Bei Realgar ist Vorsicht geboten!
Realgar ist sehr giftig, da er Arsen enthält. Deshalb ist er auch nicht für die Herstellung von Heilstein-Wasser oder Elixieren geeignet. Aufgrund seiner leuchtend roten bis orangeroten Farbe und seinem attraktiven Diamant- bis Fettglanz besitzt dieses Mineral eine große Anziehungskraft vor allem auf Kinder. Doch dieser Stein hat in den Händen von Laien und ganz besonders von Kindern nichts verloren! Da der Stein auf Edelstein-Messen immer wieder angeboten wird, sind hier zu allererst möglichst viele Synonyme aufgeführt, damit eine klare Zuordnung möglich ist.
Synonyme des Realgars
Einige Bezeichnungen weisen schon im Namen auf die giftige Zusammensetzung dieses arsenhaltigen Sulfids hin. Somit sind "Roter Arsenik" (lat. Arsenicum rubrum), "Rote Arsenblende", "Rotes Schwefelarsen" und auch "Arsenik-Rubin" deutlich mit ihrem giftigen Bestandteil gekennzeichnet.
Andere Synonyme wie beispielsweise "Roter Berg- oder Goldschwefel" sowie Rauschgelb oder Rauschrot für Realgar in Pulverform sind für Unkundige hingegen schwerer einzuschätzen. Aber auch Bezeichnungen wie Rothoperment, Rubinschwefel, roter Schwefel, Sandarach, Sandarak, Sandrachat und unreifes Rotgüldenerz wirken zuerst einmal eher harmlos. Deshalb sollte man immer vor dem Erwerb eines unbekannten, leuchtend rot-orangefarbenen Minerals mit attraktivem Diamant- bis Fettglanz nach warnenden Hinweisen suchen und gegebenenfalls deutlich beim Anbieter nachfragen.
Die Lagerung von Realgar
Dieses feuerrote Sulfid sollte man unbedingt im Dunkeln aufbewahren, da es im Sonnenlicht seine Farbe verliert und schließlich zu gelbem Pulver zerfällt. Wegen dieser deutlichen chemischen und physikalischen Unbeständigkeit, aber nicht zuletzt natürlich wegen seiner nicht gefahrlosen Handhabung ist Realgar selten ein Heilstein der ersten Wahl. Meistens bieten sich umgänglichere Minerale für eine therapeutische Behandlung an, die ähnlich gut oder sogar besser wirken.
Traditionelle Verwendung
Früher diente das feine Pulver des Realgars (Rauschrot oder Rauschgelb) hauptsächlich als Farbpigment, bevor man schließlich seine giftige Eigenschaft erkannte. Rote Arsensulfide sind nämlich chemisch gesehen sehr rein und weist neben Arsen nur selten weitere Spurenelemente auf.
Die Bezeichnung "Realgar" ist höchstwahrscheinlich von dem arabischen Begriff "rahg al-zâr" für "Grubenstaub" oder "Höhlenpulver" abgeleitet, da er in unterirdischen Minen abgebaut wurde. Allerdings ist auch das arabische "rahg al-fâr" für "Rattenpulver" eine Herkunftsmöglichkeit des Namens. Diese Version weist auf die Verwendung als tödliches Gift gegen die anpassungsfähigen Nagetiere (Ratten und Mäuse) hin, die nicht erst seit dem Mittelalter menschliche Vorräte dezimierten und bekanntlich auch Krankheiten übertragenden konnten.
Realgar-Entstehung
Realgar kann seltener primär in Erzgängen oder vulkanisch heißen Gewässern aus hydrothermalen Lösungen entstehen. Allerdings bildet er sich weitaus häufiger sekundär, wenn arsenhaltige Erze und Minerale (z. B. Arsenopyrit) verwittern. Auch bei der Sedimentation von Ton und Mergel kann rotes Arsensulfid entstehen.
