Paraiba-Turmalin - eine Rarität unter den Edelsteinen
Der erstmals im Jahre 1989 entdeckte Paraiba-Turmalin stammt aus dem gleichnamigen, brasilianischen Bundesstaat, der nach dem Fluss "Rio Paraíba" benannt wurde. Seit dem Jahre 2006 ist die ehemalige "Elbait-Varietät" als eigenständige Turmalin-Varietät anerkannt. Zuvor galt er als Varietät der Turmalin-Varietät "Elbait".
Heute zählt Paraiba-Turmalin als wahre Rarität zu den teuersten Edelsteinen der Welt. Die aufgerufenen Preise sind teilweise vergleichbar mit Diamanten in bester Qualität. Schon allein die auffallende Leuchtkraft seiner Blau-, Türkis- bis Grüntöne versetzt den Betrachter in Urlaubsstimmung. Assoziationen eines strahlend blauen Himmels und eines blaugrünen Ozeans drängen sich geradezu auf... und andere Träumereien.
Vorkommen und monetäre Wertigkeit
Auch wenn man inzwischen in Nigeria (2001) und Mosambik (2005) Turmaline mit einer ähnlich blaugrünen Neonfärbung entdeckt hat, so ist doch die Bezeichnung "Paraiba-Turmalin" hier eigentlich unangebracht. Der Name "Paraíba" bezieht sich auf einen bestimmten Fundort in Brasilien, sodass für die beiden anderen Länder eigenständige Bezeichnungen kreiert werden sollten, die deren Ursprung kennzeichnen... Allerdings profitiert der Handel vom enormen Prestige der Typlokalität "Paraíba" in Brasilien. Da diese Mienen jedoch so gut wie erschöpft sind, zählen echte Paraiba-Turmaline zu den Raritäten unter den Raritäten.
Geschliffene Edelsteine und Trommelsteine
Intensiv leuchtende Paraiba-Turmaline aus Brasilien mit klarer Transparenz und möglichst wenig Einschlüssen erreichen in geschliffener Form ein hohes Edelstein-Niveau, was die Preise bestätigen. Während ein 0,7 Karat schweres, geschliffenes "Paraiba-Steinchen" gerade mal um die 3.300 € kosten kann, besitzen schwerere Exemplare mit etwas über 4 Karat, je nach Qualität, eine Preisspanne von 7.000 € bis 11.800 €. Für 7 Karat schwere, geschliffene Paraiba-Turmaline können auch stattliche 200.000 € fällig werden. Man sieht diese Turmaline gehören nicht zu den Schnäppchen.
Doch zum Glück für die Steinheilkunde gibt es auch minderwertigere Qualitäten, die an Farbe und Transparenz zu wünschen übrig lassen, aber trotzdem als Heilstein wertvolle Dienste leisten können. Gebohrte Trommelsteine sind somit im Handel schon ab 20 € erhältlich.
Wie erkennt man einen echten Paraiba-Turmalin?
Auch wenn man sich Edelsteine im Allgemeinen ohne Einschlüsse wünscht, so sind doch gerade diese Verunreinigungen ein Indiz für ihre Echtheit. Da sehr reiner Paraiba-Turmalin mit durchsichtiger Transparenz ungemein selten vorkommt, muss man mit dementsprechenden Preisen rechnen. Deshalb ist in diesen Fällen ein gemmologisches Gutachten unerlässlich, denn auch hier sind Manipulationen üblich.
Manipulierte Paraiba-Turmaline
Leider unterzieht man die meisten Exemplare dieser Turmalin-Varietät einer Wärmebehandlung, bei der sich die optische Qualität verbessert. Im oberen Preisniveau ist deshalb beim Kauf eines Paraiba-Turmalins immer auch ein zertifiziertes, gemmologisches Gutachten dabei, das entweder "Keine Anzeichen von Erhitzung" oder "Anzeichen von Erhitzung" bescheinigt.
Bestimmungsmerkmale
Wie alle Turmaline, besitzt auch der Paraiba-Turmalin eine Mohshärte von 7 bis 7,5, allerdings liegt seine Dichte mit 2,84 bis 3,10 etwas niederer als die allgemeine Dichte von Turmalinen, die von 3,02 bis 3,26 reichen kann. Ein weiteres Bestimmungsmerkmal ist die nicht vorhandene Spaltbarkeit und der kleinmuschelige Bruch, der uneben bis spröde ausfällt. Die Transparenz der Turmaline variiert von durchsichtig bis durchscheinend und sie zeigen Fett- bis Glasglanz. Als ehemalige Elbait-Varietät ist die charakteristische Strichfarbe des Paraiba-Turmalins immer weiß, was nicht für alle Turmaline gilt. Indigolith zeigt beispielsweise eine hellblaue, Verdelith eine blassgrüne, Rubellit ein blassrosa und Dravit eine graue Strichfarbe.
