Pietersit für die Stürme des Lebens
Das Trümmergestein aus Falken- und Tigerauge wurde erstmals im Jahre 1962 im Südwesten Afrikas, dem heutigen Namibia, entdeckt. Der nach dem Finder und Händler "Sidney Pieters" benannte Schmuck- und Heilstein war drei Jahrzehnte eine Besonderheit der Typlokalität "Hopewell Farm". Erst im Jahre 1993 entdeckte man ähnliche Brekzien auch in China im Süden der Provinz "Henan".
Namensverwechslung schon vorprogrammiert!
Die Bezeichnung "Pietersit" ist eigentlich nur ein Handelsnamen, der mineralogisch gesehen nicht wirklich korrekt ist. Hier gelten nämlich die Begriffe "Falkenauge-" oder "Tigerauge-Brekzie", die auf ihre mineralogische Zusammensetzung und Entstehung hinweisen. Außerdem bergen sie auch nicht das Risiko einer Verwechslung mit dem Phosphat-Mineral "Petersit" aus der Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate. Der eher unkundige Handel vergisst schon einmal das kleine "i" und bietet Pietersit selbstsicher als "Petersit" an. Doch der Unterschied ist keineswegs klein.
Pietersit und Petersit
Der gelbgrünliche Petersit kristallisiert im "Hexagonalen Kristallsystem", besitzt eine Dichte von 3,41 und Mohshärte von gerade mal 3,5. Seine Strichfarbe ist weiß.
Das sind fünf Unterscheidungsmerkmale gegenüber dem sogenannten "Pietersit", der ein verschiedenfarbig geflecktes Farbenspiel zeigt und im "Trigonalen Kristallsystem" auskristallisiert. Seine Dichte liegt bei 2,64 bis 2,71 und die hohe Mohshärte von 7 macht diese derbe Brekzie aus der Quarz-Gruppe zu einem attraktiven Schmuckstein. Aufgrund seines Wirkungsspektrums hat sich Pietersit außerdem in der Steinheilkunde als Heilstein schnell etabliert.
Die Strichfarbe der Falkenauge- oder Tigerauge-Brekzie ist nicht weiß, wie man bei Quarz eigentlich erwarten könnte, sondern gelblich braun (gemäß einem Tigerauge) und grau bis blauschwarz (gemäß einem Falkenauge).
Weitere Bestimmungsmerkmale der Brekzie "Pietersit"
Als Quarz-Varietät aus der Mineralklasse der Oxide zeigt Pietersit keine Spaltbarkeit und seine Bruchstellen sind uneben, aber auch faserig. Letzteres entspricht dem typischen Bruch eines Falken- bzw. Tigerauges. Aufgrund seiner Zusammensetzung und Entstehung ist die Transparenz des Pietersits immer undurchsichtig.
Mögliche Verwechslungen
Oberflächlich betrachtet kann man Pietersit mit "Falkenauge-Tigerauge" verwechseln, das in Spaltenfüllungen entstanden ist, aber niemals nachträglich zertrümmert wurde. Hier konnte sich das blauschwarz bis blaugrün schillernde Falkenauge durch verwitternde Oxidation teilweise in ein goldgelb bis braun schillerndes Tigerauge verwandeln. Allerdings können selbst Unkundige den optischen Unterschied der eher geordnet "gestreiften", faserigen Aggregate im Vergleich zu den bruchstückhaft zusammengesetzten, schillernden Brekzien erkennen.
Des weiteren kann man Pietersit mit dem Gestein "Tigereisen" verwechseln, wenn dieses einen hohen Tigeraugen-Anteil aufweist. Aber auch hier sprechen die verschieden dicken, parallel laufenden Lagen der Minerale "Hämatit", "Jaspis" und "Tigerauge", aus denen Tigereisen besteht, gegen das "zertrümmerte" Erscheinungsbild eines Pietersits. Außerdem enthält Tigereisen niemals Falkenauge-Anteile. Auch hier reicht ein einfacher optischer Vergleich zur Unterscheidung normalerweise aus.
Wie ist Pietersit entstanden?