Wichtige Begleitmineralien sind dabei das arsenhaltige, gelbe Auripigment, Zinnober (Cinnabarit) und Antimonit (Stibnit). Aber auch das Oxid "Arsenolith", das Calciumcarbonat "Calcit" und das Barium-Sulfat "Baryt" kommen in Paragenese mit Realgar vor.
Fast weltweite Vorkommen
Vor allem China hat besonders schöne Realgar-Stufen und Solitär-Kristalle zu bieten, die teilweise eine Länge von bis zu 12 Zentimetern erreichen können. Aber auch europäische Länder können seltene Realgar-Funde vorweisen. Dazu gehören u. a. Österreich, Deutschland, Frankreich, Spanien, Tschechien, Bulgarien und Rumänien. Kristalle von bis zu 8 Zentimetern Länge stammen beispielsweise aus der Schweiz.
Weitere Funde kommen unter anderem aus Amerika (z. B. Argentinien, Mexiko, Chile, Peru, USA, Kanada), aus Asien (z. B. Japan, Indonesien) oder Australien.
Das Monokline Kristallsystem
Auch wenn das rote Arsensulfid erstmals im Jahre 1747 fachlich beschrieben wurde, so kann man Realgar keine Typlokalität zuordnen. Denn die kleinen, leuchtend roten Kristalle und derben bis feinkörnigen Aggregate waren nachweislich schon in der Antike bekannt.
Erscheinungsformen des Realgars
Der monoklin kristallisierende Realgar bildet meistens kleine Kristalle, die an den Flächen der Prismen längs gestreift sind. Man findet sie als Solitär oder auf Drusen festgewachsen. Seine Mineral-Aggregate sind oft derb, können aber auch feinkörnig sein. Häufig sind außerdem krustige Überzüge auf den lokaltypischen Gesteinen. Bröselige Verwitterungsrückstände sind hingegen zerfallene Reste, die in gelber und roter Pulverform bereits in der Antike zur Herstellung von Farbpigmenten dienten.
Realgar-Bestimmungsmerkmale
Gemäß seiner physikalischen Unbeständigkeit, besitzt Realgar eine sehr geringe Mohshärte von nur 1,5 bis 2 und eine Dichte von 3,4 bis 3,6. Er besitzt eine gute Spaltbarkeit und hinterlässt eine muschelige Bruchstelle. Entsprechend seiner leuchtend orangeroten bis rubinroten Erscheinungsfarbe, ist seine Strichfarbe ebenfalls orange. Realgar zeigt im frischen Zustand eine durchsichtige bis durchscheinende Transparenz und auffallenden Diamant- bis Fettglanz.
Optische Verwechslungen
Vergleichbare rote Minerale wie beispielsweise Krokoit (Härte 2,5 bis 3 / Dichte 5,9 bis 6,1) oder Proustit (Härte 2,5 / Dichte 5,57 bis 5,64 / zinnoberroter Strich) lassen sich über die Mohshärte und Dichte klar unterscheiden. Das optisch sehr ähnliche Quecksilber-Sulfid Zinnober (Cinnabarit) besitzt gegenüber Realgar sogar eine mehr als doppelt so hohe Dichte (8,1) und ist somit deutlich schwerer. Auch die typische rote Strichfarbe des Zinnobers unterscheidet sich vom orangefarbenen Strich des Realgars. Der Vergleich mit dem beliebten Edelstein "Rubin" (Mohshärte 9) ist aufgrund der geringen Härte des Realgars wahrhaft nicht lange zu halten.
Traditionelle Verwendung
Da sich die orangerote Farbe aus Realgar-Pigmenten nicht mischen lässt und einen wahrlich "leuchtenden Eindruck" hinterlässt, kam sie schon in der Antike zum Einsatz. Als Farbpigment konnte man Realgar ebenfalls in mittelalterlichen Tafel- und Buchmalereien sowie in der zeitgenössischen Glasherstellung nachweisen.
