende Zusammensetzung an Mineralien. Die Hauptbestandteile bestehen meistens aus Calcit und magnesiumhaltigen Silikaten der Serpentin-Gruppe. Je nach Fundort schwanken der jeweilige Mineraliengehalt und die örtlich geologischen Bedingungen der Entstehung, sodass sich die Farbe und Textur entsprechend einzigartig präsentiert.
Ophicalcit als Dekorationsgestein
Carbonathaltige Serpentinit-Brekzien und Marmore mit Serpentin-Gehalt sind am häufigsten als Ophicalcit im dekorativen Innen- und Außenbau im Einsatz. Im Landschaftsbau tauchen sie in Form von Steinplatten für Wege und Naturstein-Mauern auf, aber vor allem an Ophicalcit-Fundorten sind sie ein Teil der örtlichen, architektonischen Gestaltung.
Das Aosta-Tal in Norditalien
In der norditalienischen Region um das Aosta-Tal kann man handwerklich hervorragend gestaltete Hausfassaden und Bruchstein-Mauerwerke aus Ophicalcit bestaunen. Die ganze Region ist bis heute geprägt vom Abbau dieses Gesteins mit seinen regional einzigartigen Texturen. Vor allem Einfamilienhäuser und Chalets sind mit diesen wahrhaft sehenswerten Mauerwerk-Fassaden aus Ophicalcit-Bruchsteinen gestaltet. Die Mischung aus Serpentinit- und Ophicalcit-Mauersteinen lässt dabei attraktive Muster entstehen.
Innenarchitektonische Exklusivität
Die netzartigen Ader-, Streifen- und Bänder-Strukturen mancher Ophicalcit-Gesteine sind teilweise so attraktiv, dass sie in einer hochwertigen Innengestaltung für Boden- und Wandverkleidungen verwendet werden. Aber auch beispielsweise Tisch- und Arbeitsplatten sowie ganze Waschbecken fertigt man aus diesem Gestein.
Skulpturen, Grab- und Denkmäler
Seltener taucht Ophicalcit heute im Bereich der Grab- und Denkmal-Gestaltung auf. Aber Funde von ägyptischen Skulpturen aus Ophicalcit belegen, dass schon vor über 3800 Jahren dieses Gestein für Pharaonen-Darstellungen wertvoll genug war. Deshalb kann man es auch immer wieder in moderne Design-Kreationen und künstlerische Einzelstücke verarbeitet finden.
Wie ist Ophicalcit entstanden?
Durch eine Umwandlung mit Mineralienaustausch entsteht Ophicalcit in einer "Tertiären Bildung", wobei Karbonat-Gesteine wie Kalkstein, Dolomit oder Magnesit die Ausgangsmaterialien bilden. Bei diesen komplizierten Metamorphose-Vorgängen entstehen schließlich Serpentinit-Mineralien, die jedem Ophicalcit sein individuelles Aussehen verleihen. Die dabei zahlreich neu gebildeten Mineralien wie beispielsweise Magnesium-Chlorit, Serpentin, Olivin, Tremolit oder Talk spielen eine große Rolle für das spätere farbliche und strukturelle Erscheinungsbild sowie für spezielle mechanische Eigenschaften des Gesteins. Dementsprechend kann Ophicalcit sowohl im "Trigonalen" als auch "Monoklinen Kristallsystem" auskristallisieren.
Die Entstehung von Ophicalcit im Gebirge
Eine weitere Möglichkeit der Ophicalcit-Entstehung ist tektonischen Ursprungs, wenn sich in Gebirgen bereits vorhandene Bestandteile durch mechanische und hydrothermale Vorgänge vermischen. Serpentinit-Brekzien und Kalkstein ergeben dann beispielsweise ein Gestein mit einzigartiger Textur und Farbe, wie man sie im Aosta-Tal in Norditalien finden kann. Dieser kommt als "grüner Marmor" auf den Markt.
Merkmale und Vorkommen
Ophicalcit kann man wegen seiner vielseitigen Zusammensetzung nicht einwandfrei zuordnen, wobei Karbonat- (insbesondere Calcit), Serpentinit- und Olivin-Mineralien die Hauptbestandteile bilden. Je nach Ausgangsbeschaffenheit entstehen unterschiedliche Färbungen und Muster im Gestein, die sich innerhalb weniger Meter am selben Fundort sehr unterscheiden können.
Die Farben des Ophicalcits
Am bekanntesten ist wahrscheinlich der unter dem Handelsnamen "Grüner Marmor" vertriebene Ophicalcit aus der Aosta-Region in Norditalien und der sogenannte "Connemara" aus Irland. Letzterer spielt in der Steinheilkunde eine Rolle.
Grün-, Braun- und Weißtöne
Bei der Serpentin-Bildung können sowohl Faserserpentine (Chrysotilfasern) als auch Blätterserpentine (Antigorit) entstehen. Diese beiden Serpentin-Arten sind zusammen mit Peridot und Chlorit für die verschiedenen Grüntöne des Ophicalcits verantwortlich. Wenn sich jedoch die möglichen Anteile an Olivin bei der Ophicalcit-Bildung zersetzen, entstehen Eisen-Mineralien, die zu einer braunen Färbung führen. Weiße Farbbereiche werden durch eine Einlagerungen von Talk und durch die verschiedenen Karbonate (allen voran Calcit) verursacht.
Mechanische Eigenschaften
Die rechteckigen Rohblöcke stammen hauptsächlich aus europäischen Steinbrüchen, wo man sie im Tage- oder Untertagebau mit Spezialsägen aus den Felsmassen herausschneidet. Allerdings weisen Ophicalcite oft Haarrisse und größere Klüfte auf, die bei der Bildung durch tektonische Einflüsse im Gebirge entstanden sind. Im Idealfall konnten diese später durch Calcit-Einlagerungen wieder "heilen" und so das Gestein erneut verfestigt werden. Trotzdem bleibt bei einem hohen Anteil an Faserserpentin und Talk die Gefahr bestehen, dass das Gestein bricht. Ein zu hoher Blätterserpentin-Anteil begünstigt außerdem ein leichtes Abplatzen an der Gesteinsoberfläche. Dann lassen sich die Gesteine schlecht bearbeiten (sägen und polieren) und zeigen wolkenförmige Zeichnungen, Adergeflechte, Streifen und Bänder.
Namengebende Optik
Die oben erwähnten Musterungen und Strukturen sind unter anderem der Grund für die Entstehung der eingebürgerten Bezeichnung "Ophicalcit". Sie ist eine griechisch-lateinische Zusammenführung zweier Begriffe. Dabei bezieht sich das griechische "ophítes" für "schlangenförmig" auf die Linien- und Streifenmusterung und das lateinische "Calx" für "Kalk" auf den Hauptbestandteil des Gesteins (Calcit). Aber auch bei den farbgebenden Bestandteilen aus der Serpentin-Gruppe lässt das lateinische "serpens" für "Schlange" Rückschlüsse auf die schlangenähnliche Musterung der Ophicalcit-Gesteine zu.