Traditionelle Vorkommen
Amethyste wurden schon früh europaweit gewerbsmäßig abgebaut, wobei die Minen in Deutschland bezüglich der Qualität lange Zeit fast konkurrenzlos waren. Denn auch die farbintensiven, tiefvioletten Amethyste vor allem aus dem Ural Russlands hatten einst eine historische Bedeutung bis das dortige Vorkommen erschöpft war.
Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte man in Südamerika große Amethyst-Vorkommen, sodass massenhafte Importe aus Brasilien den Markt überschwemmten und somit die europäischen Vorkommen an Bedeutung verloren.
Das Edelsteinzentrum Idar-Oberstein
Obwohl im Jahre 1374 (Hochmittelalter) der Amethyst-Abbau am Steinkaulenberg in der Nähe der deutschen Stadt Idar-Oberstein erstmals erwähnt wird, kann man davon ausgehen, dass die frühesten Funde noch viel weiter zurückreichen. Zuerst baute man Amethyst und Achat noch im Tagebau in sogenannten Kaulen ab, doch die Nachfrage war so groß, dass man schließlich unterirdische Minen bewirtschaftete. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte entwickelte sich die ganze Region um Idar-Oberstein zu einer wahren Edelstein-Metropole, die vor allem für einzigartige blau-violette Amethyste und verschiedene Achatfunde bekannt war. Bis ins 19. Jahrhundert befand sich hier einer der wichtigsten Fundorte für Amethyste in hoher Qualität, doch dann drängten Amethyst-Funde aus Brasilien mit intensiverer Farbe auf den Markt. Durch den 500 Jahre langen, exzessiven Mineralien-Abbau waren die deutschen Minen schließlich erschöpft, sodass man im Jahre 1875 offiziell den gewerbsmäßigen Abbau einstellte.
Schaumine Steinkaulenberg
Die wichtigsten Edelsteinminen in Idar-Oberstein lagen am Steinkaulenberg, wobei nach ihrer Schließung für gewerbsmäßigen Abbau seit dem Jahre 1964 ein Schaustollen für touristische Besichtigungen wieder geöffnet ist. Heute darf man dort nichts mehr abbauen, denn das alte Bergwerk mit all seinen noch verbliebenen Schätzen soll für die Nachwelt erhalten bleiben. Hier kann man nicht nur den beeindruckenden violetten Amethyst, sondern auch Bergkristalle und Achate am ursprünglichen Entstehungsort bestaunen.
Edelsteincamp Steinkaulenberg
Nach der Besichtigung des Stollens stößt man unmittelbar danach auf das “interaktive” Edelsteincamp, wo man selbst auf die Suche nach Edelsteinen gehen kann. Geschürfte Exemplare darf man in der Regel auch behalten, sodass sich ein Besuch des Schaustollens gleich doppelt lohnt.
Zufällige Amethyst-Funde in Österreich
Das größte Amethyst-Vorkommen in Europa wurde allerdings erst im Jahre 1845 in Niederösterreich bei Bauarbeiten in der Stadtgemeinde Maissau entdeckt. Die etwa 400 Meter lange Amethyst-Schicht wurde jedoch nie industriell erschlossen, stattdessen errichtete man auf ihr einen Themenpark, der bis heute eine weltweit einzigartige Attraktion darstellt.
Die Amethystwelt in Maissau
In mehreren Bauabschnitten verwirklichte man das groß angelegte Konzept des Maissauer Themenparks. Im Jahre 2004 waren die Bauarbeiten zur Erstellung des Schaustollens und Amethyst-Parks abgeschlossen, sodass im Februar 2005 die feierliche Eröffnung stattfinden konnte. Seither ist die Amethystwelt Maissau (Maissauer Amethyst GmbH) in Niederösterreich für Besichtigungen freigegeben und eine touristische Attraktion, die ihresgleichen sucht.
- Das Highlight ist natürlich der 40 Meter lange Schaustollen in 12 Metern Tiefe, der durch die weltweit größte je freigelegte Ader aus seltenem Bänderamethyst beeindrucken kann.
- Eine weitere Attraktion ist vor allem für große und kleine Hobby-Mineraliensammler das ausgewiesene Schatzgräber-Feld, wo man selbst nach dem violetten Quarz auf die Suche gehen darf.
- Im Edelsteinhaus kann man in einer Dauerausstellung eine Vielzahl von verschiedenen seltenen Mineralien, Schmuck- und Edelsteinen bestaunen. Aber auch themenbezogene Sonderausstellungen sollen Interessierte immer wieder nach Maissau locken.