Ein Edelstein mit besonderer Anziehungskraft
Der allchromatische Paraiba-Turmalin besitzt eine natürliche, magnetische Anziehungskraft, die nicht nur auf seinen Kupfergehalt zurückzuführen ist. Auch die höhere Mangan-Konzentration trägt mit bis zu 6 % Manganoxid nach Gewichtsanteilen dazu bei. So führen die stofflichen Verunreinigungen durch die verschiedenen, stark färbenden Metall-Kombinationen nicht nur zu einer allchromatischen Färbung, sondern erschaffen auch einen Magneten, mit dem sich leichte Fasern, Haare und Papierschnipsel von Oberflächen entfernen lassen.
Paraiba-Turmalin als Schmuck-Edelstein
Aufgrund seiner hohen Härte bietet sich ein Turmalin eigentlich auch für den Einsatz in Ringschienen an. Doch bis zum kommerziell lukrativen Ehering schafft er es selten, denn hier besitzen nach wie vor die härtesten Edelsteine der Welt die Vorherrschaft. In punkto Härte kann selbst der robuste Saphir mit einer Mohshärte von 9 einem Diamanten nicht das Wasser reichen. Das härteste, natürliche Mineral der Erde ist mit einer Härte von 10 das Maß, an dem alle anderen Schmuck- und Edelsteine gemessen werden.
Paraiba-Turmalin im Vergleich zu Diamanten
Meistens entstehen handwerklich aufwändige, individuelle Schmuck-Kreationen mit dem auffallenden Turmalin in Neonblau oder Türkis, die im Alltag selten zu sehen sind. Die sehr raren Paraiba-Turmaline sind oft den besonderen Anlässen vorbehalten... aber dann strahlen sie um so beeindruckender, da man sich noch nicht an ihnen sattgesehen hat.
Rar auch ohne Marketing-Trick
Um ihren Status als "Rarität" zu untermauern, muss man diese türkis leuchtenden Turmaline mit der Häufigkeit des begehrtesten Edelsteins aller Zeiten vergleichen. So kann man sagen, dass ein einziger Paraiba-Turmalin-Fund auf etwa 10.000 Diamanten in bester Qualität kommt, und somit den "König aller Edelsteine" an Seltenheit bei weitem übertrifft. Auch hier gilt das kaufmännische Gesetz von "Angebot und Nachfrage", das immer schon den Wert einer Sache in die Höhe getrieben hat. Unter diesem Aspekt müssten diese besonderen Turmaline eigentlich monetär deutlich über dem Preis von Diamanten liegen...
aber im Handel herrscht auch hier der Marketing-Trick der "künstlichen Verknappung", sodass gar nicht alle Diamanten auf dem Markt erscheinen und angeboten werden, die man tatsächlich schon gefunden hat.
Wie pflegt man Paraiba-Turmalin?
Zur Reinigung dieses Heilsteins genügt normalerweise eine kurze Dusche unter lauwarmem Wasser und das Abtrocknen mit einem weichen Baumwolltuch. Bei einer danach immer noch sichtbaren Verschmutzung kann man ausnahmsweise eine milde Seife und eine kleine Bürste mit weichen Haaren verwenden. Von Dampf- und Ultraschallreinigungen ist jedoch sehr abzuraten, damit der wertvolle Edelstein nicht beschädigt wird.
Nach einer oberflächlichen Reinigung sollte der Heilstein einige Zeit in einer Schale mit Hämatitsteinen oder Bergkristallen ruhen. Auch ein nächtlicher Aufenthalt in einer Amethyst-Druse oder auf einer Bergkristall-Gruppe wirkt sich positiv auf die energetische Ausstrahlung des Edelsteins aus, wenn man ihn lange Zeit auf der Haut getragen hat.
Wie entsteht Turmalin?
Allgemein bildet sich Turmalin primär aus borhaltigem, saurem Magma. Dabei kann die Entstehung bei liquidmagmatischen, pegmatitischen, pneumatolytischen oder auch hydrothermalen Bedingungen stattfinden. Turmaline sind in viele, verschiedene Varietäten eingeteilt, die ihrerseits teilweise Untervarietäten bilden... Dravit, Elbait (Achroit, Indigolith, Verdelith, Rubellit), Schörl, Olenit, Uvit, Wassermelonen-Turmalin und Paraiba-Turmalin sind Beispiele.
