Rauchquarz als traditioneller Schutzstein
Bekannt war der im Vergleich zu Bergkristall seltenere Rauchquarz schon in der Antike. Der römische Gelehrte, Geschichtsschreiber und Naturforscher "Plinius der Ältere" erwähnte ein rauchfarbenes Mineral im 37. Buch seiner Enzyklopädie "Naturalis historia" unter dem Namen "mormorion". Ob man dieses Mineral zu dieser Zeit auch schon als Schutz- und Heilstein nutzte, wie einige Quellen behaupten, ist nicht zweifelsfrei bewiesen, aber sehr gut denkbar. Eine größere historische Bedeutung hatte Rauchquarz jedoch eher nicht.
Ein beliebter Stein vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert
Seit dem Mittelalter hat der rauchig getrübte Kristallquarz nachweislich einen Platz im mystischen und therapeutischen Bereich. Vor allem in den Alpenländern, wo Rauchquarz beeindruckende Dimensionen erreichen kann, gilt er bis heute als Schutzstein, der Unglück jeder Art abhalten soll. Vor allem im 19. Jahrhundert entstehen auch größere, kunsthandwerkliche Objekte, wie Prunkvasen von Fabergé aus dem Jahre 1889 beweisen.
Schützende Morion-Kreuze
Neu geschliffene Kreuze aus Rauchquarz beweisen, dass auch in unserer modernen Zeit immer noch der Wunsch besteht, Schutzsymbole bei sich zu tragen. Dieses weitverbreitete, christliche Symbol erscheint bevorzugt in einer sehr dunklen Kristallquarz-Qualität auf dem Markt.
Im deutschen Sprachraum (Deutschland, Österreich, Schweiz), vor allem im Alpenraum, findet man häufig fast schwarze Rauchquarz-Kreuze unter der verkürzten Version der antiken Bezeichnung "Morion". Dass in den europäischen Kriegen bis ins 19. und 20. Jahrhundert dieser Heilstein auch Soldaten als religiös geprägtes Schutzamulett diente, erscheint so nicht weiter verwunderlich.
Entstehung und Merkmale des Rauchquarzes
Da Rauchquarz primär aus hydrothermalen Prozessen im Umgebungsgestein hervorgeht, kann man ihn in Gesteinshohlräumen wie Drusen und Klüften finden. Aber auch bei der Bildung von sauren Pegmatiten kann dieser braune Kristallquarz entstehen. Rauchquarz gehört als Mitglied der großen Quarz-Gruppe zur Mineralklasse der Oxide.
Trigonales Kristallsystem
Wie Bergkristall, bildet auch Rauchquarz trigonale, prismatische Kristalle, deren Prismenflächen charakteristisch quer gestreift sind. Da radioaktive Strahlung das Kristallgitter in enorme Spannung versetzt, können sich Skelettquarze und Kristalle mit vielen Flächen bilden. Auch geringe Wassereinschlüsse im Kristall kommen vor (Enhydro-Kristall).
Wie entsteht die rauchige Färbung?
Wenn auf einen farblosen Kristallquarz natürliche oder künstlich erzeugte, elektromagnetische Gammastrahlen einwirken, verändert sich im Kristallgitter die Verteilung des enthaltenen Aluminiums (Al) und Lithiums (Li). Diese Li-Al-Zentren zeigen in ihrer ionisierten Form dann eine rauchbraune Färbung. Rauchquarz enthält außerdem noch Spuren von Natrium (Na), das sich jedoch farblich nicht auswirkt.
Normalerweise ist Rauchquarz immer bräunlich durchsichtig, und sogar die sehr dunklen Morions sind selten völlig schwarz, wenn man sie vor eine Lichtquelle hält. Deshalb ist bei ganz schwarzen Kristallquarzen im Handel immer Vorsicht geboten, denn fast nur künstlich bestrahlte Quarze können diese Schwärze erreichen.
Rauchquarz-Bestimmungsmerkmale
Mit einer Mohshärte von 7 und Dichte von etwa 2,63 eignet sich Rauchquarz gut für die Verwendung als Schmuckstein. Traditionell erscheint er gerne bis heute im Facettenschliff oder als runder Cabochon auch in Herrenschmuck-Kreationen. Seine Spaltbarkeit ist unvollkommen und nur parallel zur Fläche des Rhomboeders möglich. Rauchquarz zeigt einen muscheliger Bruch, eine weiße Strichfarbe und durchsichtige bis durchscheinende Transparenz mit Glasglanz.
Allgemein besitzt Rauchquarz dieselben chemischen und physikalischen Eigenschaften wie alle Mitglieder der Quarz-Gruppe, zu der er gehört.
Möglichkeiten der Verwechslung
Charakteristische Rauchquarz-Kristalle sind eigentlich unverwechselbar, allein als Trommelstein treten Ähnlichkeiten mit dem amorphen Vulkanglas "Rauchobsidian" auf. Dieses natürliche Glas besitzt jedoch eine geringere Härte von maximal 5,5 und gar keine Spaltbarkeit sowie eine leicht durchscheinende bis undurchsichtige Transparenz.
Rauchquarz und ähnliche Schmucksteine
Allerdings als geschliffener Schmuckstein kann Rauchquarz beispielsweise Andalusit, Turmalin, Vesuvian oder Topas so ähnlich sehen, dass eine mineralogisch-gemmologische Überprüfung nötig ist. Vor allem die unterschiedliche Dichte ist hier richtungsweisend.
Andalusit kann eine höhere Dichte von 3,12 bis 3,18 und Vesuvian von etwa 3,3 bis 3,4 vorweisen. Außerdem zeigt letzterer einen splitterigen Bruch. Turmalin liegt mit einer Dichte von 3,02 bis 3,26 ebenfalls über dem Rauchquarz und hat je nach Varietät oft zusätzlich eine graue Strichfarbe. Topas ist als Edelstein schnell über die hohe Mohshärte von 8 und Dichte über 3,53 identifiziert, außerdem lässt er sich vollkommen spalten.
Rauchquarz-Imitationen
Da dieser Schmuck- und Heilstein seltener vorkommt als sein durchsichtiger Verwandter, findet man oft bestrahlte Bergkristalle und synthetische Quarze unter der Bezeichnung "Rauchquarz" auf dem Markt. Dabei verwendet man aluminiumhaltige Bergkristalle, die durch eine entsprechende, künstliche Strahlendosis relativ schnell ihre Farblosigkeit verlieren. Um einen natürlich entstandenen Rauchquarz handelt es sich hier logischerweise nicht.
Verdacht auf Manipulation
Bei bestrahlten Bergkristallen und ihren Synthesen gestaltet sich der Nachweis jedoch wie so oft selbst unter Laborbedingungen schwierig. Allein die Angabe des Fundortes kann einen möglichen Verdacht auf Manipulation vergrößern. Bekanntlich unterzieht man beispielsweise die Quarze aus Arkansas (USA) in großer Anzahl diesem farbverändernden Strahlungsprozess. Da es faktisch wenig bis gar keine natürlichen Rauchquarz-Vorkommen dort gibt, wird eben nachgeholfen. Somit ist vor allem bei sehr dunklen Morions aus dieser Region der USA Vorsicht geboten.
Außerdem sind natürlich auftretende Risse im Kristall oft mit Epoxy-Harz aufgefüllt, um ein einheitlicheres Erscheinungsbild und eine bessere Stabilität zu erzielen. Zum Glück ist diese Manipulation jedoch leicht nachweisbar.