- Ein ganz besonderer Kraftplatz des Amethyst-Parks ist der wunderschön gestaltete Garten, der nach den Besichtigungen und anstrengenden Schürfarbeiten zum Entspannen und Kraft schöpfen einlädt.
- Weitere Attraktionen sind eine Goldwaschanlage, ein Tier-Erlebniswald und ein Chakren-Kugelbahn-Weg…
Man sieht, ein Besuch in der Amethystwelt Maissau lohnt sich!
Heutige Amethyst-Vorkommen
Bis heute beherrscht Brasilien zusammen mit Uruguay und Sambia den Amethyst-Markt. Doch ein kleines Vorkommen in Finnland macht durch einzigartige Schmuck-Kreationen auf sich aufmerksam.
Finnischer Amethyst
Auch wenn das Vorkommen im weltweiten Vergleich recht überschaubar ist, so sind die Amethyste des einzigen Abbaugebiets Finnlands (Berg Lapivaara / Lappland) eine absolute Besonderheit auf dem Markt. Die Steine erreichen ein tiefes Violett, das an den berühmten “Sibirischen Amethyst” erinnert, doch seine teilweise Dreifarbigkeit macht ihn unter Liebhabern zum “Schamanenstein”.
Man findet die finnischen Amethyste in Quarzadern und Klüften des umgebenden Grundgesteins, ganz im Gegensatz zu den großen Amethyst-Geoden (Drusen) aus Südamerika, die in riesigen Vulkan-Gasblasen gewachsen sind.
Umweltschonender Abbau
Das Bergwerk im Pyhä-Luosto-Nationalpark in Nordfinnland ist die einzige aktive Amethystmine Europas, die durch besonders schonende Abbaumethoden hervorsticht. Hier kommen keine schweren Maschinen zum Einsatz und der Abbau der streng überwachten Amethyst-Reserven ist limitiert. Dafür ist die Mine ganzjährig für Besucher aus aller Welt geöffnet, sodass Touristen jederzeit geführte Touren über das Lampivaara Amethyst Mine Besucherportal buchen können.
Einzigartige Amethyst-Schmuckkreationen
Wer einen Aufenthalt in Finnland plant und diesen violetten Schmuckstein liebt, sollte sich unbedingt den handgefertigten Amethyst-Schmuck vor Ort anschauen und sich vielleicht sogar ein Schmuckstück gönnen. Ansonsten kann man die Schmuckkreationen aus Lappland auch im Internet bestellen. Üblicherweise schleift man finnische Amethyste in passende Cabochon-Formen (Glattschliff), um sie danach mit dem charakteristischen finnischen Vintageschmuck (Nordform oder Modernist-Design) aus Silber (830er oder 925er Sterlingsilber) oder Messing bzw. Bronze zu kombinieren.
(Juwelo)
Amethyst aus Brasilien und Uruguay
Der weltweit größte Lieferant für Amethyst in Edelstein-Qualität ist unbestritten Brasilien, denn dort sind viele sehr große Amethyst-Geoden im vulkanischen Gestein entstanden. Doch auch Uruguay kann vor allem mit tief violetten bis fast schwarzen Exemplaren und Kristallen mit einer besonderen Leuchtkraft punkten, wobei auch hier beeindruckende Größen an Amethyst-Geoden vorkommen können. Weltweit gibt es grundsätzlich nur wenige Exemplare, die ein Gewicht von über 10 Tonnen erreichen und außerdem für Besichtigungen öffentlich zugänglich sind. Diesbezüglich stammen die meisten Amethyst-Giganten aus Uruguay.
Die Kaiserin von Uruguay
Mit einer Länge bzw. Höhe von 3,27 Metern und einem Gewicht von etwa 2,5 Tonnen ist The Empress of Uruguay eine der größten Amethyst-Druse des Landes und eine der weltweit größten jemals gefundenen Drusen der Welt. Sie wurde 2007 im Norden des Landes (Departamento Artigas) entdeckt und der Länge nach geöffnet, wobei unzählige Amethyst-Kristalle durchbrochen von einigen kleineren Calcit-Kristall-Inseln zum Vorschein kamen. Allein die Bergung des Naturwunders aus dem umgebenden harten Basaltgestein dauerte fast drei Monate. Inzwischen befindet sich die riesige Schönheit außer Landes und kann auf dem Kontinent Australien im “Crystal Caves Museum” in Atherton (Queensland) bewundert werden. Zur Zeit liegt der geschätzte Wert für die Kaiserin von Uruguay bei über 175.000 Euro.