Liquidmagmatische Bildung
Wenn Turmalin direkt aus der heißen Gesteinsschmelze entsteht, kann er zusammen mit einigen Feldspäten ungehindert kristallisieren und schöne Kristalle bilden. Diese sind dann oft in granitische Gesteine gebettet. Da die Mineralstoffe dieser Turmaline fast ausschließlich aus dem flüssigen Magma selbst stammen, bilden sich auf diese Weise hauptsächlich Kristalle mit hohem Eisen- und Magnesiumgehalt. Beispiele für diese Form der Entstehung sind die Turmalin-Varietäten "Dravit" und "Schörl".
Pegmatitische Bildung
Pegmatite sind grobkörnige, magmatische Gesteine, die meistens aus granitischen Schmelzen entstehen. Sie bestehen vor allem aus Quarz, Mikroklin, Glimmer und Albit. Als Nebenerscheinung kann sich unter anderem auch Turmalin bilden. Im Gegensatz zur Druse, die bei hydrothermalen Bedingungen entsteht, bildet er sich hier im Bereich der Kontaktfläche von bestehendem Gestein und flüssigem Magma, das in die verästelten Gänge und blasenförmigen Hohlräume der Pegmatiten dringen kann. Vor allem die Bor- und Silikat-Anteile aus dem Magma, aber auch herausgelöste Mineralien aus dem umgebenden Gestein, führen zur chemischen Zusammensetzung des entstanden Turmalins. Auf Pegmatiten bildet er oft größere, frei aufgewachsene Kristalle, die nahezu fast jede Farbe zeigen können. Hier kann sich neben der Varietät "Schörl" beispielsweise auch manchmal "Elbait", und selten ein "Paraiba-Turmalin" bilden.
Pneumatolytische Bildung
Bei dieser Bildungsform spielen aggressive Borsäure-Dämpfe aus dem Magma die entscheidende Rolle. Sie lösen aus dem vorhandenen Umgebungsgestein Mineralien mit hohem Silikatgehalt auf und verbinden sich mit ihnen. Dabei entsteht das Bor-Ringsilikat "Turmalin" als Kristall, der fest mit dem Mutterstein verwachsen ist. Auch hier dominiert vor allem die Turmalin-Varietät "Schörl", aber wenn zusätzlich noch Kupfer- und Mangan-Anteile während der Turmalin-Bildung eingebaut werden können, kann auch "Elbait" entstehen. Dieser zeigt sich dann in seinen attraktivsten, farblichen Varietäten (blauer Indigolith, grüner Verdelith, roter Rubellit). Als ehemalige Elbait-Varietät kann auch der rare "Paraiba-Turmalin" mit einer seiner prächtigen, blaugrünen Neonfarben dabei sein.
Hydrothermale Bildung
In dieser Bildungsphase laugt heißes Wasser das Umgebungsgestein aus, sodass sich Mineralstoffe in der Flüssigkeit auflösen und anreichern. Bei dem anschließenden Abkühlungsprozess dieser mineralstoffreichen, hydrothermalen Lösungen können neue Mineralien entstehen. Befindet sich auch Borsäure unter den Bestandteilen, bilden sich Turmaline, die man später in Drusen-Hohlräumen finden kann. Sehr klare Turmaline in Edelstein-Qualität stammen meistens aus dieser hydrothermalen Phase. Sie bringt vor allem Elbait-Varietäten wie Indigolith, Rubellit und Verdelith und die Turmalin-Varietät "Paraiba" hervor.
Kristallsystem und Habitus
Turmalin kristallisiert im "Trigonalen Kristallsystem". Seine oft langprismatischen Kristalle mit dreieckigem Querschnitt zeigen charakteristische Längsstreifen und dreiflächige Spitzen, glatte Endflächen oder faserige, unregelmäßige Kristall-Abschüsse.
Die Erscheinungsform der Turmalin-Familie bietet eine Habitus-Vielfalt, die ihresgleichen sucht. So gibt es neben "Solitär-Kristallen" auch stängelige, parallel, radialstrahlig, oder büschelförmig verwachsene Kristall-Anhäufungen. Geschlossene "Zapfenformen", ungeordneter "Kristallrasen" und körnig-dichte Aggregate ergänzen das breite Turmalin-Repertoire. Dazu kommt noch eine Vielzahl an Paragenesen (Vergesellschaftung verschiedener Mineralien) mit anderen pneumatolytisch oder hydrothermal entstandenen Mineralien. Sie sind als sogenannte "Sammlerstufen" aus Quarz, Feldspat oder Glimmer mit Turmalin-Verwachsungen sehr gefragt.
