Leopardenjaspis - Jaspis oder Rhyolith?
Auf dem Markt herrscht beim Thema "bunt gemusterte Steine" oft keine Klarheit. Der Fachhandel weiss, dass so mancher Jaspis im Umlauf ist, der in Wirklichkeit kein echter Jaspis ist. So ist braun gesprenkelter Rhyolith als Leopardenfell-Jaspis auf dem Markt vertreten, da Unkundige das Mineral "Jaspis" dem Namen nach eher kennen.
Da Jaspis aktuell als "bunter, undurchsichtiger Quarz" definiert wird, fallen optisch betrachtet sehr viele Minerale mit diesen Kennzeichen in die Jaspis-Schublade. Diese Vorgehensweise schafft im Bereich unbekannter Minerale einen großen Spielraum. Ist also ein Stein bunt und undurchsichtig, ist der erste Gedanke "Jaspis".
Brauner und fossiler Jaspis
Diese braune Jaspis-Varietät kann verschiedene Brauntöne und Flecken zeigen. Dabei können einzelne Exemplare sicherlich auch an das Fell eines Leoparden erinnern. Einfarbig brauner Jaspis heißt "Nilkiesel" oder "Eisenjaspis", aber auch sogenannter "Bilder-, Schlangen-, Schrift- und Zebrajaspis zählen zum braunen Jaspis.
Selbst der graubraun gefleckte Fossiljaspis oder Turitella-Jaspis, der aus verkieseltem, graubraunem Tongestein und versteinerten fossilen Schneckenhäusern besteht, kann bei Unkundigen den Eindruck eines Leopardenfells hervorrufen. Allerdings kann man meistens die fossilen Reste deutlich erkennen, sodass hier eher irreführende Bezeichnungen wie Fossil- oder Schnecken-Achat auftauchen.
(Siehe die Heilstein-Seite "Jaspis")
Rhyolith als Leopardenjaspis
Das vulkanische Gestein "Rhyolith" besteht vorwiegend aus trigonalem Quarz, monoklinem und triklinem Feldspat sowie monokliner Hornblende. Dabei prägt die Zusammensetzung des Magmas und der folgende Verlauf der Abkühlungsprozesse das spätere Erscheinungsbild. So kann das heterogene Gestein schließlich beispielsweise gelblich braune und dunklere Flecken in einer hellbraunen Matrix zeigen, die einem Leopardenfell ähnlich sehen. Eine logische Bezeichnung wäre deshalb eher "Leopardenfell-Rhyolith", um das wahre Gestein zu kennzeichnen. Unter anderem können aber auch während der Abkühlung der Schmelze kleine bläulich transparente, blasenartige Bereiche in einer undurchsichtigen, grünen Matrix entstehen, deren verfestigte Gesteine ebenfalls irreführend als "Regenwald-Jaspis" auf dem Markt auftauchen. Man sieht, auch hier ist kein Jaspis in Sicht.
Rhyolith-Vorkommen
Obwohl Rhyolith weltweit vorkommt und somit keine Seltenheit ist, dominieren doch die Fundorte in Mexiko den Markt für Leopardenjaspis. Dort findet man besonders attraktive Exemplare der gesprenkelten Varietät. Der oben erwähnte Regenwald-Jaspis stammt dagegen hauptsächlich aus Queensland in Australien.
Erscheinungsbild und Kristallsystem
Leopardenjaspis zeigt oft in einer beigefarbene Matrix glasige, gelblich braune bis graue Einschlüsse, die teilweise graue bis schwarze Umrandungen besitzen. Da der Mensch bildhafte Bezeichnungen liebt, hat sich in Anlehnung an das Raubkatzenfell schließlich der Handelsnamen "Leopardenjaspis" oder "Leopardenfell-Jaspis" etabliert, auch wenn es sich wie erwähnt nicht um Jaspis handelt.
Monokline, trikline und trigonale Bestandteile
Als Mischgestein aus verschiedenen monoklinen und triklinen Feldspaten, monokliner Hornblende und trigonalem Quarz ist die Bestimmung des Kristallsystems hier nicht eindeutig.
Überwiegend besteht Leopardenjaspis aus den Silikaten "Feldspat" (Gerüst-Silikat) und "Hornblende" (Ketten-Silikat) sowie dem Oxid "Quarz". Mögliche Quarze, die in Rhyolith vorkommen, sind Achat, Chalcedon, Kristallquarz oder Karneol. Durch rasche Abkühlung der Schmelze entstehen teilweise verschieden große, glasige Einschlüsse. Der vorhandene Eisengehalt ist farbgebend und färbt als Eisenoxid das Gestein in braune, rötliche und gelbe Töne.
Merkmale und Verwechslungen
Da Leopardenjaspis in seiner mineralogischen Zusammensetzung selten genau identisch ist, können auch die Bestimmungsmerkmale sehr variieren. Zusätzlich besitzen auch die anderen Rhyolith-Varietäten eigene, leicht abweichende Merkmale, sodass das Spektrum für eine Bestimmung hier größer ist, als bei anderen Gesteinen.
Die Mohshärte des Rhyoliths "Leopardenjaspis"
Die allgemeine Mohshärte für Rhyolith zeigt eine große Spanne von 5,5 bis 7, was den möglichen, unterschiedlichen Zusammensetzungen geschuldet ist. Während Feldspat eine Härte von 6 bis 6,5 vorweist, können Hornblende und Quarz eine Härte von bis zu 7 erreichen. Außerdem wirken sich auch Verwitterungsprozesse mit der Zeit auf die Gesteine aus. So kann die Härtebestimmung vor allem an frischen, unebenen, körnigen Bruchstellen sehr unterschiedlich ausfallen. Außerdem lässt sich Leopardenjaspis wie alle Rhyolith-Varietäten nicht spalten.
Dichte, Strichfarbe und Transparenz
Während sich die Dichte des Rhyoliths bei 2,7 bis 2,9 einpendelt (Quarz und Feldspat um die 2,6 / Hornblende bis etwa 3,2), zeigt sich die Strichfarbe nicht als eindeutiges Bestimmungsmerkmal. Mit den Möglichkeiten Weiß, Grau oder Bräunlich, verweist sie wiederum auf die einzelnen Bestandteile, die je nach Gestein variieren. Allerdings haben Feldspat, Hornblende und Quarz immer einen weißen Strich, sodass andere Verunreinigungen (z.B. hoher Eisenoxid-Anteil) für die graue bis bräunliche Strichfarbe verantwortlich sind.
Wie alle Rhyolith-Varietäten zeigt auch Leopardenjaspis eine undurchsichtige Transparenz, allerdings treten auch kleine, leicht durchscheinende Bereiche auf. Als feinkörniges, oft auch poröses Gestein erscheint Rhyolith in rohem Zustand matt, erreicht aber als Dekorations- oder Trommelstein einen attraktiven Glas- oder Seidenglanz.