Die Verzauberte Höhle
Eine weitere riesige Amethyst-Geode aus Uruguay ist ebenfalls weltberühmt. The Enchanted Cave hat eine Breite von 5,5 Metern und ein Gewicht von 20 Tonnen, weshalb sie der Gigant unter den Amethyst-Drusen ist. Ihre “Höhlenwände” sind mit über einer Million kleinen Amethyst-Kristallen ausgekleidet, die verschiedene Violett-Töne zeigen (von hellem Lavendel bis Blau-Violett). Die größte jemals gefundene Amethyst-Grotte der Welt befindet sich heute ebenfalls in Australien und ist dauerhaft in der Nähe der Stadt Byron Bay (Crystal Castle) ausgestellt. Doch jeder kann sie auch im Internet bestaunen, wer nicht mal schnell nach Australien reisen kann.
Die “Amethyst-Kathedrale” Eywa
Obwohl auch diese riesige Amethyst-Geode aus Uruguay stammt, ist der Weg für eine Besichtigung hier nicht ganz so weit. Man muss nicht das Land oder gar den Kontinent verlassen, um die Amethyst-Schönheit mit einer Höhe von 4,10 Metern und einem Gewicht von 5,5 Tonnen zu bewundern. Zur Zeit kann man die großformatige Amethyst-Kathedrale Eywa im deutschen Burgwedel (Raum Hannover) in der Amethyst-Welt besichtigen.
Eine weitere imposante Amethyst-Kathedrale mit einer Höhe von 4 Metern steht im Mineralien- und Fossilienmuseum “Welt der Kristalle” von Dietingen bei Rottweil (Baden-Württemberg). Diese Naturschönheit stammt aus dem Süden Brasiliens.
Amethystdrusen-Rekorde
Aus Uruguay stammen die meisten rekordverdächtigen Amethyst-Drusen der Welt, die gigantische Ausmaße erreichen. Tatsächlich schaffte es ein Fund mit einer Höhe von 3 Metern und einem Gewicht von 13 Tonnen im Jahre 2008 ins Buch der Rekorde. Die große Naturschönheit kann heute im Naturkundemuseum Shandong-Tianyu in China besichtigt werden.
“One of the World’s Largest Amethyst” lautet die Bezeichnung eines Amethystdrusen-Giganten, der im Jahre 2020 ebenfalls in Uruguay entdeckt wurde. Schon der Name weist auf die Möglichkeit hin, dass zukünftig noch wesentlich größere Exemplare dazu kommen können. Die Druse ist 5 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 2,3 Metern und wiegt 14 Tonnen.
Amethyst aus Sambia
Auch der Kontinent Afrika hat in einigen Ländern Amethyst-Vorkommen zu bieten, wobei Sambia durch sehr dunkle, fast tintig violette Kristalle besonders hervortritt (Deep Amethyst). Häufig durchziehen zusätzlich zarte weiße Linien oder Bänder (Chevron-Amethyst) oder milchig trübe Schlieren bzw. Wolkengebilde (Amethyst mit Cloudy-Optik) die violette Pracht.
Weitere nennenswerte afrikanische Amethyst-Vorkommen liegen in Namibia, Marokko und Madagaskar.
Asiatische Amethyst-Vorkommen
Im Vergleich zu den riesigen Lagerstätten Südamerikas und Afrikas, die sehr kommerzialisiert sind, kann Asien nur geringe Amethyst-Mengen liefern. Doch hier zählt nicht die Quantität, sondern die Qualität der Amethyst-Funde.
- Vor allem Südkorea besticht durch einzigartige Kristallformen (z. B. v-förmige Kristallbildungen) und eine besonders hohe Reinheit.
- Historisch bedeutend sind die Schmuckstein-Abbaugebiete auf der Insel Sri Lanka. Hier findet man bis heute in sekundären Lagerstätten (Edelsteinseifen) Amethyste in hellen bis mittleren Violett-Tönen mit bester Transparenz
- Aus der Mitte und dem Westen Indiens stammen große Geoden, in denen sich besonders massive, feste Amethyst-Kristalle entwickeln konnten. Mit ihren hellen Violett-Tönen und der guten Widerstandsfähigkeit eignen sie sich bestens als Schmuckstein für die Schmuckherstellung.
- Fast nur noch historisch von Bedeutung ist der legendäre tief violette Sibirische Amethyst, denn die Vorkommen in Russland (Ural, Sibirien) sind schon lange so gut wie erschöpft.

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