Das Erdreich ist ständig in Bewegung, auch wenn es meistens sehr statisch erscheint. Doch über große erdgeschichtliche Zeiträume hinweg gab und gibt es immer, oft kaum spürbare, tektonische Verschiebungen sowie durch Faltungen von Landmassen wachsende Gebirge und durch erodierende Kräfte erneut zerfallendes Gestein. In diesem stetigen Wandel konnte Pietersit aus den Mineralfüllungen in den Spalten größerer Gesteinsmassen entstehen, die durch Druck und Erdbewegungen zertrümmert worden waren.
Falkenauge als Basis
Falkenauge entsteht in einer "Primären Bildung" durch die Verkieselung von "Krokydolith-Fasern". Zuvor musste sich jedoch das eisenhaltige Asbest-Mineral "Krokydolith" als Spaltenfüllung in den parallelen Schichten von Eisenerz-Lagerstätten bilden. Das darauffolgende Eindringen von hydrothermaler Kieselsäure-Lösung bettete die vorhandenen Krokydolith-Fasern schließlich fest in das entstehende Quarz-Gefüge ein, sodass nur mikrokristalline, faserige Aggregat-Massen verbleiben.
Falken- und Tigerauge im Entstehungsfluss
Da sich Falkenauge durch Oxidation mit der Zeit langsam in Tigerauge umwandelt, entstehen fließende Übergänge von Aggregaten mit prozentual unterschiedlicher Zusammensetzung. So zeigen sich Falken- und Tigerauge oft dicht ineinander verwoben.
Irdische Trümmeraktion
Der nächste Schritt zur Entstehung eines Pietersits geht über die Zertrümmerung der vorhandenen Falkenauge-Tigerauge-Spaltenfüllung. Durch druckerzeugende Erdreich-Verschiebungen sowie Auf- und Absenkungen wird die homogene Quarzmasse schließlich auseinander gerissen und in einzelne Stücke zerkleinert, sodass kantig gebrochene Einzelteile übrig bleiben. Diese sind charakteristisch für eine spätere Brekzie.
Kieselsäure-Kitt
Wenn nun diese willkürlich angeordneten Bruchstücke aus Falken- und Tigerauge erneut von eindringender Kieselsäure-Lösung überflutet werden, entsteht durch die langsame Erstarrung des umschließenden Kieselsäure-Gels ein neuer, derber Quarz.
Die Quarz-Varietät "Falkenauge-Tigerauge-Brekzie" zeigt eckige Trümmerstücke, die fest durch Quarz mit einander verbunden sind. Je nach Mineral-Verteilung der vorhandenen, ehemaligen Bruchstücke, entstehen dabei unterschiedliche Muster aus bläulich schwarz (Falkenauge) und goldgelb bis braun (Tigerauge) schillernden Flecken. Die Bruchstellen eines Pietersits zeigen Seidenglanz.
Die Klassifikation des Pietersits
Falkenauge und Tigerauge für sich genommen sind mikrokristalline Quarz-Varietäten, die im "Trigonalen Kristallsystem" kristallisiert sind. Deshalb erscheint auch das Gestein "Pietersit" überwiegend in trigonaler Form als derbe Quarzmasse. So ist es naheliegend dieses brekzienartige Gesteinsgemenge in die Quarz-Gruppe und somit in die Mineralklasse der Oxide zu verfrachten.
Allerdings gehören die blauschwarzen Asbestfasern des Krokydoliths aus dem Falkenauge sowie die goldbraunen Hornblende-Fasern (Brauneisen) des Tigerauges in die Gruppe der Amphibole. Damit muss man eigentlich auch einen Teil des Pietersits als Ketten-Silikat der Mineralklasse der Silikate zuordnen.
Neben den Elementen Natrium (Na) und Eisen (Fe), kann Pietersit außerdem Spuren der Elemente Magnesium (Mg) und Aluminium (Al) enthalten.
Erscheinungsformen im Handel
Mit dem Handelsnamen "Pietersit" erscheinen vor allem Schmucksteine im Cabochon- oder Tafelschliff auf dem Markt. Aber auch verschiedene Formen an Trommelsteinen sind als Anhänger oder Handschmeichler immer häufiger anzutreffen, seit sich sein Ruf als Heilstein herumgesprochen hat. Kunstgewerbliche Objekte kommen jedoch seltener vor.