Realgar in der Renaissance
Namhafte Künstler der Renaissance verwendeten in ihren Gemälden ebenfalls, nach mittelalterlicher Tradition, Realgar als "Farbgeber". Dazu gehören beispielsweise Werke des Hauptvertreters der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Sein Name "Tizian" ist eng mit der italienischen Hochrenaissance verbunden und hat einen ganz bestimmten goldroten Farbton weltberühmt gemacht. Für die Darstellung von menschlichen Haaren in seinen Gemälden und Frauen-Porträts wählte er oft das später nach ihm benannte "Tizianrot".
Die heiligen Statuen im Taoismus
Dass Realgar auch heilende Fähigkeiten besitzen kann, beweisen Untersuchungen an taoistischen Statuen, an denen man das rote Arsensulfid entdeckt hat. Beim Kontakt der Gläubigen mit den Heiligtümern reichte die Arsenmenge aus, um Parasiten am menschlichen Körper abzutöten, ohne jedoch den Organismus ernsthaft zu vergiften. So glaubte man an die heilende Kraft der jeweiligen göttlichen Statue, die jedoch auf ihren geringen Arsengehalt zurückzuführen ist.
Heutige Verwendung nur mit Vorsichtsmaßnahmen
Als Farbpigment darf Realgar nur in ganz besonderen Ausnahmefällen unter vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen (Handschuhe, Mund- und Augenschutz) noch verwendet werden. Beispielsweise im Rahmen von aufwendigen Restaurierungen alter, wertvoller Kunstwerke, ist das giftige Pigment noch zugelassen, damit man den entsprechenden, ursprünglichen Farbeindruck wieder herstellen kann.
Lückenhafte Gesetzgebung
Leider ist die Verwendung des roten Arsensulfids in Produkten der pyrotechnischen Industrie und auch bei der Herstellung von Pestiziden immer noch nicht gänzlich verboten, obwohl Arsen in jeder Hinsicht als giftig eingestuft wird. "Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung", so lautet die allgemeine Warnung.
Da das Zerfallprodukt des Realgars an der Luft u. a. "Arsenik" ist, das wiederum durch seine gute Löslichkeit um einiges giftiger ist, als Arsen selbst, ist scheinbar die fachliche Einschätzung eher schwierig. Das bedeutet, dass der Grad der Giftigkeit zwischen giftig und sehr giftig variiert.
Fakt bleibt jedoch, dass schon weniger als 0,1 Gramm oral eingenommenes Arsen tödlich sein kann. Aber auch das Einatmen und regelmäßiger Hautkontakt hinterlassen ihre Spuren.
Die Anziehungskraft des Realgars
Laut "Dr. Sofia Sienko" (Der Steinschlüssel) soll Realgar das Ausleben sexueller Wünsche fördern und die Leistungsfähigkeit bei Schwächezuständen steigern. Außerdem soll dieser Heilstein auf den ganzen Organismus erwärmend und aufbauend wirken.
Sinnliche Rauschzustände
Das Grundthema des Realgars scheint in der Sexualität und den daran gekoppelten, körperlichen Funktionen zu liegen. Sexuelle Probleme wie beispielsweise Impotenz und Frigidität, gepaart mit fehlender Lebensfreude sind die Bereiche, in denen Realgar zum Einsatz kommt. Einige behaupten, dass dieser Heilstein alle Hemmungen sowie schamhafte und moralische Bedenken schwinden lässt, um rauschhafte Sinnesfreuden und erotische Genüsse erleben zu können. Wahrhaft ein verführerisches Versprechen!
Ebenfalls soll Realgar angeblich bei Nymphomanie, Kinderlosigkeit, hormonellen Störungen, Problemen mit den Eierstöcken, Immunschwäche, Verdauungsstörungen und noch einigem mehr helfen.
Jedoch bei aller "rauschvollen Vorfreude" sollte man schlussendlich nicht vergessen, dass man für die Anwendung des Realgars unbedingt fachkundigen Rat benötigt.