Mineralstoff-Aufbau
Obwohl Turmaline aus sehr vielen verschiedenen Mineralstoffen und Spurenelementen bestehen, gibt es doch auch einen allgemein gültigen Aufbau, dem alle Turmaline folgen. Die ein-, zwei- und drei-wertigen Metallionen haben immer ein Verhältnis von 1 : 3 : 6, während das basische Hydroxid (oder Fluorit), die Borat-Gruppen und Silikat-Ringe immer im Verhältnis 4 : 2 : 1 vorkommen. Diese Struktur ändert sich nicht, aber durch die zusätzliche Einlagerung von verschiedenen Metallen entsteht die enorme Farbenvielfalt der Turmalin-Familie. Ein höherer Kupfergehalt und etwa 6% Mangan-Oxid bringen beispielsweise das leuchtende Neonblaugrün des Paraiba-Turmalins hervor.
Turmalin-Extravaganzen in aller Kürze
Neben der bereits beschriebenen Formenfülle, hat die Turmalin-Familie außerdem eine enorme monochrome Farbenvielfalt und spektakuläre polychrome Farbkombinationen zu bieten. Dabei sind die meisten monochromen (einfarbig) Turmaline schwarz (z.B. Schörl) oder braun (Dravit). Seltener findet man grüne (z.B. Verdelith) sowie rote (z.B. Rubellit) Exemplare und sehr selten sind blaue, blaugrüne (z.B. Indigolith, Paraiba-Turmalin) und violette (z.B. Apyrit) Turmaline dabei.
Polychrome Kristalle
Mehrfarbige Turmaline teilt man in drei verschiedene Typen ein, denn hier ist bunt nicht gleich bunt. Die Farbverteilungen können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
Epizonare Polychromie
Dieser Typ bildet horizontal verlaufende, übereinander liegende Farbzonen, die klar von einander getrennt sein können oder auch fließende Übergänge zeigen. Brasilianische "Papageios" oder auch sogenannte "Regenbogen-Turmaline" können zusätzlich noch ein schwarze oder rote Spitze besitzen.
Konzentrisch-zonare Polychromie
Sogenannte "Turmalin-Scheiben" lassen in ihrem Querschnitt diesen Typus erkennen. Hier umgeben verschiedene Farbzonen vertikal einen inneren, dreieckigen Turmalin-Kern, vergleichbar mit den Jahresringen eines Baumes. Dieser Kristall bildet einen geraden Abschluss mit andersfarbiger Spitze. Erst der Querschnitt zeigt die konzentrisch verlaufenden, verschieden farbigen Dreieckslinien, während ein Längsschnitt die vertikalen Farbschichten freilegt.
Der sogenannte "Wassermelonen-Turmalin" besitzt beispielsweise einen roten Kern und eine grüne Umrandung. Er ist ein wichtiger Heilstein in der Steinheilkunde.
Pyramidal-prismatische Polychromie
Auch bei der dritten Möglichkeit der Farbverteilung offenbart erst ein Längs- oder Querschnitt die wahre Farbenpracht des polychromen Turmalins. Hier kann man sich einen dreieckigen Bleistift vorstellen, der immer wieder, wie eine Kerze, mit einer neuen Farbschicht überzogen wurde. Die verschiedenen Farbbereiche ähneln den Wachstumszonen eines Phantomquarzes.
Von außen ist das bunte Innenleben nicht zu sehen, da die äußere Farbschicht die anderen überdeckt. Auch hier zeigt der Querschnitt konzentrisch verlaufende, vielfarbige Linien in Dreiecksform. Jedoch der Längsschnitt lässt die verschieden farbigen Zonen erkennen, die wie dünne Hauben über den spitzen, vertikalen Kern gezogen sind.
Von dreiflüglichen Säulen und zentralen Dreiecken
Wie diese farbgewaltigen Wunderwerke entstanden sind, kann die Fachwelt nicht in allen Fällen schlüssig erklären. So gibt es beispielsweise im Inneren des Turmalin-Kristalls manchmal zusätzlich zu den Farbschichten noch dreiflügelige Säulen, die immer Rosa-Töne zeigen.
Ein anderes Phänomen heißt "Pedion" und beschreibt ein zentrales Dreieck im Inneren mit deutlich horizontaler Ausrichtung, während alle anderen äußeren Farbschichten vertikal verlaufen. Doch dieses Dreieck ist nicht immer durchgängig im Kristall zu finden. Die Liste der Möglichkeiten kann wahrscheinlich niemals wirklich komplett sein, da Turmaline oft ganz individuelle Erscheinungsformen und Farbzusammenstellungen präsentieren.
Angesichts dieser fast unbegrenzten Möglichkeiten gehört Paraiba-Turmalin farblich gesehen wahrlich zu den schlichten, monochromen und unkomplizierter aufgebauten Varietäten. Hier besticht das intensive und auffallende Neon-Leuchten der blauen bis grünen Färbung und natürlich sein rares Vorkommen.